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Nachrichten zur Übersicht ART in Barcelona - Der Verteilungskampf, Teil 2: Nukes und NNRTIs
von
Christian Hoffmann
Die
nukefreie Zone kommt – zumindest was d4T angeht Eine mutige europäische
Pilot-Studie wurde in den Late-Breakern vorgestellt (LBPp2208). Hier erhielten
bislang 74 Patienten randomisiert zu einer Kombination aus den beiden PIs
Indinavir und Ritonavir sowie dem NNRTI Efavirenz entweder noch das
Nukleosidanalogon d4T zusätzlich oder nicht. In der Interimsanalyse nach 24
Wochen zeigte sich Überraschendes: Sowohl hinsichtlich Viruslast als auch
hinsichtlich der CD4-Zellen gab es keinen Unterschied. Wenn sich diese
vorläufigen Daten bestätigen, scheint das Dogma von den Nukes als
unverzichtbarer Bestandteil der HAART endgültig zu kippen. Aus einer ganz anderen
Ecke blies der Wind ebenfalls d4T ins Gesicht: Schlomo Staszewski aus Frankfurt
stellte in der Late-Breaker-Session die Interimsanalyse der 903-Studie vor
[LBOr17]. In dieser erhalten Patienten randomisiert entweder d4T oder Tenofovir
bei einer Kombination aus 3TC und Efavirenz. Resultat: Tenofovir ist
immunologisch-virologisch mindestens genauso wirksam wie d4T. Aber: Die
Nebenwirkungsrate war im Tenofovir-Arm jedoch deutlich niedriger (3 % versus 11
%). Es traten weniger periphere Neuropathien, weniger Lipodystrophie und
weniger Laktatazidosen auf. Was aber noch mehr überraschte: Sowohl Cholesterin
als auch Triglyceride waren im Tenofovir-Arm signifikant seltener erhöht. Nach
48 Wochen waren die Triglyceride im d4T-Arm um 74 mg/dl versus 0 mg/dl, das
Cholesterin um 53 mg/dl versus 25 mg/dl angestiegen. Zwar sind die Daten noch
vorläufig und Staszewski hielt sich mit Interpretationen klugerweise noch
zurück, aber wenn sich dieser Trend bestätigt und es nicht noch ein böses
Erwachen gibt (9 versus 2 Neutropenien im Tenofovir-Arm – hat das was zu
sagen?), dürfte Tenofovir auch in die Primärtherapie rutschen. Bleibt zu
hoffen, dass die Firma Gilead dann auch allmählich mit den Preisen runtergeht.
Und für d4T scheint es nun langsam
wirklich eng zu werden. Nevirapin versus Efavirenz – Remis ?
Mehrere Kohorten-Studien
lieferten in den letzten Monaten Hinweise für eine etwas bessere antivirale
Potenz von Efavirenz gegenüber Nevirapin. Beweisen konnten derartige
Kohortenstudien allerdings nichts. In der spanischen SENC-Studie werden die
beiden NNRTIs randomisiert gegeneinander getestet. Obwohl sich auch hier ein
leichter Trend zugunsten Efavirenz zeigte – nach 48 Wochen waren 23/31 (74 %)
in der Efavirenz-Gruppe versus 23/36 (64 %) in der Nevirapin-Gruppe mit ihrer
Viruslast unter 50 HIV-RNA Kopien/ml (Intent-to-treat-Analyse) - so war dieser
Unterschied nicht signifikant [TuPeB4441]. Die Autoren folgerten, dass eine
sehr viel größere Studienpopulation nötig wäre, um tatsächlich Unterschiede
zwischen beiden Substanzen aufzudecken – sofern diese überhaupt bestünden.
Ebenfalls vergleichbar waren die Resultate einer Switch-Studie aus Argentinien,
in der 120 Patienten mit PI entweder auf Nevirapin oder Efavirenz randomisiert
wurden – in beiden Armen war die Zahl der virologischen Versager nach 36 Wochen
in etwa gleich, wobei sich das Lipidprofil lediglich im Nevirapin-Arm besserte
[TuPeB4473]. In der spanischen Lipnefa-Studie, in der PI-behandelte Patienten
randomisiert auf entweder Nevirapin, Efavirenz oder Abacavir umgestellt werden,
zeigte sich ebenfalls eine vergleichbare Effektivität der NNRTIs [WeOrB1262].
In den NNRTI-Armen war die virologische Versagerrate etwas geringer als im
Abacavir-Arm, dafür war hier die Rate an unerwünschten Nebenwirkungen
niedriger, so dass letztlich alle drei Arme in der ITT-Analyse in etwa gleich
lagen. Allerdings zeigte sich, dass es insbesondere bei insuffizienter
Vortherapie mit Nukleosidanaloga riskant ist, eine PI-Therapie auf drei Nukes
umzustellen. In den 12-Monats-Daten [ThPe7354] zeigte sich das Lipidprofil in
allen Armen verbessert, und auch hier fand sich ein etwas günstiger Trend für
Nevirapin. Fazit der in Barcelona vorgestellten Studien zu diesem Thema: Wenn
tatsächlich ein Unterschied in der antiretroviralen Potenz zwischen beiden NNRTIs
zugunsten Efavirenz besteht, so wird dieser durch das günstigere Lipidprofil
von Nevirapin vermutlich aufgehoben. |
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Wichtiger Hinweis für die Leser
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