![]() |
Home
Geschichte
|
HIV
Medicine
Wer ?
Was ?
FMI
|
Flying
Publisher
|
|
HIV.NET 2007 Nachrichten HAART Klinik Medikamente Kongressberichte Mailing-Liste
|
Nachrichten zur Übersicht
Blips: Wechsel oder Warten?
02. August 2001 - Bisher war das Ziel einer
konsequenten HIV-Therapie eine kontinuierlich nicht nachweisbare Viruslast, da
man annahm, daß sich bei schon bei geringer Virusreplikation unter Therapie
Resistenzmutationen bilden können. Im klinischen Alltag erfolgte daher bei
sogenannten Blips, also einem vorübergehenden leichten Anstieg der Viruslast,
häufig eine Therapieumstellung. Zwei jetzt im JAMA publizierte Artikeln liefern
nun allerdings Hinweise dafür, daß eine komplette virale Suppression keine
Voraussetzung für einen dauerhaften Therapieerfolg sein muss. In der Studie von Hermankova und
Kollegen [1] war trotz einer kontinuierlich unterhalb von 50 Kopien/ml
liegenden Viruslast mittels ultrasensitiver Verfahren bei immerhin 10 von 20
Patienten noch virale RNA nachweisbar. Im dem Beobachtungszeitraum zwischen 28
und 59 Monaten traten dennoch keine neuen relevanten Resistenzmutationen auf.
Ob der Nachweis von RNA durch eine ständige virale Neuproduktion hervorgerufen
wird oder ob er lediglich die Freisetzung aus latenten Reservoiren reflektiert,
ist unklar. Offenbar scheint jedoch eine derart niedrige Virämie zumindest
mittelfristig nicht auszureichen, um neue Mutationen erzeugen zu können. Havlir und Kollegen [2] wollten
die Bedeutung von Blips in Bezug auf das virologische Versagen herausfinden.
Retrospektiv wurden 241 Patienten, die in zwei Studien (ACTG 343, Merck 035)
behandelt worden waren und nach sechs Monaten Dreifachtherapie eine Viruslast
unter 200 Kopien/ml erreicht hatten, in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste
Gruppe (60 %) bestand aus jenen Patienten ohne intermittierende Virämie, wobei
diese als > 50 Kopien/ml definiert wurde. In der zweiten Gruppe (40 %) waren
Patienten mit intermittierenden Virämien. Erwartungsgemäß zeigte sich
mittels ultrasensitiven Verfahren (Nachweisgrenze 2.5 Kopien/ml) in der zweiten
Gruppe im Durchschnitt eine höhere Rate der viralen Replikation - auch wenn man
hier lediglich die Samples berücksichtigte, in denen mit den Standardtests
(Nachweisgrenze 50 Kopien/ml) kein Virus nachweisbar war. Überraschenderweise war ein
virologisches Versagen (definiert als zwei konsekutive Viruslasten über 200/ml)
in beiden Gruppen jedoch gleich häufig (13.8 % in der ersten Gruppe vs. 10.4%
in der zweiten Gruppe, p=0.53). Prädiktoren für eine intermittierende Virämie
war neben der Randomisierung zu einer einfacheren Erhaltungstherapie (p=0.004)
die Höhe der Ausgangs-Viruslast (p=0.02). Die Vormedikation mit AZT oder das
Vorliegen einer AZT-Resistenz waren hingegen weder signifikant mit einem
erhöhtem Risiko einer intermittierenden Virämie noch mit einem virologischen
Versagen assoziiert. Ein Hauptproblem der Studie von
Havlir und Mitarbeitern ist sicherlich die relativ kurze Follow-up-Periode
(Median 46 Wochen). Möglicherweise tritt das virologische Versagen bei nur
geringfügig höherer Viruslast erst nach längerer Zeit auf. Beide Studien
beziehen sich überdies auf die Gabe von Proteaseinhibitoren-Regimen, die nach
den derzeitigen Therapieempfehlungen nur noch möglichst sparsam eingesetzt werden
sollten. Bei PI-freien Regimen könnte sich das virologische Versagen schneller
zeigen. In seinem sehr detaillierten
Editorial zu den beiden JAMA-Papern [3] wies Steven Deeks jedoch darauf hin,
daß beide Studien trotz ihrer Limitationen bei Behandlern Beachtung finden
sollten. Es muß akzeptiert werden, daß die heutigen Regime die virale
Replikation meist nicht komplett unterdrücken können, auch wenn sie unter
optimalen Konditionen angewandt werden. Glücklicherweise zeigt sich hier, daß
dies für einen dauerhaften virologischen und möglicherweise auch klinischen
Erfolg auch gar nicht notwendig ist. Deeks warf auch die Frage nach einem
Schwellenwert auf. Gibt es einen solchen Wert, unterhalb dessen der virale
Turnover zu niedrig ist, um resistente Mutationen produzieren zu können? Wenn
dies der Fall wäre, könnten weniger belastende Therapien ausreichen und jene
intensiven Therapien, die darauf ausgerichtet sind, die virale Replikation
unter allen Umständen zu unterdrücken, möglicherweise mehr schaden als nutzen. Allerdings scheint es zum
jetzigen Zeitpunkt zu früh, um wirklich handfeste Aussagen machen zu können.
Letztlich bleibt der Therapiewechsel bei Blips immer eine individuelle
Entscheidung von Patient und Arzt. Die beiden Studien zeigen jedoch, daß eine
zunächst vorsichtige Beobachtung bei Blips ohne sofortigen Therapiewechsel
sinnvoll sein kann, um sich somit Therapieoptionen für die Zukunft zu sparen.
Nicht zu vergessen ist natürlich, daß Blips auch Zeichen einer zumindest
passageren Noncompliance sein können - ein Aspekt, der in beiden Studien nicht
behandelt wurde. Literatur und Links Havlir DV, Bassett R, Levitan D et al. Prevalence and predictive value
of intermittent viremia with combination HIV therapy. JAMA 2001, 286:171-179. Hermankova M, Ray SC, Ruff C et al. HIV-1 drug resistance profiles in
children and adults with viral load of <50 copies/ml receiving combination
therapy. JAMA 2001, 286:196-207. Abstract Deeks SG. Durable HIV treatment benefit despite low-level viremia
reassessing definitions of success or failure. JAMA 2001, 286 : 224-226. |
|
Wichtiger Hinweis für die Leser
|
||||