Home Geschichte HIV Medicine Wer ? Was ? FMI Flying Publisher
 
 
HIV.NET 2007

Nachrichten

HAART

Klinik

Medikamente

Kongressberichte

Mailing-Liste

Erweiterte Suche


Anregungen,
Kommentare


 
Nachrichten
zur Übersicht

Osteuropa im Blick und gegen das Vergessen
Ein Kurzbericht zum 8. Deutschen AIDS-Kongress in Berlin (4.-7. Juli)

von Oliver Mittermeier

10. Juli 2001 - Den ganz großen Durchbruch gab es - wie erwartet - nicht auf dem 8. Deutschen AIDS-Kongress. Alle wichtigen deutschen HIV-Forscher waren vertreten, dennoch konnte oder wollte keiner mit wirklich maßgeblichen Neuerungen aufwarten. Seine Bedeutung erhielt der Kongress - neben der Zusammenkunft der Akteure und der Möglichkeit zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch - somit eher durch seine politische Dimension.

So stellte die Deutsche AIDS Gesellschaft e.V. (DAIG) ihre neue Kampagne "Vergessen ist ansteckend" vor. In Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung will die Anzeigenkampagne gegen den derzeitigen Trend steuern. Neue Untersuchungen zeigen nämlich, dass HIV und AIDS zunehmend aus den Medien verschwinden und damit die Kommunikation über das Thema in der Bevölkerung nachläßt. Dieses Phänomen scheint bereits erste Konsequenzen zu haben, wenn man das Wissen Jugendlicher zwischen 16 bis 20 betrachtet: Hier weiss zum Beispiel immerhin ein Fünftel nicht, dass HIV-Infizierte auch ohne AIDS die Infektion weitergeben können. Gegen solche Wissenslücken und die geringe Reichweite von Präventionsmaßnahmen arbeitet Elisabeth Pott, die Direktorin der Bundeszentrale an. Sie betonte dabei die Bedeutung der Kooperation und Arbeitsteilung mit der Deutschen AIDS-Hilfe und den lokalen AIDS-Hilfen.

Die Lage im Osten

Aber auch internationale Zusammenarbeit ist gefordert. Die bedrohliche Lage in Zentral- und Osteuropa wurde auf diesem Kongress intensiv thematisiert, der erste Tag war ganz diesem Thema gewidmet. Vor allem die Rate der Neuinfektionen in Osteuropa ist Besorgnis erregend. Von Russland berichtet Dr. Bernhard Schwartländer vom AIDS-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS), dass sich dort allein im Jahr 2000 mehr Menschen mit dem HI-Virus infiziert hätten, als in allen vorhergehenden Jahren der Epidemie zusammen. Die Behörden mussten eine Steigerung der Neuinfektionen von mehr als 90 % gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Dr. Alexander Gromykow von der WHO erläuterte, dass besonders die Großstädte Moskau, Kaliningrad und St. Petersburg betroffen seien, da hier die Zahl der Drogenabhängigen stark ansteige und intravenöser Drogenkonsum die Hauptinfektionsquelle darstelle. Bis zum Ende diesen Jahres, in dem der Trend bisher ungebrochen anhalte, rechnen die Behörden mit 150.000 Neuinfizierten.

In Litauen hingegen, wo durch eine gute Aufklärung über 90 % der Einwohner über AIDS und die Übertragungswege informiert sind, sei die Zahl der HIV-Infizierten rund 15 mal niedriger als in der Europäischen Union, berichtete Irma Mittiené von der Gesundheitsbehörde des Baltenstaates. Auch in Polen ist die Zahl HIV-Infizierter mit ca. 6.800 bislang relativ gering, wobei von einer Dunkelziffer von bis zu 20.000 ausgegangen wird. Hier ist es vor allem das Nationale "Health Policy Programm", dass von den Kongressteilnehmern gelobt wurde. Das Ministerium für Gesundheit stellt Gelder für die antiretrovirale Therapie zur Verfügung. In Rumänien ist die Situation derzeit weniger rosig, was vor allem an dem bisher mangelnden Engagement der Regierung liegt.

Die Unterstützung dieser Länder läge auch im Interesse der Staaten Westeuropas, da eine Zunahme der Infektionen in Osteuropa vor den Grenzen nach Westen nicht halt machen würde, sondern "zurückschwappen dürfte", wie Professor Manfred L´age betonte. Der Ehrenpräsident des Berliner Kongress schreckte in seiner Eröffnungsrede nicht vor markigen Worten zurück und wies bei dieser Gelegenheit erneut auf die im Vergleich zu Ländern wie USA oder Grossbritannien beschämende Förderung der deutschen AIDS-Forschung hin. 

 

Alle Abstracts des 8. Deutschen AIDS Kongress unter: http://193.97.204.182/da2001/a


 
 
     
 

Design:

 
 
 

  Wichtiger Hinweis für die Leser