![]() |
Home
Geschichte
|
HIV
Medicine
Wer ?
Was ?
FMI
|
Flying
Publisher
|
|
HIV.NET 2007 Nachrichten HAART Klinik Medikamente Kongressberichte Mailing-Liste
|
Nachrichten zur Übersicht
Was ist dran an NU1320?
27. Juli 2001 - Seit
einiger Zeit geistern euphorische Meldungen über eine neue Substanz durch den
deutschen Blätterwald (BILD bis Süddeutsche Zeitung berichteten), die 2.000.000
Mal stärker als AZT gegen das HI-Virus wirken soll. Sie würde überdies
praktisch keine Nebenwirkungen haben. Zahlreiche Patienten baten deshalb in den
letzten Wochen ihre Behandler um ihre Meinung zu dem Thema. Was steckt nun
wirklich hinter diesen Meldungen? Bei
dieser Substanz handelt es sich um das von einer Arbeitsgruppe um den
renommierten Genfer Pharmakologen Jean Marcel Tronchet entwickelte NU1320.
NU1320 ist ein nicht nukleosidaler Inhibitor des HIV-Enzyms Reverse
Transkriptase. Die genaue Strukturformel ist bisher noch nicht publiziert
worden, da die Universität Genf mit einer Pharmafirma zusammenarbeitet, die
sich die Substanz erst einmal hat patentieren lassen. In vitro-Studien hätten
allerdings – so heißt es - gezeigt, daß die Substanz mit einer ungewöhnlich
hohe Affinität an die Reverse Transkriptase bindet. Wie von Professor Tronchet
zu erfahren war, haben vor zwei Monaten erste präklinische Studien mit
Tierversuchen begonnen. Die Vermutung, daß die Substanz kaum Nebenwirkungen
haben wird, beruht auf der zumindest im Labor hochspezifischen Wirkung auf
HIV-infizierte Zellen. Nun ist jedem in der HIV-Medizin tätigen Menschen
spätestens seit der Einführung der Proteasehemmer klar, daß sich klinische
Wirksamkeit, Verträglichkeit und Anwendbarkeit kaum durch derartige Ergebnisse
vorhersagen lassen – auch bei den PIs war anfangs von einer sehr selektiven
Hemmung der HIV-Protease die Rede. Fazit
aus der Geschichte: Grundlagenforschung ist sicherlich wichtig und die Basis
für zukünftige Therapieerfolge - aber die in diesem Fall sicher auch zu
Werbezwecken (Forschungsgelder!) aufgebrachte und von den Medien nur zu gern
geschürte Euphorie ist verfrüht. Sie führt nur zu Verunsicherung von Patienten
und weckt falsche Hoffnungen. Ob NU1320 irgendwann tatsächlich als Medikament
zur Therapie der HIV-Infektion eingesetzt werden wird, ist derzeit jedenfalls
noch völlig unklar und vermutlich erst in fünf Jahren abzusehen – für diesen
Zeitraum wurden die jetzt angelaufenen Studien veranschlagt. HIVNET bleibt am
Ball! |
|
Wichtiger Hinweis für die Leser
|
||||