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Soll man die Proteasehemmer bei Lipodystrophie ersetzen?
23. November 2001 - Lipodystrophie, Dyslipidämie
und Insulinresistenz komplizieren bekanntlich häufig eine PI-haltige
antiretrovirale Therapie. Eine jetzt in AIDS veröffentlichte randomisierte
Studie von Andrew Carr und Kollegen [1] untersuchte, ob diese Veränderungen bei
einem Wechsel auf ein nicht-PI-haltiges Regime reversibel sind und ob eine
kontinuierliche HIV-Suppression gewährleistet ist. In die Studie eingeschlossen
wurden zwischen Mai und Dezember 1998 insgesamt 81 intensiv vorbehandelte
Patienten (im Median 55 Monate ART) mit vornehmlich peripherer Lipoatrophie.
Einschlusskriterien waren ein mindestens achtwöchiges PI-Regime, eine seit
mindestens sechs Monaten unter 400 HIV-RNA-Kopien liegende Viruslast. Alle
Patienten führten ihre bisherige Nukes-Therapie fort und wurden in zwei Gruppen
randomisiert. In der ersten Gruppe
(„Switchgruppe“) wurde die PI-Therapie durch eine Kombination aus Abacavir,
Nevirapin, Adefovir und ab Woche 4 zusätzlich noch durch durch Hydroxyurea
(„Switchgruppe“) ersetzt. Diese intensivierte Therapie wurde gewählt, um die
Möglichkeit einer viralen Suppression zu maximieren, da die Patienten schon
intensiv vorbehandelt waren. In der zweiten Gruppe wurde
die PI–Therapie zunächst fortgeführt mit der Option, nach 24 Wochen zu wechseln
(n = 22 von 31 Patienten). Die Veränderungen des
Körperfetts wurden mit DEXA–Scan ermittelt. Die intra- und extraabdominelle
Fettmasse wurden in Höhe von LWK 4 computertomographisch gemessen. Primäre
Endpunkte der Studie waren das Gesamtkörperfett und die Messung der
HIV-Viruslast (> 50 Kopien zu Woche 24). Daneben wurden die Sicherheit der
Therapie, die Körperfettverteilung, metabolische Parameter, die Lebensqualität
und die CD4-Zellzahl zu Woche 48 bewertet. Ergebnisse: Die Virussuppression war in
beiden Gruppen vergleichbar. Es zeigte sich eine signifikante Abnahme der
Gesamtkörper, Extremitäten- und der subkutanen sowie intraabdominellen
abdominellen Fettmasse in der Switchgruppe (insgesamt -1,6 kg gegenüber - 0,4
kg), unabhängig von der bei Studienbeginn gemessenen peripheren Fettmasse.
Trotz der Abnahme des peripheren Fettgewebes wurde in der Switch-Gruppe
subjektiv eine Verbesserung der Lipoatrophie und auch der Lebensqualität
angegeben, letzteres möglicherweise auch durch eine erniedrigte Tablettenanzahl
und die Unabhängigkeit von einer Einnahme zu den Mahlzeiten. Bezüglich der metabolischen
Parameter zeigte sich eine Reduktion der Werte für Cholesterin und Triglyzeride
– unabhängig von dem vorher gegebenen PI oder der Höhe der Lipide bei
Studienbeginn. HDL nahm in beiden Gruppen signifikant zu. Die Parameter des
Glukosestoffwechsels (Nüchternblutzucker, Insulin, C-Peptid) änderten sich in
beiden Gruppen nicht. In den ersten 24 Wochen wurde bei 37 % der Patienten in
der Switchgruppe wegen Nebenwirkungen mindestens eine Substanz abgesetzt,
wohingegen kein Patient in der PI-Gruppe die Medikation vor Woche 24 absetzte. In dieser Studie an
vornehmlich lipoatropischen, intensiv vorbehandelten Patienten zeigte sich
somit, daß ein Austausch von PIs gegen Abacavir, Nevirapin, Adefovir und
Hydroxyurea zur Verringerung der intraabdominellen Fettmasse und zu einer
Verbesserung der Cholesterin- und Triglyceridwerte führt, jedoch auch zu einer
Verschlechterung der peripheren Lipoatrophie. Als mögliche Ursachen kommt
in Betracht, daß die Lipoatrophie vor allem ein Effekt der
Nukleosid-Analoga-Therapie sein und so durch die weitere Behandlung mit dieser
Substanzklasse verschlimmert werden könnte. Alternativ könnte es sich bei der
Lipodystrophie um ein irreversibles Phänomen handeln oder zumindest eines,
welches längere Zeit zur Rückbildung benötigt. Generell lässt sich sagen, das
die erhofften Veränderungen durch einen Therapiewechsel während der
Beobachtungszeit von 48 Wochen nicht eintraten. Auch die Rolle der
Nukleosidanaloga an der Lipodystrophie bleibt weiterhin unklar. In einer von
der gleichen Arbeitsgruppe auf der IAS in Buenos Aires vorgestellten
Pilotstudie [2] wurde bei bislang 9 von 19 Patienten, die vom PI auf andere
Substanzen auswichen, zusätzlich noch d4T abgesetzt. Nach 24 Wochen zeigten
sich keine signifikanten Unterschiede in Körpergewicht, Stammfett, fettfreier
Körpermasse oder in den Stoffwechselparametern, allerdings kam es bei mehr als
der Hälfte der Patienten mit zusätzlichem d4T-Stopp zu einem virologischen
Versagen. Diese Studien zeigen, daß
eine ART-Umstellung bei Lipodystrophie zum jetzigen Zeitpunkt wohlüberlegt sein
will, da häufig der erwartete Effekt ausbleibt - bei allerdings erheblichen
Nebenwirkungen und der Gefahr eines virologischen Therapieversagens. Literatur
und Links [1] Carr A, Hudson J, Chuah J et al.: HIV protease inhibitor substituion in patients with lipodystrophy: a randomized, controlled, open-label, multicentre study. AIDS 2001, 15:1811-1822. Abstract [2]
Smith D, Carr A, Law M, et al. A randomized trial of thymidin analogue
withdrawal in lipoatrophic HIV patients, virologically controlled on
protease-sparing therapy - the PIILR extension study. Abstract 96, in: Programm
and abstracts of the 1st IAS Conference on HIV Pathogenesis and Treatment;
Buenos Aires 2001, Argentinia. |
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