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USPHS/IDSA Richtlinien für die OI-Prophylaxe

Bonn, 13. September 1999 - Vor kurzem wurde eine Neufassung der "USPHS/IDSA Guidelines for the Prevention of Opportunistic Infections in Persons Infected with Human Immunodeficiency Virus" veröffentlicht (USPHS=U.S. Public Health Service; IDSA=Infectious Diseases Society of America). Diese Richtlinien sind bereits 1995 und 1997 veröffentlicht worden und berücksichtigen in der Neuauflage besonders die Erfolge der antiretroviralen Therapie.  Der komplette 51 Seiten lange Text findet sich unter http://www.cdc.gov/epo/mmwr/preview/mmwrhtml/rr4810a1.htm. Auch ausführliche Empfehlungen zur Prophylaxe bei HIV-infizierten Kindern oder zu Prophylaxen in der Schwangerschaft sind gegeben.

Hier sollen einige wesentliche Auszüge/Empfehlungen dargestellt werden:

1. Primärprophylaxe

Als Standard werden empfohlen

  • Pneumocystis carinii-Prophylaxe: Bei Helferzellen <200/µl mit Cotrimoxazol
  • Toxoplasmose-Prophylaxe: Bei Helferzellen <100/µl mit Cotrimoxazol
  • MAI-Prophylaxe: Bei Helferzellen <50/µl mit Azithromycin
  • Tuberkulose-Prophylaxe: Bei positivem Tine-Test oder Kontakt mit Tuberkulose-Patienten mit Isoniazid und Pyridoxin (Vit. B6)
Zusätzlich werden zur Primärprophylaxe empfohlen
  • Impfungen gegen Pneumokokken, Hepatitis B, Hepatitis A und Influenza
Können Primärprophylaxen bei Erfolg einer HAART abgesetzt werden? (Hierüber hat HIV.NET bereits mehrfach berichtet). Die Experten beantworten diese Frage für Pneumocystis carinii und MAI mit ja. Für die Toxoplasmose kann diese Frage nicht eindeutig beantwortet werden, da die untersuchten Patientenzahlen zu klein sind.

2. Sekundärprophylaxe nach stattgehabter Opportunistischer Infektion

Als Standard werden empfohlen

  • Pneumocystis carinii-Prophylaxe mit Cotrimoxazol
  • Toxoplasmose-Prophylaxe mit Sulfadiazin, Pyrimethamin und Leucovorin
  • MAI-Prophylaxe mit Clarithromycin und Ethambutol
  • CMV-Prophylaxe mit Ganciclovir (iv, oral oder Pellet)
  • Kryptokokkus-Prophylaxe mit Fluconazol
  • Histoplasma-Prophylaxe mit Itraconazol
  • Coccidioides-Prophylaxe mit Fluconazol
  • Salmonellen-Prophylaxe mit Ciprofloxacin (für einige Monate)
Bei Bedarf Sekundärprophylaxen gegen Herpes simplex (Aciclovir), Candida (Fluconazol).

Können Sekundärprophylaxen bei Erfolg einer HAART abgesetzt werden? Hier gibt es ausreichende Daten nur für die CMV-Retinitis: Ein Absetzen der Sekundärprophylaxe ist nach Meinung der Experten möglich, wenn die Helferzellen länger als 3-6 Monate über 100-150/µl sind, wenn die Viruslast dauerhaft unter der Nachweisgrenze ist, wenn das nicht betroffene Auge eine gute Sehfähigkeit hat, wenn die anatomische Lokalisation der Schäden am  betroffenen Auge berücksichtigt wird und schließlich wenn regelmäßige augenärztliche Kontrollen gewährleistet sind. Für alle anderen Sekundärprophylaxen wurden keine Empfehlungen ausgesprochen.

Anmerkung: Nicht alle Empfehlungen sind uneingeschränkt auf Europa übertragbar. Insbesondere die Empfehlung zur Primärprophylaxe der Tuberkulose dürfte in Europa zu Diskussionen führen: Vor dem Hintergrund steigender Erkrankungszahlen und zunehmender Resistenzen ist die Monotherapie mit Isoniazid zurückhaltend zu bewerten. Es ist zu bedenken, ob nicht durch die schnelle Resistenzbildung der Mykobakterien eher eine Verschlechterung der Situation erreicht wird!


 

 
     
 

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