![]() |
Home
Geschichte
|
HIV
Medicine
Wer ?
Was ?
FMI
|
Flying
Publisher
|
|
HIV.NET 2007 Nachrichten HAART Klinik Medikamente Kongressberichte Mailing-Liste
|
Nachrichten zur Übersicht
Heilung bei früher Therapie fast sicher
von Georg Behrens 15. November 2001 - Die
Behandlung in der akuten Phase einer sonst chronisch verlaufenden
Virusinfektion scheint eine der erfolgversprechendsten Strategien zur Heilung
zu sein. Das zeigt eindrucksvoll eine Studie über die erfolgreiche Behandlung
der akuten Hepatitis C (HCV)-Infektion mit Interferon alpha-2b, über die in der
heutigen Ausgabe des New England Journal of Medicine berichtet wird [1]. In der
gesamten Bundesrepublik Deutschland wurden im Zeitraum 1998-2000 insgesamt 44
Patienten rekrutiert, die entweder eine vermutete HCV-Exposition innerhalb der
letzen vier Monate, eine dokumentierte Serokonversion gegen HCV oder einen
akuten Anstieg des Leberenzyms Alaninaminotransferse (ALT) über 350 U/l
aufwiesen. Die Hälfte der Patienten hatte sich durch intravenösen Drogenkonsum oder
Nadelstiche infiziert, 23 % über sexuelle Kontakte und 16 % bei chirugischen
Eingriffen. HCV-1 war mit 60 % der häufigste HCV-Genotyp. Durchschnittlich 89 Tage
nach der Infektion wurde eine Therapie mit 5 Mio. Einheiten Intron A s.c.
täglich für 4 Wochen, gefolgt von 5 Mio. Einheiten Intron A s.c. dreimal
wöchentlich für weitere 20 Wochen durchgeführt. Alle bis auf einen Patienten
wurden vollständig behandelt. Die Therapie erwies sich als ausgesprochen
erfolgreich: Außer bei einem Patienten fiel bei allen komplett untersuchten
Studienteilnehmern die HCV-Viruslast unter die Nachweisgrenze, im Durchschnitt
nach 3.2 Wochen (Range 2-12 Wochen). Auch 48 Wochen nach Therapiebeginn war bei
all diesen Patienten die HCV-PCR unterhalb der Nachweisgrenze. Genauso
normalisierten sich die ALT-Werte bei 80 % der Patienten unter Therapie, beim
Rest im Zeitraum bis zur Woche 48. Die Therapie wurde gut vertragen, nur ein
Patient brach nach 12 Wochen wegen Haarausfall und grippeähnlicher Symptome ab,
eine Dosisreduktion war bei keinem Patienten erforderlich. Keine Studie weltweit
untersuchte bisher mehr Patienten, und auch das Studiendesign ist einzigartig.
Die intensivierte Therapie zu Beginn wurde gewählt, um eine rasche Kontrolle
der Viruslast zu erreichen und damit wahrscheinlich den Grundstein für den
Gesamterfolg zu legen. Die Autoren spekulieren, daß vielleicht eine verkürzte Behandlungsdauer
bei schnellem Viruslastabfall unter die Nachweisgrenze möglich ist. Eventuell
lassen sich auch mit pegylierten Interferonen pharmakokinetische Vorteile
nutzen, die das Therapieschema zu Beginn vereinfachen und insgesamt zu
verkürzen. Die Wahrscheinlichkeit,
daß eine HCV-Infektion in einen chronischen Verlauf übergeht, liegt bei sonst
gesunden Erwachsenen bei über 70 %. Selbst die verbesserten
Kombinationstherapien der chronischen HCV-Infektion mit Peginterferon alpha-2a
oder 2b mit Ribavirin erreichen eine Viruselemination bei nur gut 50% der
Patienten. Folglich empfehlen die Autoren, alle Patienten mit einer sicher
diagnostierten akuten HCV-Infektion zu behandeln, um kostengünstig und effektiv
eine chronische Infektion und damit Zirrhose und andere Komplikationen der
Hepatitis C zu verhindern. Um die Studie in einem
kurzen Zeitraum zu verwirklichen, wurde intensiv und bundesweit nach Patienten
gesucht. Insgesamt 24 Zentren oder Praxen schlossen Patienten ein, fast die
Hälfte der Patienten wurde in vier Zentren behandelt. Patienten mit einer
akuten HCV-Infektion zu diagnostizieren, ist und bleibt jedoch wohl die
entscheidende Schwierigkeit. Gerne wüßten wir natürlich mehr über die
Mechanismen von Interferon in dieser Situation und die immunolgischen
Hintergründe, die eine Behandlung der akuten HCV-Infektion so erfolgreich
macht. Die erfolgreiche Therapie, begonnen 3-4 Monate nach Infektionszeitpunkt,
sollte jedoch motivieren, diese Heilungsmöglichkeit nicht unversucht zu lassen.
Literatur und Link: [1]
Jaeckel E, Cornberg M, Wedemeyer H, Santantonio T, Mayer J, Zankel M, Pastore
G, Dietrich M, Trautwein C, Manns MP. Treatment of acute Hepatitis C with
interferon alpha-2b. N Engl J Med 2001, 345:1452-1457. Abstract |
|
Wichtiger Hinweis für die Leser
|
||||