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ART für Vorbehandelte – viel hilft viel
10. September 2001 - Im New
England Journal of Medicine vom 9. August 2001 berichteten Albrecht und
Kollegen [1] von einer großen, prospektiven Studie zu drei verschiedenen
Therapieregimen an Patienten, die zuvor nur mit NRTIs vorbehandelt worden waren
und darunter eine persistierende Virämie gezeigt hatten (> 500 Kopien/ml). Die
insgesamt 195 Studienteilnehmer wurden auf drei Arme randomisiert: Zusätzlich
zu zwei NRTIs, darunter mindestens einem neuen, wurden entweder Nelfinavir oder
Efavirenz oder Nelfinavir plus Efavirenz gegeben. Zur Woche
16 und zu den Wochen 40 und 48 war der Anteil der Patienten mit einer Viruslast
unter der Nachweisgrenze von 500 Kopien/ml) in der Gruppe mit der
Vierfachkombination mit Nelfinavir plus Efavirenz am höchsten – er lag hier bei
81 % bzw. 74 %. In der Efavirenz-Gruppe lagen die Raten nur noch bei 69 % bzw.
60 % und in der Nelfinavir-Gruppe sogar nur bei 64 % bzw. 35 %. Die
Unterschiede zwischen der Vierfachgruppe und den anderen beiden Gruppen waren
zu jedem Zeitpunkt signifikant. Die Dreifachgruppe mit Efavirenz schnitt im
Vergleich zur Dreifachgruppe mit Nelfinavir zumindest auf lange Sicht besser ab
- die Unterschiede bei zur Woche 48 waren ebenfalls signifikant. Montaner
und Mellors wiesen in ihrem Editorial [2] zu diesem Artikel auf die Wichtigkeit
der Ergebnisse hin und empfahlen, bei allen vorbehandelten Patienten mit
virologischem Versagen nach Möglichkeit mindestens zwei neue Medikamente aus
zwei neuen Substanzklassen zu geben, um die Chance einer länger anhaltenden
virologischen Antwort zu erhöhen. Sie warnten ausdrücklich davor, gerade bei
Patienten mit mehreren Optionen bei einem Therapieversagen nur ein neues
Medikament hinzuzufügen. Bei
Patienten, deren Viruslast trotz Gabe von mehreren Substanzklassen peristiert,
ist die Situation noch schwieriger. In einer Studie von Hammer und Kollegen [3]
wurde bei mit allen drei Klassen vorbehandelten Patienten auch mit Vier- oder
gar Fünffach-Regimen nur in 15 % eine ausreichende Suppression der viralen
Replikation erreicht. Was kann daher für intensiv vorbehandelte Patienten getan
werden? Salvage-Therapien
mit bis zu 6 oder 7 Medikamenten werden limitiert durch die mitunter schweren
Nebenwirkungen. Sie können daher laut Montaner und Mellor nicht uneingeschränkt
empfohlen werden. Moderate Resistenzen können durch höhere Medikamentenspiegel
überwunden werden. Diese Strategie wurde erfolgreich durch den Einsatz von
niedrigen Dosen des Cytochrom P450-Inhibitors Ritonavir erreicht. Der Gebrauch
von Ritonavir zur Erhöhung des Medikamentenspiegels hat die Rate der viralen
Suppression bei Patienten, bei denen ein PI-enthaltendes Regime vorher
scheiterte, erhöht. Neue
Medikamente, die sich in verschiedenen Entwicklungsstadien befinden, bieten
Hoffnung für die Zukunft. Substanzen wie Tenofovir, DAPD, Tipranavir und die
Fusionsinhibitoren T-20 und T-1249 wirken auch gegen Viren, die gegen alle drei
bisherigen Klassen resistent sind. Eine Garantie für einen Erfolg gibt es
allerdings nicht. Ein Problem ist laut Montaner und Mellors auch der jeweils
langsame Einzug dieser Substanzen in den klinischen Alltag durch unkoordinierte
Expanded-Access-Programme seitens der Firmen. Durch die Beschränkungen ist es
kaum möglich, Patienten gleich mehrere der neuen Medikamente zu geben. Eine
bessere Zusammenarbeit von Studienzentren, Industrie und Zulassungsbehörden ist
daher dringend erforderlich. Bemerkung
der Redaktion: Was
interessanterweise weder in der präsentierten Studie noch in dem Editorial
vernünftig diskutiert wurde, ist die Möglichkeit, Patienten auf einer
virologisch vielleicht nicht vollständig wirksamen, aber dafür immunologisch
noch effektiven Kombination zu belassen. Muß man wirklich jeden Patienten bei
virologischem „Versagen“ umstellen? Gerade bei Patienten, die bislang nur NRTIs
erhalten haben, könnte bei guter Verträglichkeit, guten CD4-Zellen und einem
moderaten Wiederanstieg der Viruslast auch ein Abwarten eine sinnvolle
Möglichkeit sein. Man kann nicht jedem Patienten gleich einen NNRTI plus PI
zumuten. Viele Behandler werden eine solche Taktik längst verfolgen. Gerade
angesichts der Diskussion um Blips und Schwellenwerte (hivnet berichtete: Link)
wären Studien zu dieser Thematik wünschenswert. Die Mellors’schen Hinweise auf
Mega-HAART, Boostern, neue Medikamente und eine bessere Koordinierung erscheint
da, so gut sie auch gemeint sind, bisweilen ein bißchen realitätsfern. Literatur
und Links [1]
Albrecht MA, Bosch RJ, Hammer SM et al. Nelfinavir,
Efavirenz, or both after the failure of nucleoside treatment of HIV infection. N
Engl J Med 2001, 345:398-407. Abstract [2]
Montaner JSG, Mellors JW.
Antiretroviral Therapy for Previously treated Patients. N Engl J Med 2001,
345:452-455. Abstract [3]
Hammer S, Mellors JW, Vaida F, et al. A randomized
placebo-controlled trial of saquinavir, indinavir or nelfinavir in combination
with amprenavir, abacavir, efavirenz, and adefovir in patients with protease
inhibitor failure. 7th CROI, San Francisco, Abstract LB7. Abstract |
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