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Noch später mit HAART anfangen?
28. November 2001 - Die meisten aktuellen
Behandlungsrichtlinien empfehlen eine HAART ab einer CD4-Zellzahl von weniger
als 350/ml. Wegen der bekannten
Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten der antiretroviralen Substanzen werden
diese "Cutoffs" von vielen Behandlern jedoch in letzter Zeit immer
weniger als bindend betrachtet. Eine in der neuesten Ausgabe
von AIDS veröffentliche Kohortenstudie [1] zeigt, daß möglicherweise noch
später mit der Therapie begonnen werden könnte. Sie verdeutlicht überdies die
Bedeutung der CD4-Zellzahlen im Vergleich zur Viruslast bei der Wahl des
optimalen Startzeitpunktes für HAART. In der HIV-Kohorte der renommierten John Hopkins
Universität in Baltimore wurden, beginnend im Juli 1996, die Daten von über
1.000 Patienten mit und ohne HAART ausgewertet. Dabei wurden 530 Patienten, die
eine HAART (79 % PI + NRTI, 10 % NNRTI + NRTI, 10 % PI + NNRTI + NRTI, 0.5 %
Triple-NRTI) erhielten, mit 484 Patienten ohne HAART verglichen, und zwar
hinsichtlich initialer HIV-Viruslast, CD4-Zellzahlen und Krankheitsprogression.
Letzteres war definiert als das Auftreten einer neuen AIDS-definierenden
Erkrankung (nach der CDC Klassifikation von 1993) bzw. Tod. Die
durchschnittliche Dauer des Follow-ups betrug 22 Monate. Wie nicht anders zu
erwarten, zeigte sich bei den HAART-Patienten mit weniger als 200 CD4-Zellen/ml vor Therapiebeginn ein im Vergleich zu den unbehandelten Patienten
deutlich vermindertes Risiko der Krankheitsprogression. Bei Patienten mit
initalen Werten zwischen 201 und 350 bzw. über 350 CD4-Zellen/ml zeigte sich dieser Effekt jedoch nicht – hier war trotz der hohen
Fallzahl kein signifikanter Effekt auf die Krankheitsprogression nachzuweisen. In den nach CD4-Zellzahlen
stratifizierten Gruppen (< 200/ml, 201-350/ml, >350/ml) war die initiale
HIV-"Viruslast" nicht mit dem Risiko einer Krankheitsprogression
assoziiert. Es zeigten sich auch keine signifikanten Unterschiede zwischen den
Geschlechtern. Insgesamt war die CD4-Zellzahl in der multivariaten Analyse der
bei weitem stärkste Prädiktor für das Fortschreiten der Krankheit. Einschränkend muß gesagt
werden, daß als Studienendpunkte nur AIDS-definierende Erkrankungen und der Tod
gewertet wurden, so daß möglicherweise kleinere Unterschiede auf der Strecke
blieben. Auch betrug das Follow-up im Durchschnitt weniger als 2 Jahre.
Insbesondere bei der Gruppe mit CD4-Zellzahlen zwischen 201 und 350/ml hätte eine längere Beobachtungsdauer möglicherweise doch Einflüsse auf
die zukünftige Krankheitsprogression aufgedeckt. Insgesamt bestärken diese
Ergebnisse trotz aller Limitationen jedoch den derzeitigen Trend, den
Therapiebeginn länger hinauszuzögern als früher, sowie sich bei noch guter
Immunfunktion auch nicht von hohen HIV-"Viruslasten" schrecken zu
lassen. Literatur
und Link [1]
Sterling TR, Chaisson RE, Moore RD. HIV-1 RNA, CD4 T-lymphocytes, and clinical
response to highly active antiretroviral therapy.
AIDS 2001, 15: 2251-2257. Abstract |
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