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Osteuropa im Blick und gegen das Vergessen
10. Juli 2001 - Den ganz großen Durchbruch gab es - wie erwartet -
nicht auf dem 8. Deutschen AIDS-Kongress. Alle wichtigen deutschen HIV-Forscher
waren vertreten, dennoch konnte oder wollte keiner mit wirklich maßgeblichen
Neuerungen aufwarten. Seine Bedeutung erhielt der Kongress - neben der
Zusammenkunft der Akteure und der Möglichkeit zum Meinungs- und
Erfahrungsaustausch - somit eher durch seine politische Dimension. So stellte die Deutsche AIDS Gesellschaft e.V. (DAIG)
ihre neue Kampagne "Vergessen ist ansteckend" vor. In Zusammenarbeit
mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung will die Anzeigenkampagne
gegen den derzeitigen Trend steuern. Neue Untersuchungen zeigen nämlich, dass
HIV und AIDS zunehmend aus den Medien verschwinden und damit die Kommunikation
über das Thema in der Bevölkerung nachläßt. Dieses Phänomen scheint bereits
erste Konsequenzen zu haben, wenn man das Wissen Jugendlicher zwischen 16 bis
20 betrachtet: Hier weiss zum Beispiel immerhin ein Fünftel nicht, dass
HIV-Infizierte auch ohne AIDS die Infektion weitergeben können. Gegen solche
Wissenslücken und die geringe Reichweite von Präventionsmaßnahmen arbeitet
Elisabeth Pott, die Direktorin der Bundeszentrale an. Sie betonte dabei die
Bedeutung der Kooperation und Arbeitsteilung mit der Deutschen AIDS-Hilfe und
den lokalen AIDS-Hilfen. Die Lage im Osten
Aber auch internationale Zusammenarbeit ist gefordert.
Die bedrohliche Lage in Zentral- und Osteuropa wurde auf diesem Kongress
intensiv thematisiert, der erste Tag war ganz diesem Thema gewidmet. Vor allem
die Rate der Neuinfektionen in Osteuropa ist Besorgnis erregend. Von Russland
berichtet Dr. Bernhard Schwartländer vom AIDS-Programm der Vereinten Nationen
(UNAIDS), dass sich dort allein im Jahr 2000 mehr Menschen mit dem HI-Virus
infiziert hätten, als in allen vorhergehenden Jahren der Epidemie zusammen. Die
Behörden mussten eine Steigerung der Neuinfektionen von mehr als 90 % gegenüber
dem Vorjahr verzeichnen. Dr. Alexander Gromykow von der WHO erläuterte, dass
besonders die Großstädte Moskau, Kaliningrad und St. Petersburg betroffen
seien, da hier die Zahl der Drogenabhängigen stark ansteige und intravenöser
Drogenkonsum die Hauptinfektionsquelle darstelle. Bis zum Ende diesen Jahres,
in dem der Trend bisher ungebrochen anhalte, rechnen die Behörden mit 150.000
Neuinfizierten. In Litauen hingegen, wo durch eine gute Aufklärung
über 90 % der Einwohner über AIDS und die Übertragungswege informiert sind, sei
die Zahl der HIV-Infizierten rund 15 mal niedriger als in der Europäischen
Union, berichtete Irma Mittiené von der Gesundheitsbehörde des Baltenstaates.
Auch in Polen ist die Zahl HIV-Infizierter mit ca. 6.800 bislang relativ
gering, wobei von einer Dunkelziffer von bis zu 20.000 ausgegangen wird. Hier
ist es vor allem das Nationale "Health Policy Programm", dass von den
Kongressteilnehmern gelobt wurde. Das Ministerium für Gesundheit stellt Gelder
für die antiretrovirale Therapie zur Verfügung. In Rumänien ist die Situation
derzeit weniger rosig, was vor allem an dem bisher mangelnden Engagement der
Regierung liegt. Die Unterstützung dieser Länder läge auch im
Interesse der Staaten Westeuropas, da eine Zunahme der Infektionen in Osteuropa
vor den Grenzen nach Westen nicht halt machen würde, sondern
"zurückschwappen dürfte", wie Professor Manfred L´age betonte. Der
Ehrenpräsident des Berliner Kongress schreckte in seiner Eröffnungsrede nicht
vor markigen Worten zurück und wies bei dieser Gelegenheit erneut auf die im
Vergleich zu Ländern wie USA oder Grossbritannien beschämende Förderung der
deutschen AIDS-Forschung hin. Alle Abstracts des 8. Deutschen AIDS Kongress unter: http://193.97.204.182/da2001/a |
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Wichtiger Hinweis für die Leser
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