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HIV assoziierte Nephropathie - schützt HAART vor der Dialyse ?
Ein Fallbeispiel zu HIV-bedingten
Nierenschäden Von Philip Aries Herr T. aus R. fühlt sich seit Wochen schlapp
und übelriechend. Von seiner HIV-Infektion weiß er seit
Jahren, hat sich aber norddeutsch gelassen vorgenommen, "alles mal auf
sich zukommen zu lassen". Mein Ratschlag, bei weniger als 100 CD4
Zellen/µl doch mal mit einer antiretroviralen Therapie zu beginnen,
wurde freundlich lächelnd abgelehnt. Im Labor, dem ersten seit
sechs Monaten, findet sich nun mit einem Kreatinin von 320 µmol/l der
Grund für Herrn T.s Unpässlichkeit. Preisfrage: Was ist die wahrscheinlichste Ursache
der Niereninsuffizienz? Zwar gibt es zugegebenermaßen ein
breites differentialdiagnostisches Spektrum von membranoproliferativer
Glomerulonephritis (besonders bei Hepatitis C-Koinfizierten) über
Amyloidose bei polyklonaler Gammopathie bis hin zur IgA-Nephritis. Die
Antwort lautet aber HIV assoziierte Nephropathie (HIVAN). Die durch
eine fokal- segmentale Glomerulosklerose gekennzeichnete HIVAN ist das
mit Abstand häufigste renale Problem HIV positiver Patienten [1].
Es gibt Zentren, in denen bis zu 7 % aller Infizierten unter einer
HIVAN leiden. Besonders häufig sind Farbige betroffen, so dass
die HIVAN mittlerweile bei jungen Afroamerikanern die
dritthäufigste Urämieursache ist [2]. Aber auch wenn in
einigen Studien über 95 % der Betroffenen farbig sind, so ist es
doch kein auf diese ethnische Gruppe begrenztes Problem (Herr T. aus
R. ist zum Beispiel rothaarig und sehr weiß). Als weitere Risikofaktoren gelten intravenöser
Drogenabusus, und 80 % der Patienten mit einer HIVAN haben bei
Erstdiagnose eine CD4 Zellzahl von < 200/µl. Bei der an über
2.000 HIV-infizierten Frauen durchgeführten Women's Interagency
HIV Study zeigte sich darüber hinaus auch ein deutlicher Trend zu
einer höheren Proteinurie-Rate bei höherer Viruslast (HR
2,33, p<0.02). Insgesamt erspürten die Forscher bei 32 % (!)
der Frauen Protein im Urin als Hinweis auf einen frühen
glomerulären Schaden. Die Prognose für Infizierte mit HIVAN ist
alles andere als erfreulich. Von den Patienten aus der
Erstbeschreibung waren innerhalb von 8 Monaten alle dialysepflichtig.
Die mittlere Zeit bis zur Dialyse betrug nur zwei Monate. Daten aus
der jüngeren Zeit sind da deutlich besser. Inzwischen liegt die
mittlere Zeit bis zur Dialyse nach Erstdiagnose einer HIVAN zwischen
8.0 und 16.6 Monaten. Nun hat sich seit Anfang der 90er Jahre ja aber
nicht allzu viel in der Therapie der Niereninsuffizienz getan -
außer vielleicht, dass ACE-Hemmer regelhafter zum Einsatz
kommen. Somit liegt die Vermutung nahe, dass diese
Verbesserung der Prognose einer der segensreichen Effekte von HAART
ist. Und tatsächlich gibt es eine Reihe von
Fall-Kontroll-Studien, die eine langsamere Progression der
Niereninsuffizienz unter HAART, verglichen mit NRTI Monotherapie oder
gänzlich fehlender antiretroviraler Therapie, beobachtet haben
wollen. Es gibt sogar einen Fallbericht von einem Patienten der nach
Initiierung von HAART aus dem Dialyseprogramm wieder ausgeschleust
werden konnte [3]. In den letzten Monaten nun ist das Dogma ins Wanken
geraten, wonach die HIVAN ein Problem der Langzeit-Infizierten ist. Im
Mai gab es im American Journal of Kidney Diseases einen Bericht
über einen 41jährigen Mann, der im Rahmen der
Primärinfektion ein nephrotisches Syndrom entwickelte, noch bevor
der Antikörpertest positiv war [4]. Einen Monat später
beschrieb die New Yorker Gruppe um Mary Klotman im New England Journal
of Medicine einen ähnlichen Patienten [5]. Die zu Beginn der
Erkrankung gewonnen Nierenbiopsien zeigten einen bei 2/3 aller
Glomeruli histologische Veränderungen mit kollabierten Kapillaren
und fokaler Glomerulosklerose. Auch die Elektronenmikroskopie ergab
einen HIVAN-typischen Befund mit Hypertrophie der Podozyten genannten
Zellfüßchen. Zudem wiesen die Forscher die massive aktive
HIV-Infektion der Niere durch den Nachweis von Virus DNA nach. Daraufhin wurde der Befund mit dem mittlerweile
dialysepflichtigen Mann diskutiert und eine Kombination aus d4T, 3TC
und NFV rezeptiert. Sechs Wochen später war die initial hohe
Viruslast unter die Nachweisgrenze gefallen und das Serumkreatinin von
336 µmol/l auf den fast normalen Wert von 124 µmol/l gefallen. Die
Dialysebehandlung konnte beendet werden. Nach weiteren 6 Wochen wurde
eine erneute Nierenbiopsie durchgeführt. Der Großteil der
Glomeruli erschien normal, nur 2/9 zeigten noch leichte narbige
Veränderungen und etwas segmentale Sklerose. Der
elektronenmikroskopische Befund war unauffällig und eine aktive
Virusreplikation war in der PCR Untersuchung nicht mehr nachweisbar.
Unverändert positiv blieb aber die in Situ Hybridisierung, welche
RNA in latent infizierten Zellen markiert. Die Nieren sind ein bislang vielleicht zu wenig
beachtetes Schlachtfeld der HIV Infektion und in Zukunft vermutlich
häufiger Anlaß zur Einleitung einer antiretroviralen
Therapie. Literatur und Links [1] Szczech LA. Renal diseases associated with
human immunodeficiency virus infection: epidemiology, clinical course,
and management. Clin Infect Dis. 2001, 33:115-9. Review. [2] Monahan M, Tanji N, Klotman PE.HIV-associated nephropathy: An urban epidemic. Semin Nephrol 2001, 21:394-402 . Abstract[3] Wali RK, Drachenberg CI, Papadimitriou JC, Keay
S, Ramos E.HIV-1-associated nephropathy and response to highly-active
antiretroviral therapy. [4] Levin ML, Palella F, Shah S, Lerma E, Butter J,
Kanwar YS.HIV-Associated Nephropathy Occurring Before HIV Antibody
Seroconversion. [5] Winston JA, Bruggeman LA, Ross MD, Jacobson J, Ross L, D'Agati VD, Klotman PE, Klotman ME.Nephropathy and establishment of a renal reservoir of HIV type 1 during primary infection. N Engl J Med 2001, 344:1979-84. Abstract
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