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Das Glück der Zweitinfektion -
von Georg Behrens 24. September 2001 - Die Studien einer deutschen und einer
amerikanischen Arbeitsgruppe zeigen, daß es so etwas wie das “Glueck der
Zweitinfektion” mit dem GB Virus C für Patienten mit einer HIV-Infektion gibt
[1,2]. Das renommierte New England
Journal of Medicine widmet sich in einer der letzten Ausgaben ausführlich
diesem Thema. Beide Publikationen zeigen anhand großer Kollektive einen
deutlichen Überlebensvorsprung und eine langsamere Krankheitsprogression der
HIV-Infektion, wenn gleichzeitig eine replikative Infektion mit GB Virus C
(ehemals Hepatitis G Virus genannt) besteht. Diese Assoziation ist unbeeinflußt
durch antiretrovirale Kombinationstherapien. Die Höhe der Viruslast von GB
Virus C ist sogar umgekehrt korreliert mit der Viruslast von HIV. Die
Arbeitsgruppe aus Hannover zeigt darüber hinaus, daß schon der Nachweis der
Antikörper gegen GB Virus C ohne die Replikation des Virus von Vorteil ist. Die GB Virus C Infektion ist weltweit verbreitet
und hat eine hohe Prävalenz unter HIV-Patienten. Das Virus wurde erstmals 1995
aus einer archivierten Probe aus den 60er Jahren isoliert. GB Virus C
repliziert sich nicht Hepatozyten und verursacht keine akute oder chronische
Leberinfektion. Nicht nur, daß GB Virus C auch keinen Einfluß auf eine
Lebererkrankung durch Hepatitis C hat, es sind überhaupt keine Erkrankungen
bekannt, die durch das Virus verursacht werden. In vitro vermehrt sich das Virus
in verschiedenen Zellarten. Xiang et al. [1] wiesen in Kulturen von mononukleären Zellen
eine beeinträchtige HIV-Replikation durch GB Virus C nach, ohne gleichzeitig
eine veränderte Expression von HIV-Corezeptoren zu finden. Der Ort der
Virusreplikation von GB Virus C in vivo
ist aber nicht bekannt, was die Interpretation der in vitro Daten ein wenig limitiert. Die strenge Korrelation zwischen GB Virus C Virämie
und dem günstigen prognostischen Verlauf der HIV-Infektion bei einer großen
Zahl von HIV- und AIDS-Patienten läßt natürlich Raum für therapeutische
Überlegungen. Schnell kommt einem eine (kostengünstige) therapeutische
Vakzinierung dieses harmlos aussehenden GB Virus C in den Sinn. Aber vor
solchen schnellgefaßten Überlegeungen warnen die Kommentatoren der Northwestern
University Medical School, Chicago in einem Beitrag, erschienen in der gleichen
Ausgabe [3]. Das Virus ist erst seit kurzer Zeit bekannt und nicht alle
Konsequenzen der Infektion sind sicher untersucht. Wenn aber die Mechanismen
der Beeinflussung der HIV-Infektion durch GB Virus C weiter geklärt werden
können, sind vielversprechende therapeutische Konsequenzen vorstellbar. An der
Aufklärung dieser Mechanismen wird sicherlich fieberhaft gearbeitet, und wir
dürfen gespannt auf die Ergebnisse sein. Literatur und Links: 1.
Xiang J, Wünschmann S, Diekema DJ, Klinzman D, Patrick
KD, George SL, Stapelton JT. Effect of coinfection with GB virus C on survival among
patients with HIV infection. N Engl J Med 2001, 345:707-14.
Abstract 2.
Tillmann HL, Heiken H, Knapik-Botor A, Heringlake S, Ockenga J, Wilber
JC, Goergen B, Detmer J, McMOrrow M, Stoll M, Schmidt RE, Manns MP. Infection
with GB virus C and reduced mortality among HIV-infectd patients. N Engl J Med
2001, 345:715-24.
Abstract
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