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Superinfektion mit resistentem HI-Virus offenbar möglich

Kalifornische Arbeitsgruppe berichtet von einem HIV-infizierten Patienten, der sich später zusätzlich mit einem resistenten Virusstamm infizierte

von Christian Hoffmann

Hamburg, 15.08.2005 - Sogenannte Superinfektionen, bei denen sich bereits HIV-infizierte Patienten mit neuen HIV-Stämmen infizieren, sind in den letzten Jahren mehrfach beschrieben worden [1-5] und insofern keine Neuigkeit mehr. In der aktuellen Ausgabe von AIDS berichtet nun jedoch eine kalifornische Arbeitsgruppe um Susan J. Little erstmals von einem HIV-infizierten Patienten, der sich zusätzlich mit einem zweiten, resistenten Virus infizierte [6].

Zu dem Fall: Der 31jährige Patient war nach einer vermuteten Infektion im April 2001 wenige Monate später erstmals HIV-positiv getestet worden. Resistenzanalysen zu diesem Zeitpunkt ergaben weder genotypisch noch phänotypisch relevante Resistenzen. Im Oktober 2002 begann der Patient im Rahmen einer Studie eine Triple-Nuke-Therapie aus AZT, 3TC und Abacavir, die jedoch kein ausreichendes virologisches Ansprechen zeigte. Mit Beendigung der Studie wurden bei dem Virus des Patienten einige PI-Mutationen gefunden (u.a. die L90M), ohne daß diese Mutationen zuvor nachweisbar gewesen wären. Auch hatte der Patient (glaubhaft) zu keinem Zeitpunkt PIs eingenommen, allerdings mit mehreren Partnern auch nach initialen HIV-Diagnose zahlreiche Hochrisikokontakte gehabt. Sämtliche noch vorhandenen Plasmaproben bzw. HIV-Stämme des Patienten wurden darauf hin mit diversen molekulargenetischen Methoden sehr genau untersucht, unter anderem mittels Sequenzierung verschiedener Genomabschnitte, sowie detaillierten phylogenetischen Analysen. Diesen Analysen zufolge bzw. nach Auffassung der Autoren konnte damit eine Koinfektion, also die gleichzeitige Infektion mit verschiedenen Virusstämmen, weitgehend ausgeschlossen werden. Die plausibelste Erklärung für die neu aufgetretenen PI-Mutationen ist nach diesen Daten eine Superinfektion des Patienten mit einem resistenten Virus.

Fazit: Der Fall hat, obwohl er sicher noch bestätigt werden muß, in jedem Fall schon jetzt eine klinische Relevanz, als daß er das zeigt, was man theoretisch schon lange vermuten mußte: Eine HIV-Infektion bietet grundsätzlich keinen Schutz davor, sich noch mit zusätzlichen, resistenten Viren zu infizieren. Die Patienten sollten auf die Gefahr neuer Resistenzen hingewiesen werden, die beim unsafe sex mit ebenfalls HIV-infizierten Patienten besteht.

Literatur

  1. Altfeld M, Allen TM, Yu XG, et al. HIV-1 superinfection despite broad CD8+ T-cell responses containing replication of the primary virus. Nature 2002; 420:434-439.
  2. Koelsch KK, Smith DM, Little SJ, et al. Clade B HIV-1 superinfection with wild-type virus after primary infection with drug-resistant clade B virus. AIDS 2003; 17:F11-F16.
  3. Jost S, Bernard MC, Kaiser L, et al. A patient with HIV-1 superinfection. N Engl J Med 2002; 347:731-736.
  4. Ramos A, Hu DJ, Nguyen L, et al. Intersubtype human immunodeficiency virus type 1 superinfection following seroconversion to primary infection in two injection drug users. J Virol 2002; 76:7444-7452.
  5. Yang O, Daar E, Jamieson B, et al. HIV-1 Clade B superinfection: evidence for differential immune containment of distinct clade b strains. J Virol 2005; 79:860-868.
  6. Smith D, Wong J, Hightower G, et al. HIV drug resistance acquired through superinfection. AIDS 2005, 19:1251-6.

 
 
     
 

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