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Krebs und HIV
22. Oktober 2001 - AIDS-Patienten tragen einer großen epidemiologischen
Studie [1] zufolge ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko - auch für solche
Krebsarten, die üblicherweise nicht mit AIDS in Verbindung gebracht werden. In
ihrer kürzlich in dem American Journal of Epidemiology veröffentlichten Arbeit
verglichen Brian Gallagher und Kollegen die Krebsraten von über 120.000
AIDS-Patienten des Bundesstaates New York mit den Krebserkrankungen in der
Allgemeinbevölkerung. Wie zu erwarten sahen die Forscher dabei eine erhebliche
Häufung für die AIDS-definierenden Tumoren – Kaposi Sarkom, Non-Hodgkin-Lymphom
(NHL) und invasives Zervix-Carcinom. Darüber hinaus ergaben sich jedoch auch
signifikante Häufungen für normalerweise nicht-HIV-assoziierte Tumoren wie
Mundboden- und Kehlkopfkarzinome, Tumoren des Enddarms, Malignome der Luftwege
sowie Hautkrebs, den Morbus Hodgkin und das Multiple Myelom. Dabei könnten durch falsche Klassifizierungen Fehler
aufgetreten sein. Dennoch, so Gallagher und Kollegen, sei das Krebs-Risiko für
HIV-Patienten eindeutig erhöht: Nach den neuen Daten ist es etwa dreimal höher
als das Risiko der allgemeinen Bevölkerung. Neben Unterschieden bei den Geschlechtern der
betroffenen Patienten war auch der HIV-Übertragungsweg von Bedeutung: So
erkrankten Männer nach homosexueller Übertragung von HIV häufiger an
Analcarcinomen sowie an Tumoren des Zentralnervensystems und des Bindegewebes.
Männliche HIV-Patienten, die intravenös drogenabhängig waren, hatten hingegen
ein größeres Risiko, an Bronchial-, Tracheal- oder Magenkrebs zu erkranken. Bei heterosexuell infizierten Frauen ermittelten die
Forscher ein gesteigertes Risiko für Malignome von ZNS, Verdauungstrakt und
Gebärmutterhals. Bei durch intravenösen Drogengebrauch infizierten Frauen
dagegen fand man ein gesteigertes Risiko für Tumoren von Bronchien, Lungen
sowie Mundhöhle und Rachen. Da die Patientendaten aus dem Zeitraum zwischen 1981
bis 1994 – also noch vor der Verfügbarkeit von HAART – stammen, ist für die
heutige Zeit durch diese Studie keine eindeutige Risikoabschätzung möglich. Es ist jedoch angesichts der nicht vollständig
verstandenen Korrelation zwischen Krebs sowie Immundefekt und Kofaktoren wie Rauchen,
Lebensführung und viralen Infektionen zu befürchten, dass HIV-Patienten trotz
Immunrekonstitution weiterhin einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Dafür
sprechen insbesondere die bislang widersprüchlichen Daten zu NHL-Inzidenzen.
Diese scheinen in der HAART-Ära weit weniger zurückzugehen als opportunistische
Infektionen. Mehreren Studien zufolge sind NHL inzwischen häufiger als das
Kaposi-Sarkom und zählen mittlerweile zu den häufigsten AIDS-definierenden
Erkrankungen. Daher forderte Gallagher, dass "Patienten
aufmerksam beobachtet werden sollten", denn Krebs sei "eine
HIV-Komplikation mit einer hohen Erkrankungs- und
Todeswahrscheinlichkeit". Literatur: [1] Gallagher B, Wang Z, Schymura MJ, Kahn A, Fordyce
EJ. Cancer incidence in New York State acquired
immunodeficiency syndrome patients. Am J Epidemiol 2001, 154: 544-56. Abstract: |
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