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Ein Herz für Dr. Zackin

Erfolgreiche Herztransplantation trotz fortgeschrittener HIV-Infektion

von Philip Aries

Hamburg, 2. Juli 2003 - Es herrscht eine strenge Hierarchie in der Reihenfolge der Koautoren eines wissenschaftlichen Artikels: In der Regel hat der Erstautor die eigentliche Arbeit gehabt und der Letzterwähnte als Chef (= senior author) alles überwacht. Die jüngste Ausgabe des New England Journals beweist, dass man auch anders zum Ruhm eines senior authors gelangen kann: Dr. Robert Zackin beschreibt mit einem Ärzteteam aus Cleveland/USA die erste trotz AIDS erfolgreiche Herztransplantation der Welt, nämlich seine eigene [1]. Zwei Jahre sind seit der Transplantation vergangen und Dr. Zackin geht so gut, dass er mittlerweile wieder Vollzeit an der Havard School for Public Health forscht und lehrt.

Dabei hatte seine im Oktober 1992 entdeckte HIV-Infektion zunächst einen recht dramatischen Verlauf genommen. Bei nur noch 20 CD4 Zellen/µl erlitt der Patient innerhalb weniger Monate mehrere opportunistische Infektionen wie Pneumocystis-Pneumonie, atypische Mykobakteriose und CMV Colitis. Im Herbst 1992 wurde zudem ein Kaposi-Sarkom am Gaumen entdeckt und zunächst lokal reseziert. Im Laufe der folgenden Jahre kam es zur Lungenbeteiligung, daraufhin erfolgte eine Therapie mit Daunorubicin, einem Anthrazyklin, deren gefürchtetste Nebenwirkung, die Herzinsuffizienz, dann auch tatsächlich eintrat. Die Auswurffraktion von Dr. Zackins Herz war schließlich bis auf 10 % reduziert, und er bedurfte der ständigen Infusion von Katecholaminen. Die HIV-Infektion war seit Beginn einer HAART im April 1995 soweit im Griff, dass die Viruslast meist unter der Nachweisgrenze lag und die CD4-Zellen im Januar 2001 auf >350/µl angestiegen waren. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Patient von der Cleveland Clinic auf die Transplantations-Warteliste gesetzt. Ausschlaggebend hierfür war, so die Autoren, dass man davon ausging, dass der Herzschaden durch die Kaposi-Therapie und nicht etwa durch HIV selbst ausgelöst worden war und sich zum anderen der klinische Zustand von Dr. Zackin soweit verschlechtert hatte, dass er auf der Intensivstation mit einer die Herzdurchblutung fördernden Maschine (IABP) behandelt werden musste.

Im April 2001 erfolgte schliesslich die Transplantation. Seitdem kam es zwar zu mehreren Abstoßungsepisoden, die durch eine kurzfristige Steigerung der Steroiddosis beherrschbar waren - glücklicherweise jedoch kam es bislang unter der doppelten Immunsuppression aus Virus und Medikation zu keiner weiteren opportunistischen Infektion.

Bis jetzt sind die meisten Herztransplantationen bei HIV-Patienten zuzusagen "versehentlich" erfolgt - nämlich in Unkenntnis des HIV Status. Das Outcome der publizierten Fälle war in aller Regel schlecht. Eine bekannte HIV-Infektion schloss die Aufnahme auf eine Transplantationsliste aus. Die Einführung von HAART und der damit verbesserten Lebenserwartung hat das strikte Dogma etwas aufgeweicht. Trotz der zu erwartenden Probleme in der Transplantationsbetreuung (z.B. pharmakokinetische Wechselwirkung der HAART mit den zur Abstoßungsprophylaxe eingesetzten Calcineurin-Antagonisten) erhalten in den letzten Monaten zunehmend mehr HIV-infizierte Patienten Nieren- oder Lebertransplantate (HIV.NET berichtete bereits http://hiv.net/2010/news2002/n0905.htm). Die ersten Ergebnisse stimmen, wie auch das Schicksal von Dr. Zackin, recht zuversichtlich. Die mittlere Überlebensrate für das erste Jahr nach Transplantation für HIV-infizierte Patienten entspricht in etwa denen HIV negativer Vergleichsgruppen [2].

Es scheint: Wer im Zeitalter von HAART erst mal so krank wird, dass er einer Organtransplantation bedarf, bei dem spielt es dann auch keine große Rolle mehr, ob er zusätzlich noch HIV-infiziert ist oder nicht.

Literatur und Link

[1] Calabrese LH, Albrecht M, Young J, McCarthy P, Haug M, Jarcho J, Zackin R. Successful cardiac transplantation in an HIV-1-infected patient with advanced disease. N Engl J Med 2003, 348(23):2323-8. Abstrakt

[2] Roland ME, Stock PG. Review of solid-organ transplantation in HIV-infected patients. Transplantation 2003, 75:425-9


 
 
     
 

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