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„IQ-Test“ für Medikamente
von Thomas Sternfeld 20. April 2001 - Die antiretrovirale
Potenz eines Medikamentes hängt von zwei Faktoren ab: der Empfindlichkeit des
Virus für die Substanz und die Höhe der erzielten Medikamentenkonzentration am
Wirkort. Auf dem zweiten International Workshop on Clinical Pharmacology of HIV
Therapy vom 2.-4. April 2001 in Nordwijk/Holland wurde dieser Thematik eigens
eine ganze Sitzung unter dem Titel „Inhibitory Quotients (IQs)“ gewidmet. Die Dosis-Wirkungs-Beziehung ist auch bei einer mutierten
Viruspopulation erhalten. Dies bedeutet, daß auch „resistent“ gewordene
HI-Viren an der Replikation gehindert werden können, wenn die Medikamentendosis
nur hoch genug ist. Dieser Zusammenhang wird durch den so genannten „Inhibitory
Quotient“ (IQ) beschrieben. Er ist definiert als das Verhältnis vom niedrigsten
Medikamentenspiegel (Talspiegel) im Plasma während eines Dosierungsintervalles
zu der so genannten IC50 - jener Konzentration in vitro, bei der die
Virusreplikation um 50 % gehemmt wird. Liegt der Talspiegel weit über der benötigten Hemmkonzentration, so ist
mit einer guten Wirksamkeit des Medikamentes zu rechnen. Eine besondere
Bedeutung hat dieser Zusammenhang bei Kombinationen von mehreren
Proteaseinhibitoren (PIs). Durch die Kombination von PIs mit Ritonavir ist es
möglich, die PI-Plasmaspiegel anzuheben und einer veränderten Viruspopulation
im Patienten anzupassen. Für diese geboosterten PI-Kombinationen existieren nur
wenige klinische Vergleichsstudien. Aus diesem Grund wird der berechnete IQ von
der Pharmaindustrie zur Zeit benutzt, um die Potenz der HIV-Medikamente zu
vergleichen. Da die IQs aber auf der Basis unterschiedlicher Annahmen berechnet
werden, ergibt sich je nach Berechnungsweise ein völlig unterschiedliches Bild
mit dem Ergebnis, daß jeder Hersteller sein Präparat als überlegen anpreisen
kann. Entscheidend für die
Berechnung des IQ sind 3 Faktoren: - der Virusstamm der
für die Bestimmung der IC50 oder IC95 verwendet wird - die
Berücksichtigung des Einflusses der Proteinbindung des Medikamentes - die Messung des
Medikamenten-Talspiegels Die Empfindlichkeit
für ein Medikament kann sich durch Mutationen dramatisch verändern. So steigt
die IC50 für Nevirapine schon durch eine bestimmte Mutation um mehr als das
Zweihundertfache an. In gleicher Weise verkleinert sich der IQ. Bei
Medikamenten mit einer geringen genetischen Barriere, bei denen schon einzelne
Mutationen zu einem dramatischen Wirkungsverlust führen, kann man deshalb zu
sehr unterschiedlichen IQs gelangen - je nachdem ob man den Wildtyp oder eine
mutierte Virusvariante untersucht [1]. Viele
HIV-Medikamente liegen im Plasma überwiegend an Proteine gebunden vor. Nur der
freie ungebundene Teil ist aber für die Wirkung verantwortlich. Im Labor kann
aus technischen Gründen die Serumzusammensetzung des Patienten nicht simuliert
werden. Aus diesem Grund ist es notwendig, die in vitro ermittelte IC50-Konzentration
des Medikamentes jeweils um zu erwartende Proteinbindung im Blut zu korrigieren
[2]. Die IC5 im Blut kann also deutlich höher als die IC50 in vitro sein, da im
Blut ein größerer Teil der Substanz gebunden wird. Die Proteinzusammensetzung
der Assays, wie auch die Korrektur für die Proteinbindung differieren erheblich
und führen zu unterschiedlichen IQs. Eine weitere
Einflußgröße ist der Zeitpunkt der Messung des Talspiegels des Medikamentes im
Patienten. Offenbar gibt es deutliche tageszeitbedingte Schwankungen - so
können sich morgendliche und abendliche Plasmaspiegel deutlich unterscheiden
[2]. Eine
Standardisierung der IQ-Bestimmung erscheint somit dringend erforderlich. Ein
Vergleich der HIV-Medikamente auf der Basis der IQs ist bis dahin nur mit großer
Vorsicht zu interpretieren. Das Konzept des
Inhibitory Quotient ist aber für zukünftige Studien vorbehandelter Patienten
von großem Interesse. Daß es sich bei den IQs nicht nur um eine theoretische Überlegung handelt, konnte von
der Arbeitsgruppe um Dale Kempf bereits in zwei klinischen Studien gezeigt
werden. Kempf und Mitarbeiter untersuchten die Wirksamkeit von zwei
Proteaseinhibitoren (Indinavir, Lopinavir) mit unterschiedlichem Grad der
Proteinbindung an PI-vorbehandelten Patienten. In beiden Studien korrelierte
der individuelIe Inhibitory Quotient signifikant mit dem virologischen
Ansprechen [3]. [1] Wensing AMJ, La Porte
CJL, Burger DM., Boucher CAB. Inhibitory Quotient (IQ) as predictor of
virologic potency: prediction of IQ requires knowledge about quasispecies
distribution. Program and abstracts of the 2nd International
Workshop on Clinical Pharmacology of HIV Therapy; April 2-4, 2001; Nordwijk,
the Netherlands. Abstract 7.1 [2] La Porte CJL, Wensing AMJ, Boucher CAB, Burger
DM. Defining
Inhibitory Quotient (IQ) in antiretroviral therapy: The pharmacological point
of view. Program and abstracts of the 2nd International Workshop on
Clinical Pharmacology of HIV Therapy; April 2-4, 2001; Nordwijk, the
Netherlands. Abstract 7.2 [3] Kempf D, Hsu A, Isaacson
J, Jiang P, Brun S, Renz C, Granneman GR, Sun E. Evaluation of the Inhibitory
Quotient as a Pharmacodynamic Predictor of the Virologic Response to Protease
Inhibitor Therapy. Program and abstracts of the 2nd International
Workshop on Clinical Pharmacology of HIV Therapy; April 2-4, 2001; Nordwijk,
the Netherlands. Abstract 7.3 |
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