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Neues zum HIV-assoziierten pulmonalen Hypertonus
von Philip Aries 19. November 2001 - Der
primäre pulmonale Hypertonus, vor allem der HIV-assoziierte, hat eine
erschreckend schlechte Prognose. Einer kürzlich hier im hiv.net vorgestellten
Übersichtsarbeit zufolge stirbt die Hälfte der Patienten innerhalb der ersten
sechs Monate nach Diagnosestellung [1]. Die bisher zur Verfügung stehenden
therapeutischen Optionen sind eher beschränkt. Der wohl noch am ehesten
erfolgversprechende Ansatz ist die inhalative Gabe von Prostazyklinen. Diese
Therapie ist aber nicht nur teuer, sondern wird von vielen Patienten trotz der
verbesserten Symptomatik als belastend empfunden, weil die mindestens vier mal
am Tag mit einem speziellen Gerät durchzuführende Inhalation den Lebensradius
erheblich einschränkt. Außerdem gibt es beinahe regelmäßig mit den
Krankenkassen Probleme, die sich meist weigern, die Kosten für Prostazykline zu
übernehmen. Ein
möglicher Ausweg scheint sich mit dem auch sonst so segensreichen Viagra aufzutun.
Sildenafil, das Gute in Viagra, hemmt die PDE 5-Isoform der Phosphodiesterase.
Dies führt über ein Mehr an NO zur Relaxation der glatten Gefäßmuskulatur
(übrigens auch der Grund, warum herzkranke Patienten mit Nitraten in ihrer
Medikation nach Viagraeinnahme vorzeitig in die Knie zu gehen drohen). Nachdem
Vorarbeiten an mutanten Lämmern einen positiven Effekt von Sildenafil auf die
Druckverhältnisse im kleinen Kreislauf belegt haben [2], berichten Kollegen von
der Universität Freiburg in einer der letzten Ausgaben von AIDS nun erstmals
von ihren Erfahrungen mit der Substanz bei zwei HIV-Patienten mit pulmonalen
Hypertonus [3]. Bei
beiden Patienten führte die einmalige Einnahme von 50 mg Sildenafil innerhalb
von zwei Stunden zu einem Abfall des mittels Rechtsherzkatheters gemessenen
mittleren arteriellen Drucks um mindestens 20 %. Der Effekt war bei einem der
beiden Patienten über die neun Stunden Beobachtungszeit anhaltend, der andere
hatte zu diesem Zeitpunkt eben wieder Baselinewerte erreicht. Es scheint, als
würde sich hier ein weiteres Feld für individuelle Pharmakokinetikberechnungen
ergeben. Dem langsamer metabolisierenden Patienten gaben York Schumacher und
seine Kollegen dann die gesamten Gratismuster Viagra der Klinik mit nach Hause,
so dass dieser über drei Monate jeden Tag zweimal 50 mg Sildenafil einnehmen
konnte. Mit eindrucksvollem klinischen Erfolg: Die vorher bestehende Dyspnoe
besserte sich, der Patient war deutlich belastbarer und der nunmehr wiederholt
echokardiographisch über die Trikuspidalinsuffizienz abgeschätzte
pulmonalarterielle Druck blieb stabil bei um die 35 mm Hg bei einem
Ausgangswert von 45 mm Hg (normal < 28 mmHg). Nach
diesen ersten positiven Erfahrungen im individuellen Heilversuch planen die
Autoren zusammen mit der Firma Pfizer nun eine randomisierte Studie (Kontakt
unter: Dr. Yorck Olaf Schumacher, email: olaf@msm1.ukl.uni-freiburg.de). Im
Rahmen einer solchen Studie könnte man möglicherweise durch das geschickte
Ausnutzen von p450 Wechselwirkungen zwischen Sildenafil und antiretroviralen
Medikamenten mit niedrigeren Dosen dieser kostspieligen Substanz auskommen. Bis
es Viagra aber, zumindest für diese Indikation, auf Krankenschein gibt, wird
vermutlich noch eine ganze Zeit vergehen.
Literatur
und Links: [1] HIV-assoziierter pulmonaler Hypertonus. Wer ist schuld: Kokain oder das Virus? HIV.NET vom 15.01.01 [2] Weimann J, Ullrich R, Hromi J, et al. Sildenafil is a pulmonary vasodilator in awake lambs with acute pulmonary hypertension. Anesthesiology 2000, 92: 1702-1712. Abstract [3]
Schumacher YO, Zdebik A, Hounker M, Kreisel W. Sildenafil in HIV related
pulmonary hypertension. AIDS 2001, 15: 1747-1748 |
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Wichtiger Hinweis für die Leser
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