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Studie findet keinen Unterschied zwischen NNRTIs und PIs
von Christian Hoffmann
Hamburg, 11.10.2005 -
Als Blips bezeichnet man vorübergehende, fast immer in niedrigen Bereichen liegende Werte der
Viruslast - wenn jeweils vorher und danach die Viruslast unter der Nachweisgrenze lag. Man
braucht deshalb mindestens drei Messungen der Viruslast, um einen Blip als solchen identifizieren zu
können. Blips sind ein häufiges Phänomen und bei bis zu 20-40 % der Patienten zu
beobachten. Patienten und Behandler werden trotzdem oft verunsichert: kündigt sich hier ein
Therapieversagen an? Obwohl sich die Daten mehren, dass dies zumindest mittelfristig nicht der Fall
ist (Havlir [1-4], sind die Ursachen für Blips weitgehend unerforscht. Klar zu sein scheint
inzwischen zumindest, dass kein Zusammenhang mit der Compliance besteht, wie vielleicht man auf den
ersten Blick vermuten könnte [5,6]. Möglicherweise spielen eher immunologische Mechanismen
bei der Blip-Entstehung eine Rolle. Je früher Patienten im Verlauf der Infektion behandelt
werden bzw. je höher die CD4-Zellen beim Therapiebeginn waren, desto seltener scheinen Blips
aufzutreten [5,7]. Anfang 2005 wollte es die Arbeitsgruppe um Bob Siliciano ganz genau wissen: In
einer aufwendigen Studie [8] wurden zehn Patienten, bei denen die Viruslast mindestens sechs Monate
unter 50 Kopien/ml gelegen hatte, über einen Zeitraum von 3-4 Monate alle 2-3 Tage (!) Blut
abgezapft. Je mehr man sucht, desto eher wird man fündig: bei neun der zehn Patienten war
während der Beobachtungszeit mindestens eine vorübergehende Viruslast über 50
Kopien/ml messbar. Der Blip war allerdings jeweils moderat, lag im Median bei 79 Kopien/ml und
reichte von 51 bis 201 Kopien/ml. Die Blips waren weder mit spezifischen klinischen Daten, noch mit
niedrigeren Plasmaspiegeln oder gar Resistenzen assoziiert. Diese Beobachtungen ließen die
Autoren folgern, dass Blips (mit niedrigen messbaren Werten) vor allem biologische bzw. statistische
Zufälle repräsentieren und nichts mit Therapieversagen zu tun haben. Bei einem
geschätzten Steady-State-Level der Viruslast von etwa 20 Kopien/ml streuten die Werte einfach
im Sinne einer Zufallsverteilung. 96 % der so zufällig verteilten Messwerte lägen
allerdings unterhalb von 200 Kopien/ml, weshalb man sich erst bei höheren Blips Gedanken machen
müsse [8]. In der aktuellen Ausgabe von "Clinical Infectious Diseases" widmete
sich nun eine Arbeitsgruppe der Frage, ob bestimmte ART-Regime mit Blips assoziiert sind [9].
Bisherige Blip-Studien hatten überwiegend PI-Regime untersucht. Galt die Ungefährlichkeit
auch für NNRTIs? Angesichts der raschen Resistenzentwicklung bei dieser Substanzklasse
könnten, so die Hypothese, Blips hier rascher zu einem virologischen Therapieversagen
führen. Zur Beantwortung der Frage wurden die Daten von 380 Patienten aus einer großen
Kohortenstudie analysiert, die mindestens über 12 Monate beobachtet werden konnten. Bei allen
war die Viruslast regelmäßig kontrolliert worden und hatte unter 50 Kopien/ml gelegen.
Unter den 244 Patienten unter NNRTI-haltigen Regimen war die Häufigkeit der Blips 34 %, bei den
136 Patienten unter PI-Regimen lag sie bei 33 %. Es fand sich also keinerlei Unterschied zwischen
PIs und NNRTIs, und auch die Höhe der Blips war gleich (im Median 140 bzw. 144 Kopien/ml). In
einer multivariaten Analyse wurde das Blip-Risiko durch eine CD4-Zellzahl von weniger als 200/µl in
etwa verdoppelt, was frühere Studien bestätigte [5,7]. Die wichtigste Erkenntis der Studie
war jedoch, dass die Blips das Risiko für virologisches Versagen nicht erhöhten (in beiden
Gruppen ca. 8 % nach 2 Jahren), auch nicht in der NNRTI-Gruppe. Fazit: Nach dem jetzigen Wissensstand sollten auch wiederholte Blips keine
Änderung der HAART zur Folge haben. Bei hohen Blips (> 200-500 Kopien/ml) ist jedoch
Vorsicht geboten. Zu betonen ist außerdem, dass Blips von niedrigen, wiederholt messbaren
Plasmavirämien zu unterscheiden sind. Bei diesen hat sich eindeutig gezeigt, dass hier das
Resistenzrisiko erhöht ist [10, 11].
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Wichtiger Hinweis für die Leser
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