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Emtriva® in Deutschland zugelassen

Von Christian Hoffmann

1. November 2003 - Und schon wieder hat sich das Arsenal antiretroviraler Therapien um eine weitere Substanz vergrößert: Mit sofortiger Wirkung ist in dieser Woche Emtricitabin (Emtriva®, FTC, früher Coviracil) von der EMEA zugelassen worden. Die Substanz wird wahrscheinlich bei Once-Daily-Regimen eine wichtige Rolle spielen. Eingesetzt werden kann sie sowohl bei naiven als auch vorbehandelten Patienten.

FTC ist ein Cytidinanalogon, das ursprünglich von der Firma Triangle entwickelt wurde, die inzwischen von Gilead übernommen wurde. Biochemisch ähnelt es sehr stark 3TC, hat jedoch eine vergleichsweise längere Halbwertzeit. Die Einmalgabe ist damit möglich, die Verträglichkeit gut, allerdings fielen in einer Studie Hyperpigmentationen auf. In vitro war FTC effektiver als 3TC, was sich bisher im Menschen allerdings noch nicht bestätigte [1]. Die Affinität zur mitochondrialen Polymerase soll niedrig sein, so dass das Risiko mitochrondrialer Toxizität wohl relativ niedrig ist.

Wie bei 3TC wird die Wirksamkeit durch die Punktmutation M184V aufgehoben. Es fiel daher zunächst schwer, einen wesentlichen Vorteil gegenüber 3TC zu entdecken. Nach den Daten des FTC-301-Trials wurde die Substanz jedoch schon im Juli 2003 in den USA zugelassen [2]: In dieser randomisierten Doppelblindstudie wurden FTC und D4T, jeweils kombiniert mit DDI und Efavirenz, in 571 therapienaiven Patienten gegeneinander verglichen. Die Studie wurde nach einem mittleren Follow-up von 42 Wochen gestoppt. Nach diesem Zeitraum hätte die mittels Kaplan-Meier-Kurve geschätzte Wahrscheinlichkeit für virologisches Versagen nach einem Jahr 14 % im D4T-Arm versus 6 % im FTC-Arm betragen - für die Studienleitung Grund genug, die Studie vorzeitig abzubrechen. Auch die Toxizität war im D4T-Arm höher. Diarrhoen und Übelkeit waren wie auch Polyneuropathien und Laktatazidosen signifikant seltener unter FTC. Auch in der so genannten ALIZE-Studie scheint sich derweil die - dauerhaft - gute Verträglichkeit und Wirksamkeit einer Once-Daily-Kombination aus FTC, DDI und Efavirenz zu bestätigen [3]. In der FTC-301-Studie traten allerdings (aus bisher unklaren Gründen) unter FTC vermehrt Husten auf.

FTC ist wie 3TC auch gegen Hepatitis B-Viren wirksam. Die Dosis wird 200 mg (= 1 Kapsel) täglich betragen, bei Niereninsuffizienz muss sie reduziert werden (siehe Packungsbeilage). Wahrscheinlich wird es noch etwa vier Wochen dauern, bis FTC in den Apotheken steht. Der Preis soll wohl in etwa dem von 3TC entsprechen. Derzeit wird ausserdem eine feste Kombination aus FTC und Tenofovir in einer Tablette getestet, mit deren Marktreife in 2005 zu rechnen ist.

Literatur:

  1. Van der Horst C, Sanne I, Wakeford C et al. Two randomised controlled equivalence trials of emtricitabine (FTC) to lamivudine (3TC). Abstract 18, 8th CROI 2001, Chicago. http://www.retroconference.org/2001/abstracts/abstracts/abstracts/18.htm
  2. Saag M, Cahn P, Raffi F, et al. A randomized, double-blind, multicenter comparison of emtricitabine QD to stavudine BID. Abstract LB1, 42nd ICAAC 2002, San Diego, USA.
  3. Molina JM, Ferchal F, Journot V et al. Emtricitabine, didanosine and efavirenz once daily versus continued PI based HAART in HIV-infected adults with undetectable plasma HIV-RNA: 48 week results of a prospective randomized multicenter trial (ALIZE-ANRS 099). Abstract 37, 2th IAS Conference 2003.

 
 
     
 

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