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Begünstigt HAART die Entstehung oraler Warzen?
Überraschender Trend in großer retrospektiver Studie

von Georg Behrens

14. Mai 2001 - Ohne Zweifel führt die antiretrovirale Kombinationstherapie (HAART) zu einem deutlichen Rückgang der opportunistischen Erkrankungen im Mundraum. Eine kleine Studie aus San Franzisco [1] beschreibt nun einen gegenläufigen Trend beim Auftreten von oralen Warzen. Fast 1.300 HIV-Patienten eines spezialisierten Zentrums für Munderkrankungen in San Francisco wurden retrospektiv für den Zeitraum von 1990 bis 1999 untersucht. Zielkriterien waren alle Formen oraler Candidosen, Haarzelleukoplakie, orale Warzen, aphthöse Ulzera, Speicheldrüsenerkrankungen und Kaposi-Sarkome. Die Prävalenz in Jahreszeiträumen wurde ermittelt und mit entsprechenden Viruslast- und Helferzelldaten analysiert.

Überraschendes Ergebnis: Alle oralen opportunistischen Infektionen nahmen in ihrer Prävalenz ab. Nur die Rate von oralen Warzen stieg signifikant an. Die Autoren fanden zum Beispiel (wie schon viele andere Studien zuvor), dass im Zeitraum ab 1996 nach Einführung der Proteaseinhibitoren (PI) die Rate und das Risiko für orale Candida-Infektionen bei Patienten unter HAART signifikant zurückgingen. Im selben Zeitraum stieg jedoch - auch nach Abgleich der Helferzellzahlen - die Prävalenz für orale Warzen deutlich an: 5 % aller unbehandelten Patienten hatten Warzen im Mund verglichen mit 15 % der Patienten unter ART (ohne PI) und sogar 23 % der Patienten mit HAART (incl. PI). Patienten mit Warzen in den Jahren 1990-91 hatten durchschnittlich 96 CD4-Zellen/µl, im Zeitraum 1998-99 jedoch mit 350/µl signifikant mehr. Interessanter Aspekt am Rande: Patienten mit oraler Candidose hatten in den gleichen Zeiträumen nicht signifikant unterschiedliche Helferzellzahlen. Auch der Rückgang der Prävanz war für orale Candida-Infektionen über die Jahre am schwächsten ausgebildet. Es entsteht daher der Eindruck, dass HAART nicht nur über eine verbesserte Immunsituation (gemessen an den Helferzellen) gegen Candida wirksam ist.

Die Schlussfolgerungen der Autoren bleiben indes sehr oberflächlich. Sie spekulieren, dass Immunrekonstitutions­phänomene (wie bei TBC und CMV) eine Rolle spielen könnten. Oder, genau umgekehrt, eine lückenhafte Immunrekonstitution die effektive Abwehr gegen die Enstehung der Warzen ausspart. Daten aus in vitro Untersuchungen wurden nicht erhoben und der retrospektive Charakter der Untersuchungen ist als Nachteil zu werten. Als Resüme bleibt, auf diese mögliche Entwicklung im klinischen Alltag zu achten und sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen.

 

[1] Greenspan D, Canchola AJ, MacPhail LA, Cheikh B, Greenspan JS. Effect of highly active antiretroviral therapy on frequency of oral warts. Lancet 2001, 357:1411-1412.


 
 
     
 

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