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Hörschäden durch NRTIs?
Angesichts der potentiell neurotoxischen Wirkung einiger
antiretroviraler Substanzen erscheint auch eine Schädigung der Hörnerven
durchaus denkbar – dennoch wurden in der Literatur bislang erst fünf Fälle von
NRTI-assoziierter Ototoxizität beschrieben. Simdon und Mitarbeiter berichten
nun in Clinical Infectious Diseases über drei weitere Fälle [1] Die drei gut dokumentierten Fallberichte zeigten neben dem möglichen
Zusammenhang mit der Einnahme von NRTIs (vorwiegend d4T und ddI) einige
interessante Parallelen. Relevante opportunistische Infektionen waren bis dato
bei keinem Patienten aufgetreten. Alle Patienten waren hingegen älter als 45
Jahre und hatten einen bereits vor ART bestehenden lärminduzierten
Gehörverlust. Da ein solcher Gehörverlust in der Regel nach Beendigung der
Exposition (hier: Knalltraumata) nicht progredient ist, ist die beobachtete
Gehörminderung jedoch nicht durch die Progredienz eines bekannten
Gehörverlustes erklärbar. Nach Meinung der Autoren war zumindest bei zwei
Patienten ein Zusammenhang zwischen der Einnahme von NRTIs und des Gehörverlust
anzunehmen. Hörschäden bei
HIV-Patienten sind nicht neu - in verschiedenen Studien wurde eine erhöhte
Inzidenz an Gehörminderungen durch zum Beispiel Otitis media, opportunistische
Infektionen, maligne Erkrankungen und Behandlung mit ototoxischen Medikamenten
beschrieben. Während NNRTIs
und PIs bisher nicht mit Hörschäden in Verbindung gebracht wurden, existieren
bislang fünf Fallbeschreibungen von Ototoxizität durch NRTIs, und zwar drei
Fälle durch ddC [2-4], ein Fall durch ddI [5] und ein Fall durch ddI plus AZT
[6]. In einer größeren Studie von Marra und Mitarbeitern [7] zeigte sich bei 99
HIV-infizierten Patienten immerhin in 29 % der Fälle ein pathologisches
Audiogramm. Die Einnahme von NRTIs in den vorangehenden sechs Monaten war dabei
signifikant mit dem Gehörverlust bei Patienten > 35 Jahre assoziiert – dies
galt jedoch nicht bei Patienten < 35 Jahre. Die jetzt von
Simdon beschriebenen Fälle passen zu den Resultaten dieser Studien, die
ebenfalls eine Assoziation zwischen NRTIs, Alter und Ototoxizität nahelegen.
Auffällig war - wie schon erwähnt - der in allen drei Fällen amnestisch
bekannte Gehörverlust. Diese Vorschäden könnte die Patienten sensibler
gegenüber einem NRTI-assoziierten Gehörverlust machen, der bei Patienten mit
normalem Gehör möglicherweise noch im subklinischen Bereich liegt. Sowohl das
Altern wie auch die HIV-Infektion und Gehörverlust sind assoziiert mit
mitochondrialen DNA-Mutationen. Wenn NRTIs den Gehörverlust durch
mitochondriale Toxizität auslösen, so scheint es denkbar, daß ein Synergismus
der mitochondrialen Abnormalitäten entsteht und so einen größerer Gehörverlust
bei älteren HIV-Patienten entsteht. Prospektive Studien sind jedoch nötig, um
festzustellen, ob NRTIs wirklich eine ototoxische Wirkung haben, und, wenn ja,
welche NRTIs und welche Patienten am ehesten davon betroffen sind. Literatur und
Link: [1] Simdon J,
Watters D, Bartlett S, Connick E. Ototoxicity Associated with Use of Nucleoside
Analog Reverse Transcriptase Inhibitors: A Report of 3 Possible Cases and
Review of the Literature. CID 2001:32:1623-1627.
Abstract [2] Powderly WG,
Klebert MK, Clifford DB. Ototoxicity associated with dideoxycytidine. Lancet
1990, 1:1106. [3] Martinez GP,
French MAH. Acoustic neuropathy associated with zalcitabine-induced peripheral
neuropathy. AIDS 1993, 7:901-2. [4] Monte S,
Fenwick JD, Monreiro EF. Irreversible ototoxicity associtated with zalcitabine.
Int J STD AIDS 1997, 8:201-2. [5] Vogeser M, Colebunders R, Depraetere K,
et al. Deafness
caused by didanosine (Letter). Eur J Clin Microbiol Infect Dis 1998, 17:214-5. [6] Christensen
LA, Morehouse CR, Powell TW, et al. Antiviral therapy in a child with pediatric
human immunodefiency vius (HIV): case study of audiologic findings. J Am Acad
Audiol 1998, 9:292-8. [7] Marra CM,
Wechkin HA, Longstreth WT, et al. Hearing loss and antiretroviral therapy in
patients with HIV-1. Arch Neurol
1997, 54:407-10. |
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