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DOT kommt
von Philip Aries 06. August 2001 - Nichts ist wichtiger für
den Erfolg einer HIV-Therapie als die Compliance des Patienten. Directly
observed therapy (DOT) ist daher das neue, alte Zauberwort für vermeintlich
complianceschwache Patientengruppen. Erste Lorbeeren erntete die DOT Strategie, bei der jemand vom
Pflegepersonal die Einnahme der Medikamenten überwacht, in der Therapie der
Tuberkulose. Auch hier bedarf es bekanntlich einer konsequenten Kombinationstherapie
über mehrere Monate um Therapieversagen oder gar Resistenzen zu vermeiden. Nach
einer Metaanalyse aus dem Jahre 1998 lässt sich mit optimalem DOT die Rate
erfolgreich behandelter Tuberkulose-Patienten von 61.4 % auf 90.2 % verbessern
[1]. Die Umsetzung in der
antiretroviralen Therapie ist hingegen ungleich schwieriger. Viren vermehren
sich schneller als Mykobakterien, ein Dreimal-die- Woche-Regime wie für
Tuberkulose reicht für HIV nicht aus. Selbst mit geschicktem Kombinieren und
Boostertricks ist auch im besten Fall immer noch die tägliche Einmalgabe
notwendig. Und während die Tuberkulose in der Regel nach 6-9 Monaten Therapie
ausheilt, ist ein Ende der HIV-Therapie nicht absehbar. DOT für HIV wird sich
daher schon allein aus logistischen Gründen nur für ausgesuchte Patienten und
nur über einen begrenzten Zeitraum verwirklichen lassen. Das „ideale“ DOT-Setting,
sollte man denken, sind Gefängnisse. Und tatsächlich erreichten spektakuläre
100 % der Teilnehmer einer kürzlich in Floridas Gefängnissen durchgeführten
DOT-Studie eine Viruslast von < 400 Kopien/ml nach 48 Wochen, verglichen mit
81 % bei einer Kontrollgruppe draußen und ohne Überwachung [2]. Bei der
Umsetzung von DOT-Regimen im Gefängnis stößt man aber auf zusätzliche
unerwartete Probleme. In einer in North Carolina durchgeführten Studie kam
heraus, daß die Wärter immerhin 11 % der Tabletten zu verteilen vergaßen.
Außerhalb von den „wohlbehüteten“ Gefängnissen ist die vorliegende Datenlage
eher dünn. Zumeist sind es Erfahrungsberichte, die vorliegen, in denen bei
ausgesucht schwierigen Patienten - dank einmal täglichem DOT und
Schwesternbesuchen zu Hause an 7 Tagen in der Woche - nach 6 Monaten
tatsächlich 70 % der multipel vorbehandelten Patienten unter die Nachweisgrenze von 50 Kopien/ml gelangten. Eine der beliebtesten
Zielgruppen für HIV-DOT sind die Besucher der Methadon-
Substitutionsambulanzen. Hier nutzt man die bereits bestehende Logistik einer
täglich geöffneten Ausgabestelle. Erste Daten sind ganz viel versprechend, aber
die in diesem Setting schlecht zu gewährleistende Vertraulichkeit läßt viele
Patienten die selbstständige Einnahme in den eigenen vier Wänden den Vorzug
geben. Neue, stark amerikanisch
geprägte Ansätze wurden neulich auf einem von der John Hopkins Universität veranstalteten
Workshop zum Thema DOT und HIV diskutiert [3]. Bei der sogenannten
"virtual DOT" wird der Patient zu Hause bei der Tabletteneinnahme von einer
Krankenschwester per Webcam überwacht.
Bei nur sechs bislang rekrutierten Patienten (304 Dosen) und einer
Compliance von 95 % rechnen die Initiatoren dieser Studie schon mit 268
eingesparten Arbeitsstunden des Pflegepersonals und insgesamt 8830 nicht
gefahrenen Meilen. Sehr interessant erscheint in diesem Kontext auch die Money
Talks-Kampagne der Gesundheitsbehörden von Wayne State. Die 25 teilnehmenden
Drogenabhängigen erhalten an jedem Morgen, den sie zur Tabletteneinnahme
erscheinen, 5 Dollar. Die Abenddosis schlucken sie dann hoffentlich alleine und
wer jeden Tag der Woche erscheint, erhält noch einen Treue-Bonus von 15 Dollar.
Geld das die Betroffenen sicher sinnvoll anzulegen verstehen... Literatur
und Links
[1]
Chaulk CP, Kazandjian VA. Directly
observed therapy for treatment completion of pulmonary tuberculosis: Consensus
Statement of the Public Health Tuberculosis Guidelines Panel. JAMA 1998, 279:943-8. Abstract [2] Fischl M, Castro J, Monroig R, et al. Impact of Directly Observed
Therapy on Long-Term Outcomes in HIV Clinical Trials. 8th CROI 2001,
Chicago, [3] The Hopkins HIV Report 2001 July, 13(4): 13-15 Link |
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Wichtiger Hinweis für die Leser
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