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Erklärung zur bundesweiten Versorgung von HIV-infizierten und HIV-exponierten Kindern in
Deutschland
anläßlich des ersten Workshops der von der Michael Stich Stiftung
geförderten pädiatrischen HIV Ambulanzen am 7./8. Februar 2002 in Hamburg
Wir sind eine Gruppe von Ärztinnen und Ärzten in der
Facharztweiterbildung Kinderheilkunde und Jugendmedizin und Fachärzten für
Kinderheilkunde, die an mehreren großen Zentren in Deutschland HIV-infizierte und
HIV-exponierte Kinder versorgt.
HIV-infizierte Kinder profitieren vor allem von der Behandlung mit
neuen Medikamenten gegen HIV durch kompetente, HIV-erfahrene Ärzte. Eine
regelmäßige, lebenslange Therapie mit mindestens 3 Medikamenten stoppt die Vermehrung des
HI-Virus. Das Immunsystem kann sich erholen, Krankheiten heilen aus und es sind weniger
stationäre Krankenhausaufenthalte notwendig. Die betroffenen Kinder können bei
regelmäßiger Medikamenteneinnahme ein weitgehend normales Leben führen.
HIV-exponierte Kinder sind Kinder, die während der Schwangerschaft
dem HI-Virus in ihrer HIV-infizierten Mutter ausgesetzt waren.Durch die Behandlung der
HIV-infizierten Schwangeren mit Medikamenten gegen HIV, Kaiserschnittgeburt, die medikamentöse
Therapie und Stillverzicht beim HIV-exponierten Neugeborenen konnte in den
HIV-spezialisierten Zentren der BRD die Mutter-Kind-Ansteckungsrate für HIV von 30-40% auf 1-2%
gesenkt werden.
Zur Zt. gibt es ca. 500 HIV infizierte Kinder in Deutschland, genaue Zahlen
existieren nicht. In der Öffentlichkeit ist das Interesse an der HIV-Infektion und an HIV
infizierten Kinder im Speziellen in den letzten Jahren zurückgegangen.
Die oben geschilderten Erfolge in der Behandlung der HIV-infizierten Kinder
dürfen aber nicht darüber hinweg täuschen, daß in den Familien, die an den
Zentren betreut werden, weiterhin zum Teil desaströse finanzielle und psychosoziale
Zustände herrschen. Für die Kinder kommt erschwerend hinzu, daß mindestens ein
Elternteil auch an HIV erkrankt oder verstorben ist. Bei drogenabhängigen Eltern
läßt sich früher oder später meist eine Heimunterbringung der Kinder nicht
verhindern. Nicht wenige der Kinder sind Waisen. Kindern von Migrantenfamilien droht die Abschiebung
Es muß besonders betont werden, daß das Thema HIV gegenüber
Nachbarn, Freunden, Mitschülern, anderen Kindergartenkindern etc. tabuisiert werden muß,
und daß bei Bekanntwerden der HIV Infektion die Familien einer erheblichen Stigmatisierung
ausgesetzt sind. Es ist keine Seltenheit, daß das Bekanntwerden der HIV-Infektion von
Familienmitgliedern erst zu einer Diskriminierung und dann zu einem Umzug der Familie in einen
anderen Ort führt. Die geschilderten familiären Probleme gefährden die
regelmäßige Medikamenteneinnahme und damit den Behandlungserfolg sowie die Gesundheit
dieser Kinder. Diese spezielle Situation der HIV infizierten Kinder erfordert einen umfassenden
Therapieansatz, bei dem ein Arzt allein völlig überfordert ist.
Zur Sicherstellung, daß die Kinder unter solchen Umständen die
lebenswichtigen Medikamente auch regelmäßig einnehmen, ist eine umfassende Betreuung
notwendig, die nur mit Hilfe eines Teams aus Krankenschwestern, Sozialarbeitern, Psychologen und
Ärzten erfolgen kann. Dieses Bedürfnis nach einer umfassenden Versorgung steht im krassen
Gegensatz zu der derzeitigen Situation an den für die Versorgung verantwortlichen Zentren. Es
ist immer wieder überraschend festzustellen, daß in fast keinem der großen Zentren
Planstellen für die Versorgung HIV infizierter Kinder vorgesehen sind. Ohne die
Förderung der Michael-Stich-Stiftung, die in fast allen großen Behandlungszentren
für HIV-infizierte Kinder Arzt- oder Schwesternstellen finanziert, wäre die medizinische
Betreuung dieser Kinder in der BRD nicht mehr gewährleistet.
Der überwiegende Anteil der Mitarbeiter, die sich mit HIV infizierten
Kindern beschäftigen, arbeitet auf kurzfristigen Drittmittelstellen. Eine langfristige
Betreuung ist damit unmöglich. Die ungewisse Stellenlage führt zu einer hohen Fluktuation
in den Ambulanzen und Ärzte, Schwestern, Psychologen oder Sozialarbeiter können selten
kontinuierlich in und mit den Familien arbeiten.
Um den Bedürfnissen der Familien HIV infizierter Kinder besser gerecht
werden zu können und eine optimale Behandlung dieser Kinder zu erreichen, fordern wir:
Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Mannheim, München im Juni
2002
Dr. U. Baumann, Kinderarzt, Hannover
Dr. B. Buchholz, Kinderarzt, Mannheim
Dr. D Dunsch, Arzt, Frankfurt
Dr. R. Ganschow, Kinderarzt, Hamburg
Dr. R Linde, Kinderarzt, Frankfurt
Dr. J. Ndagijimana, Ärztin, Düsseldorf
PD Dr. T. Niehues, Kinderarzt, Düsseldorf
Dr. S. Urschel, Arzt, München
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Wichtiger Hinweis für die Leser
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