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Vorsicht bei Experimenten mit zwei NNRTIs
Die bislang eher ungewöhnliche Kombination aus zwei
verschiedenen Nicht-Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Hemmern (NNRTIs) bietet -
zumindest theoretisch - mehrere Vorteile: Die Möglichkeit, dass die Medikamente
verschiedene Kompartimente des Körpers unterschiedlich gut erreichen, könnte zu
einer verbesserten Effektivität der ART führen. Auch würde durch zwei in ihrer
Toxizität unterschiedliche Medikamente die NNRTI-Gesamtdosis eventuell erhöht
werden können. Dadurch könnte der Druck auf die Virusreplikation gesteigert
werden, ohne vermehrte unerwünschte Arzneimittelwirkungen in Kauf nehmen zu
müssen. Solche Studien [1] laufen bereits - nicht untersucht waren bisher
jedoch die pharmakokinetischen Interaktionen dieser beiden NNRTIs. Diese liegen
jedoch nahe, da sowohl Nevirapin (NVP) als auch Efavirenz (EFV) von Enzymsystem
Cytochrom P450 metabolisiert werden und dieses auch beeinflussen können. Eine
multizentrische Studie [2] aus den Niederlanden, England und Belgien hat nun
diese Interaktionen untersucht. Für diese Studie waren die Patienten sehr sorgfältig
ausgesucht worden. Sie durften weder Proteasehemmer nehmen noch deutlich
erhöhte Leber/Nierenwerte, eine klinisch relevante Anämie oder
Resorptionsstörungen haben. Die 14 ausgewerteten Patienten waren im Mittel 40
Jahre alt und hatten durchweg eine Viruslast von < 50 Plasma HIV RNA
Kopien/ml. Die CD4-Zellen zu Studienbeginn lagen im Median bei 441/µl, CD4/CD8
ratio bei 0.47. Alle Patienten nahmen mindestens 2 Wochen vor Beginn der Studie
600 mg Efavirenz pro Tag. Die antiretrovirale Begleittherapie bestand aus 2
oder mehr Nukleosidanaloga. Nach zwei Wochen erfolgte eine Messung der Efavirenz-Pharmakokinetik
bei den Probanden über 24 Stunden, dann wurde am folgenden Tag die Medikation
um 200 mg Nevirapin erweitert. Nach weiteren zwei Wochen erolgte eine
Dosissteigerung auf 400 mg einmal täglich. Am 43. Tag der Studie wurden dann
erneut die pharmakokinetischen Daten über 24 Stunden hinweg erhoben. Die Ergebnisse waren eindeutig: Nevirapin senkte die
Wirkstoffspiegel von Efavirenz signifikant: Bereits nach der ersten
Gabe fielen die Efavirenz-Plasmakonzentrationen signifikant ab. Das galt nicht
nur für die minimale Konzentration (mittlere Absenkung 36 %, p = 0.001) und die
maximale Konzentration (mittlere Absenkung 17 %, p = 0.048). Auch die AUC sank,
die Gesamtfläche unterhalb der Wirkstoffspiegelkurve über 24 Stunden (mittlere
Absenkung 22 %, p = 0.001). Die Wirkstoffspiegel von Nevirapin blieben hingegen
unverändert und unterschieden sich nicht von denen einer historischen
Kontrollgruppe, die Nevirapin alleine bekommen hatte. Die gute Nachricht ist, dass nicht nur die Viruslast
bei den Patienten stabil blieb, sondern dass auch die Nierenretentions- und
Leberwerte, Bilirubin, Hämoglobin, und die alkalische Phosphatase unverändert
waren. Bis auf einen Patienten, der wegen Übelkeit und Unwohlsein unter
Nevirapin abbrach und einem Patienten, der trotz einer neu aufgetretenen
peripheren Neuropathie tapfer weiter machte, kam es zu keinen weiteren
unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Dennoch zeigt sich erneut (siehe HIVNET vom 31.05.01)
die Bedeutung pharmakologischer Untersuchungen bei den immer komplexer
werdenden Kombinationstherapien. Die Bestimmung der Wirkstoffspiegel sollte –
wenn möglich – vor allem bei den weniger etablierten Regimen fester Bestandteil
der Therapieversuche sein. Für weitere Empfehlungen zu dieser (noch) sehr
seltenen Kombination (zum Beispiel eventuelle EFV-Dosisanpassung) ist es den
Autoren zufolge allerdings derzeit zu früh. Literatur und Links [1] Jordan
W, Jefferson R, Yemotio F et al. Nevirapin (NVP) + Efavirenz (EFV) + Didanosine
(DDI): a very simple, safe, and effective once-daily regimen [abstract
TuPeB3270]. In: Program and abstracts of the XIII International AIDS
Conference, Durban, South Africa. 2000. [2] Veldkamp AI, Harris M,
Montaner JSG et al. The Steady-State Pharmacokinetics of Efavirenz
and Nevirapin When Used in Combination in Human Immunodeficiency Virus Type
1-Infected Persons. J Inf Dis 2001, 184: 37-42. Abstract
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