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Individueller Krankheitsverlauf - Vieles liegt in den Genen
von Andrea Rubbert 23. Juli 2002 - Die
Immunantwort gegen HIV besteht einerseits aus Antikörpern, die freie
Viruspartikel neutralisieren können, andererseits aus zytotoxischen CD8+
T-Zellen, die die zelluläre Immunabwehr darstellen. Langzeitüberlebende mit HIV
(Long Term Non Progressors = LTNP) haben seit langem das Interesse von
Forschergruppen geweckt, um möglicherweise durch Untersuchung der
Immunfunktionen Rückschlüsse über mögliche protektive Immunmechanismen zu
erhalten. Brigitte
Autran [WeOrA199] berichtete über ihre Untersuchungen an 70 LTNP, die eine seit
mehr als acht Jahren nachgewiesene asymptomatische HIV-Infektion hatten, dabei
jedoch bislang keine ART erhalten hatten und deren CD4+ T-Zellen
mehr als 600/ml
betrugen. Zum Vergleich diente eine Gruppe von 50 Patienten mit raschem
Krankheitsprogress (RP). Interessanterweise
fand sich hinsichtlich der CTL-Antwort, gemessen an der IFN-g-Produktion im
ELISPOT-Assay, kein signifikanter, sondern lediglich ein tendenzieller
Unterschied zugunsten der LTNP. Dabei wurden auch die Breite (Anzahl der
erkannten Peptide) und Intensität der CTL-Antwort untersucht. Allerdings waren
die CD8+ T-Zellen von LTNP signifikant besser in der Lage, eine
“memory “ Response auf die HIV-Proteine gag, pol, env und nef auszubilden.
Insbesondere im Chrom-Release Assay zeigten sich die LTNP den RP überlegen.
Zusätzlich wurde der Perforingehalt der IFN-g-produzierenden CD8+
T-Zellen untersucht. Dabei fand sich überraschend eine positive Korrelation
zwischen Viruslast und Perforingehalt, so daß nicht überraschend die Gruppe der
RP einen signifikant höheren Perforingehalt zeigte als die Gruppe der LTNP.
Hinsichtlich der HIV-spezifischen CD4+ T-Zellantworten konnte Autran
eindeutig eine inverse Korrelation dieser T-Zellantworten zur Höhe der
Plasmavirämie aufzeigen. Die
genetische Analyse dieser Kohorte unterstrich eindrucksvoll die Bedeutung
genetischer Faktoren: eine Vorhersage des LTNP-Status war zu 80 % möglich beim
Vorliegen folgender Konstellation: CCR5 Delta 32 Heterozygotie, SDF-1 Wildtyp,
HLA B27, Abwesenheit von DR6 sowie 3 der folgenden 4 HLA Antigenen A3, B14,
B17, DR7. Der Nachweis von neutralisierenden Antikörpern gegen HIV korrelierte
nicht mit dem LTNP Status, hingegen waren hochtitrig nachweisbare IgG2
Antikörper gegen gag und gp41 eindeutig mit einer besseren Viruskontrolle
assoziiert. IgG2 Antikörper zeichnen sich im Gegensatz zu IgG1
Antikörpern durch eine geringe Bindung an Fc-Rezeptoren und an Komplement aus
und reflektieren eine Th1-Immunantwort. Die weitere Beobachtung der
Patienten zeigte, daß nur ein Teil der Patienten seinen LTNP-Status (stabile
CD4 Zellen, keine ART) langfristig beibehielt. Der Verlauf der Patienten
korrelierte dabei eindrucksvoll mit der Immunantwort: positiver ELISPOT und IgG2
Antikörper zeigte sich bei allen Patienten mit fortbestehendem LTNP Status. Ein
geringer Anteil an Patienten mit Fortschreiten der Erkrankung war nachweisbar
bei Patienten mit ELISPOT-Antwort, jedoch ohne IgG2. Dann folgte die
Gruppe mit IgG2, jedoch ohne ELISPOT-Antwort. Am höchsten war der
Anteil der Patienten mit Progress unter denen, die weder eine ELISPOT-Antwort
noch IgG2 Antikörper zeigten. Als beste immunologische Prädiktoren
für den LTNP-Status sieht Autran das Vorhandensein von IgG2
Antikörpern und HIV-spezifischen CD4+ T-Zellen an. Interessant finde
ich an dieser Studie, daß hier zum ersten Mal eine gemeinsame Analyse von
humoraler und zellulärer Immunantwort und genetischer Untersuchung gelungen
ist. Richard
Koup [WeOrA200] beschäftigt sich ebenfalls mit HIV-spezifischen CD4+
T-Zellen. Die Aufrechterhaltung des CTL-Repertoires gegen HIV erfordert die
Persistenz HIV-spezifischer CD4+ T-Zellen. Da diese jedoch als erste
im Rahmen der HIV-Infektion aktiviert werden, ist es denkbar, das eine
bevorzugte Infektion dieser aktivierten CD4+ T-Zellen ihre rasche Verminderung im Rahmen
der HIV-Infektion erklärt. Antigen-aktivierte CD4+ T-Zellen
sezernieren IFN-g. Koups
Arbeitsgruppe war in der Lage, mittels einer speziellen Technik IFN-g-produzierende CD4+
T-Zellen nach Stimulation mit HIV-Antigen, CMV-Antigen oder sonstigen Antigenen
auszusortieren und ihren Gehalt an HIV-DNA quantitativ zu messen. Eine Kohorte
von 16 HIV-Patienten liegt den folgenden Untersuchungen zugrunde. Es zeigte
sich, dass etwa 1 % der CD4+ T-Zellen HIV-spezifisch sind, da sie
nach Stimulation mit HIV-Antigenen IFN-g produzieren. Quantitativ ist die
meiste HIV DNA in HIV-spezifischen CD4+ T-Zellen, nicht aber in
CMV-spezifischen CD4+ T-Zellen oder anderen “memory” CD4+
T-Zellen vorhanden. Einige Patienten unter HAART wurden während einer
Therapiepause hinsichtlich des Gehaltes an HIV-DNA untersucht. Koup benutzte
den Ausdruck: “Providing fuel to the fire”, was seine Beobachtungen recht gut
beschreibt. Während der Therapiepause war ein signifikanter Anstieg der
Viruslast zu verzeichnen, wobei eine signifikante Zunahme der HIV-DNA
insbesondere in den HIV-spezifischen CD4+ T-Zellen zu verzeichnen
war. Das Labor
von Bruce Walker ist insbesondere an der Charakterisierung der CTL-Antwort
gegen HIV interessiert. Eine im letzten Jahr vorgestellte Arbeit konnte zeigen,
dass Patienten, die in der frühen Phase der HIV-Infektion mit HAART behandelt
worden waren, eine intermittierende HAART Pause (STI) zunächst von einem
Anstieg der Viruslast begleitet war, in nachfolgenden Pausen jedoch eine
spontane Kontrolle der Virämie zu beobachten war, welche mit einer gleichzeitig
nachweisbaren CTL-Antwort assoziiert war. Bruce Walker berichtete, dass von
diesen Patienten auch weiterhin 9 von 14 Patienten ohne HAART sind, bei einigen
anderen jedoch ein Wiederanstieg von Viruslast und Abfall der CD4+
T-Zellen zu verzeichnen war. Neutralisierende Antikörper gegen autologe Viren
wurden in keinem Fall beobachtet. Walker berichtete weiterhin über den Fall
eines dieser Patienten, der eine ausgeprägte CTL-Antwort entwickelte, sich dann
jedoch virologisch verschlechterte. Die weiteren Untersuchungen zeigten, dass
es bei diesem Patienten zu einer Superinfektion mit einem zweiten Subtyp B
Virus gekommen war, trotz nachweisbarer in vitro kreuzreagierender CTL Antwort.
Diese Beobachtung reflektiert auf der einen Seite natürlich nur einen
individuellen Patienten - sie impliziert jedoch die Frage, ob und inwieweit
IFN-g-produzierende
CD8+ T-Zellen als protektiv anzusehen sind. Oder ist der Verlauf
dieses Patient schlimmstenfalls sogar als Anhalt dafür zu werten, dass eine
Vakzine, die eine dominante CTL-Antwort induziert, nicht notwendigerweise eine
Immunität gegen HIV bedeutet? |
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