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Kryptosporidiose – Paromomycin (Humatin®) wohl doch wirkungslos
die bisher weltweit größte Studie sorgt für Diskussionen

von Christian Hoffmann

10. Mai 2001 - Die Kryptosporidiose ist eine parasitäre Darmerkrankung, von der sowohl immunkompetente als auch immungeschwächte Menschen betroffen sein können. Doch während die typischen wässrigen Diarrhoen bei sonst gesunden Personen oder bei HIV-Patienten mit mehr als 200 CD4-Zellen/ml fast immer nach wenigen Tagen verschwinden, verläuft die Kryptosporidiose bei AIDS-Patienten oft chronisch. Hier kann sie über Elektrolytverlust und Exsikkose sogar zum Tode führen. Eine spezifische Therapie existiert nicht. Paromomycin (HumatinÒ), ein nicht-resorbierbares Aminoglykosid-Antibiotikum, das in Pulver- und Tablettenform vorliegt, ist trotzdem auch in Deutschland von vielen Behandlern immer wieder eingesetzt worden, nachdem zahlreiche kleine, nicht-kontrollierte Studien auf einen günstigen Effekt auf die Diarrhoen hingewiesen hatten.  

Vor einigen Wochen erschien nun die bislang größte kontrollierte Studie zu dem Thema. In dieser wurden doppelblind-randomisiert Paromomycin-Tabletten (4 mal täglich 500 mg) gegen Placebo getestet. Insgesamt wurden 35 Patienten mit CD4-Zellen unter 150/ml auf Paromocyin oder Placebo randomisiert. Als Therapieerfolg wurde die Senkung der Stuhlfrequenz und die verminderte Einnahme von Durchfallmitteln gewertet. Nach dreiwöchiger Therapie zeigten sich keinerlei Unterschiede in der Wirkung - nur bei drei Paromomycin-Patienten gegenüber zwei Placebo-Patienten war ein kompletter Therapieerfolg vorhanden. Ein teilweises Ansprechen lag bei 8/17 (47 %) gegenüber 5/14 (36 %) Patienten vor. Erstaunlich war hierbei die beachtliche Variabilität des Krankheitsverlaufs auch im Placeboarm. Wichtig: Die Studie war zwischen 1993 und 1995 organisiert worden und die Ergebnisse somit unabhängig vom Einfluss antiretroviraler Therapien.

Zwar wurde den Autoren jetzt zu kleine Patientenzahlen und vor allem methodische Mängel beim Studiendesign vorgehalten, doch ist auch nach erneuter Berechnung der Ansprechrate allenfalls von einem geringen Effekt durch Paromomycin auszugehen [2]. Einig war man sich, daß HAART die beste Therapie ist. Die Arbeitsgruppe von Andrew Carr konnte bereits vor drei Jahren zeigen, daß Kryptosporidiosen unter HAART-vermittelter Immunrekonstitution ausheilen [3]. Bei Patienten mit chronischer Kryptosporidiose, bei denen eine Immunrekonstitution jedoch nicht (mehr) möglich ist, ist jedoch nach diesen Studienergebnissen weiterhin guter Rat teuer – und Paromomycin-Versuche kann man sich vermutlich sparen.

 

Literatur

 

[1] Hewitt RG, Yiannoutsos CT, Higgs ES, et al. Paromomycin: No more effective than placebo for treatment of cryptosporidiosis in patients with advanced human immunodeficiency virus infection. Clin Inf Dis 2000, 31: 1084-92

[2] White AC, Cron SG, Chappell CL. Paromomycin in cryptosporidiosis. Clin Inf Dis 2001, 32: 1516-7

[3] Carr A, Marriott D, Field A, Vasak E, Cooper DA. Treatment of HIV-1 associated micropsoridiosis and cryptosporidiosis with combination antiretroviral therapy. Lancet 1998, 351: 256-61


 
 
     
 

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