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Nachrichten zur Übersicht
Indinavir und Diabetes mellitus
von Phillip Aries 11. Juni 2001 - Im sonnigen Kalifornien fanden sich unlängst zehn HIV-negative
Freiwillige, welche vermutlich im Austausch für einen nicht unerheblichen
Geldbetrag bereit waren, vier Wochen lang den Proteaseinhibitor (PI) Indinavir
einzunehmen. Das von Mustafa Noor geleitete Projekt [1] sollte klären helfen,
welchen Anteil die PIs an den unter HAART beobachteten metabolischen Störungen
haben. Ähnliche Studien gab es in der Vergangenheit schon zu dem Effekt einer
zweiwöchigen Ritonavir-Behandlung auf die Blutfette (Cholesterin +24 %,
Lipoprotein a +40 %, Triglyceride +245 %). Das
Protokoll der Indinavir-Forscher aus San Francisco sah neben der Messung der
Blutfette und der Triglycerid-Clearance zusätzlich eine Reihe von
Untersuchungen zum Glucose-Stoffwechsel vor. Bei den Probanden wurden jeweis
vor und nach Indinavir-Therapie der Nüchtern-Blutzucker und der Insulinspiegel
gemessen. Außerdem führte man jeweils vorher und nach vier Wochen einen oralen
Glukosetoleranztest und einen euglykonen Clampversuch durch. Bei diesem wird
mit einer Insulininfusion untersucht, wieviel Glucose der Muskel des Probanden
unter optimalen Bedingungen aufnehmen kann. Zusätzlich wurde bei den durchweg
normalgewichtigen Probanden noch jeweils ein Dexa-Scan, ein CT des Abdomens auf
Höhe L4/5 und eine Bioimpedanz-Messung am Tag 0 und 28 gemacht. Innerhalb
der Beobachtungszeit fanden sich keine signifikanten Veränderungen von Cholesterin,
LDL, HDL, Triglyceriden, Lipoprotein a oder den freien Fettsäuren. Auch an der
Verteilung des Körperfettes änderte sich nichts. Wohl aber fand sich ausnahmslos - bei allen! -
Probanden eine Reduktion der Insulinempfindlichkeit nach Indinavir-Einnahme.
Berechnungen ergaben dabei, daß jeweils eine Einheit Insulin nur noch etwa 80 %
des Ausgangswertes an Glucose für den Körper verfügbar machen konnte. Der
sogenannte HOMA-Insulin-Resistenz-Index stieg von 1.9 ±
0.3 signifikant auf 2.8 ± 0.5 an. Im oralen
Glucosetoleranztest zeigte sich, dass nach den vier Wochen bereits einer der
zehn zuvor gesunden Freiwilligen einen Diabetes mellitus entwickelt hatte. Ein
Proband erfüllte die Kriterien einer pathologischen Glucosetoleranz, und ein
weiterer verfehlte diese Diabetes-Vorstufe im Zweistundenwert nur um 0.01
mmol/l. Interessanterweise
stellte sich im Nachhinein heraus, dass diese (und nur diese) drei Probanden
Verwandte ersten Grades mit Diabetes mellitus hatten, so dass eine genetische
Veranlagung bedeutsam sein dürfte. Vor der Einstellung auf PIs sollte daher
jeder Patient über Diabetesfälle in der Familie befragt werden, um eine
realistische Risiko/Nutzen Abwägung zu ermöglichen. Über
den Mechanismus über den PIs Diabetes induzieren könnten, ist in den letzten
Monaten viel diskutiert worden [2]. Ein möglicher Weg könnte sein, dass sie
bereits in quasi physiologischen Konzentrationen die Phorylierung der Substrate
des Insulinrezeptors beeinflussen. Da bei diesen in vitro an Zelllinien
durchgeführten Untersuchungen der Effekt des Indinavir in der Auswaschphase
nicht voll reversibel war, bleibt die Sorge, ob die innerhalb von nur Wochen
sich entwickelnden Nebenwirkungen für die Probanden in dieser Studie
schwerwiegende Langzeitfolgen haben könnten. Zumindest hätte man von den
Autoren erwarten können, dass eine entsprechende Nachbeobachtung erfolgt. [1] Noor MA, Lo JC, et al. Metabolic
effects of indinavir in healthy HIV-seronegative men. AIDS 2001, 15: F11-F18. [2] Schutt M, Meier M, et al. The HIV-1 protease
inhibitor indinavir impairs insulin signalling in HepG2 hepatoma cells. Diabetologia
2000, 43:1145-8 (Abstract) |
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