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Bericht aus Dublin: Zweiter Tag der Lipodystrophie-Konferenz
von Georg Behrens
Dublin, 22.11.2005 - Der zweite Tag der Lipodystrophie-Konferenz in Dublin beschäftigte sich
mit den Konsequenzen von Insulinresistenz, Leberverfettung und den möglichen Schäden der
HIV-Therapie an den Nieren. Über die Bedeutung der Insulinresistenz und des sog. metabolischen
Syndroms bei seronegativen Menschen (Patienten?) diskutieren Diabetologen gerade jetzt wieder sehr
kontrovers. So war auch nicht zu erwarten, dass die Fragen zum verminderten Ansprechen von
verschiedenen Geweben auf Insulin unter verschiedenen HIV-Therapiekombinationen in Dublin
abschließend geklärt werden würden. Zunächst rückte die Verfettung der
Leber (Hepatosteatose) in den Mittelpunkt des Interesses. Hannele Yki-Järvinen stellte in ihrem
Übersichtsvortrag [1] heraus, dass die Leberverfettung nach ihrer Meinung die wichtigste
Ursache für eine hepatische Insulinresistenz ist und dass die hepatische (und nicht die
periphere Insulinresistenz) der entscheidende pathogenetische Faktor für ein erhöhtes
kardiovaskuläres Risiko darstellt. Die hepatische Insulinresistenz ist demnach der primäre
pathophysiologische Schritt, der über die fehlende Suppression der Glukoneogenese dann zur
Manifestierung eines Diabetes mellitus führen kann. Was die Leberverfettung bei HIV-Patienten
vorantreibt, ist nicht ganz klar. Faktoren könnten Mitochondrienschäden, chronische
Inflammation oder der vermehrt Fluss von freien Fettsäuren aus dem Bauchraum zur Leber sein.
Diese Sichtweise blieb in der anschließenden Diskussion nicht ohne Widerspruch und es wurde
deutlich, dass nach wie vor an den grundlegenden Konzepten zur Erklärung der metabolischen
Nebenwirkungen der HIV-Therapie gearbeitet werden muss. Es bestand auch am Ende keine Einigkeit
darüber, welche Surrogatmarker als sinnvoll für die Einschätzung des
kardiovaskulären Risikos von HIV-Patienten anzusehen sind. Kathleen Mulligan [2] zeigt in ihrer Präsentation, dass der 2-Stunden-Glukosewerte aus einem
oralen Glukosetoleranztest ein guter Indikator für eine Insulinresistenz bei behandelten
HIV-Patienten darstellt und eine sehr gute Korrelation zu den Ergebnissen eines euglykämischen
hyperinsulinämischen Clamps aufweist. Steven Grinspoon [3] stellte die überraschende
Beobachtung vor, dass das subkutane Fettgewebe von Patienten mit ausgeprägter Lipodystrophie
sogar eine erhöhte Insulinsensitivität aufweist. Wie das zu erklären ist, bleibt
zunächst noch ungewiss aber er spekultiert, dass evtl. kompensatorisch andere
Glukosetransportwege (GLUT1) aktiviert werden können. Carl Grunfeld [4] präsentierte dann
eine weitere Studie zur peripheren Insulinresistenz nach einmaliger Einnahme von Amprenavir vor und
schlussfolgerte, dass diese Substanz, wenn überhaupt, nur minimale Einfluss auf einen
reduzierte Insulinwirkung an der Muskulatur hat. In einer anderen Studie [5] wurden die periphere
Insulinresistenz nach 10 Tagen Einnahme von geboostertem Atazanavir oder Lopinavir verglichen. Hier
führte Lopinavir zu einer nachweisbaren Insulinresistenz im clamp und oralen
Glukosetoleranztest (OGT), während ATV/RIT nur zu einer Vergrößerung der "Area
under the curve" (AUC) im OGT führte, was auf einen geringeren Einfluss von geboostertem
Atazanvir auf die Insulinwirkung hindeutet. Eine Studie von BMS zeigt anhand von in vitro
Untersuchungen, dass Lopinavir evtl. auch die Freisetuzng von Insulin aus den Betazellen im Pankreas
beeinträchtigt, was in verbindung mit der Insulinresistenz eine diabteische Stoffwechsellage
begünstigen könnte [6]. HIV und die Niere, das war das abschließende Thema dieses Tages [7]. Paul Klotman aus New York
machte deutlich, dass er nephrologische Probleme bei HIV-Patienten in Zukunft eher häufiger als
seltener erwartet. Dabei stehen sowohl HIV-assoziierte als auch medikametenassoziierte Probleme im
Vordergrund, was er anhand der HIV-assoziierte Nephropathie und den Kreatininveränderungen
unter Tenofovir deutlich machte. In den USA ist das terminale Nierenversagen auch nach
Einführung der HAART nicht rückläufig und vor allem bei farbigen HIV-Patienten ein
Problem. Ungeklärt bleiben viele Fragen zu Tenofovir, das nun ausserhalb von Studien im
unselektionierten Patientenkollektiv eingesetzt wird. Nicht wenige Zuhörer äußerten
Befürchtungen, dass dieses Medikament zu signifikanten Schäden an der Niere führen
könnte. Geringe Anstiege von Serumkreatinin sind jedoch nicht immer Grund zur Sorge und
können andere Ursachen haben. Besser sind Kalkulationen oder besser die Messung der
Kreatininclearance, jedoch sind auch hier geringe Beeinträchtigungen nach Ansicht von Klotman
akzeptabel. Sinnvoll wären neue Methoden, die eine sensitive und frühzeitige Erfassung von
nephrotoxischen Nebenwirkungen ermöglicht. Aber hier gibt es kaum neue Verfahren und noch
keine Erfahrungen bei HIV-Patienten. So bleibt zunächst unbeantwortet, ob Tenofovir wirklich
ohne relvante nephrotoxische Effekte ist oder ob sich Patienten mit einem höheren Risiko
für Nephrotoxizität identifizieren lassen. Literatur |
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Wichtiger Hinweis für die Leser
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