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Management von Depressionen
Frühe und richtige Behandlung entscheidend

von Christian Hoffmann

13. September 2001 - In einem lesenswerten Übersichtsartikel, der am kommenden Sonntag in Clinical Infectious Diseases erscheinen wird [1], befassen sich Andrew F. Angelino und Glenn J. Treisman von der John Hopkins University School of Medicine mit einem leider oft unterrepräsentierten Thema: Dem Management psychiatrischer Erkankungen bei HIV-Patienten. Der Schwerpunkt des Artikels liegt dabei auf den depressiven Störungen. Dabei ist zwischen Patienten mit einer Major-Depression und mit einer Demoralisierung zu unterscheiden. Letztere können oft den Grund für ihre Depressionen benennen und sind durchaus auch zu normalen Stimmungslagen imstande, sobald sie die Umstände oder das Ereignis, das zu der Depression geführt hat, vergessen. Die Autoren schätzen, daß sowohl die Major-Depression als auch die Demoralisierung etwa jeweils die Hälfte aller Patienten ausmachen, die über depressive Gedanken klagen. Letztere benötigen nicht immer „qualifizierte“ Psychotherapie – die Autoren betonen, daß auch durch „unstrukturierte“ Unterstützung seitens des behandelnden HIV-Arztes eine Menge erreicht werden kann.

In der Behandlung der Major-Depression ist eine aggressive medikamentöse Therapie den Autoren zufolge von großer Wichtigkeit. Eine enge Zusammenarbeit möglichst HIV-erfahrenen Nervenärzten ist anzuraten. Bei der Auswahl der initialen Medikation ist zu beachten, daß bei insgesamt ähnlicher Potenz die Wirkung individuell sehr unterschiedlich sein kann, was neben dem individuellen Neurotransmitter-Profil vor allem an der individuellen Toleranz von Nebenwirkungen liegt. Die Auswahl der Medikation sollte sich daher vor allem am Nebenwirkungsprofil orientieren. Unbedingt sind dabei zunächst niedrige Dosen zu verschreiben.

Trizyklische Antidepressiva (TAD), die vor allem in Deutschland noch sehr weit verbreitet sind, haben eher sedierende Eigenschaften und führen oft zu Gewichtszunahme. Weitere wichtige Nebenwirkungen sind eine herabgesetzten Magen-Darm-Tätigkeit, Mundtrockenheit, Harnverhalt und Orthostase. Selektive Serotonin-Reuptake-Hemmer (SRH) erhöhen hingegen die Magen-Darm-Motilität und verursachen Übelkeit, Akathisie und erektile Dysfunktion. Fluoxetin (zum Beispiel Prozac) aktiviert dabei eher, während Paroxetin (zum Beispiel Seroxat) und Fluvoxamin meist sedieren. Bei der Auswahl kann man sich die Nebenwirkungen teilweise durchaus zunutze machen – ein TAD wird eher den Schlaf verbessern und Gewichtsverlust und Diarrhoen entgegenwirken, ein SRH eher aktivieren und eine gastrointestinale Dysmotilität verbessern.

Nach frühestens zwei Wochen sollte die Stimmung des Patienten reevaluiert werden. Die Beurteilung der Wirksamkeit ist ein kontinuierlicher Prozess und frühestens nach mindestens 6-8 Wochen auf der vollen Dosis abschließend möglich. Bei allen Antidepressiva, insbesondere bei Fluoxetine, ist auf mögliche Interaktionen mit antiretroviralen Substanzen, vor allem mit Ritonavir, aber auch mit anderen PIs und NNRTIs zu achten. Weitere Details auch zu anderen psychiatrischen Erkrankungen bei HIV sind in dem Artikel nachzulesen, der sicherlich jedem HIV-Behandler empfohlen werden kann.

Literatur

[1] Angelino AF, Treisman GJ. Management of psychiatric disorders in patients infected with human immunodeficiency virus. Clin Infect Dis 2001, 33: 847-56. Abstract


 
 
     
 

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