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Neues zu Interaktionen zwischen Lopinavir, Ritonavir und Amprenavir
von Thomas Sternfeld 31. Mai 2001 - Proteaseinhibitoren (PIs) werden häufig mit einem
zweiten PI wie Ritonavir in virologisch subtherapeutischer Dosierung
(„Babydose“) kombiniert. Über eine Hemmung des PI-abbauenden Enzymsystems
Cytochrom P450 in der Leber verändert Ritonavir die pharmakokinetischen
Eigenschaften des gleichzeitig verabreichten PI mitunter dramatisch. Durch
erhöhte Plasmaspiegel sind so Ein- oder Zweimaldosierungen bei gleichzeitiger
Reduktion der Tablettenzahl möglich. Die Auswirkungen auf die minimale (Cmin) und maximale
Plasmakonzentration (Cmax), die Halbwertszeit und die gesamte über ein
Dosierungsintervall dem Körper zugeführte Medikamentenmenge sind jedoch für
jede Kombination unterschiedlich und nicht immer vorhersagbar. Auch die Konzentration der Ritonavir-Babydose wird
offenbar verändert. In zwei retrospektiven Untersuchungen konnte jetzt gezeigt
werden, daß Amprenavir (APV) und Lopinavir (LPV) die minimalen Plasmaspiegel
von Ritonavir (RTV) reduziert [1,2]. Die Plasmaspiegel von RTV lagen in der
Kombination RTV/APV (100/600 mg BID) um das 3.4-fache und in der Kombination
RTV/LPV (100/400mg BID) um das 2.9-fache niedriger als die Plasmaspiegel von
RTV in den Kombinationen mit IDV (100/200-800 mg BID) oder RTV/SQV
(100/600-1000mg BID). Wohl wichtiger als die Reduktion der Ritonavirspiegel
ist jedoch noch eine weitere „neue“ Interaktion: Die Kombination von Lopinavir
mit Amprenavir kann zu einem dramatischen Abfall des APV-Plasmaspiegels führen
[3]. Dieser war in einer retrospektiven Untersuchung in der Kombination APV
(450-750mg BID) mit der üblichen Dosis LPV (400/100mg BID) um immerhin 49-83%
niedriger als in der Kombination RTV/APV (100-200/450-600 mg BID) aus einem
historischen Vergleichskollektiv. Eine zusätzliche Gabe von RTV (100 mg BID)
führte nicht zu einer Anhebung des Amprenavirspiegels. Die APV/LPV-Kombination
wird häufig im Rahmen einer Salvagetherapie eingesetzt. Aufgrund dieser
Resultate erscheint es fraglich, ob die APV-Konzentration in einer solchen
Situation noch ausreicht, um bereits durch Vortherapien veränderte Virusstämme
erfolgreich zu hemmen. Bei den dargestellten Arbeiten handelt es sich
allerdings um retrospektive Arbeiten, die durch prospektive Untersuchungen noch
bestätigt werden müssen. Sie sollten aber den Kliniker aufhorchen lassen und
bei Einleitung einer derartigen Kombinationstherapie immer zur Bestimmung der
PI-Plasmaspiegel führen. Entscheidend ist hierbei, daß die Untersuchung nicht
erst dann erfolgt, wenn die Therapie bereits versagt hat und die
Plasmaspiegeluntersuchung nur noch die Ursache des Scheiterns dokumentiert.
Eine Untersuchung bereits nach Einleitung der neuen Therapie kann frühzeitig zu
einer Dosisanpassung oder Modifikation der Therapie führen und so die Chancen
einer erfolgreichen Behandlung erhöhen. Literatur: [1] Poirier JM, Meynard JL, Guiard-Schmid JB, et al. Unexpected
drug-drug interaction between amprenavir and ritonavir. Program and abstracts
of the 2nd International Workshop on Clinical Pharmacology of HIV
Therapy; April 2-4, 2001; Nordwijk, the Netherlands. Abstract 1.6. [2] Poirier JM, Meynard JL,
Guiard-Schmid JB, et al. Lopinavir and ritonavir trough plasma concentrations in
HIV-experienced patients treated with kaletra. Program and abstracts of the 2nd
International Workshop on Clinical Pharmacology of HIV Therapy; April 2-4,
2001; Nordwijk, the Netherlands. Abstract 1.7. [3] Peytavin G, Lamotte C, Duval
X, et al. Amprenavir (APV) plasma concentrations are dramatically decreased by the
association with ABT378/r in HIV-infected patients. Program and abstracts of
the 2nd International Workshop on Clinical Pharmacology of HIV
Therapy; April 2-4, 2001; Nordwijk, the Netherlands. Abstract 1.14. |
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