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Nachrichten 1999
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Lipodystrophie

Bonn, der 10. März 1999 Die Langzeitnebenwirkungen von Proteaseinhibitoren mit Lipdystrophie, Hyperlipidämie und Insulinresistenz standen im letzten Jahr im Vordergrund der Diskussion. Es mehrten sich jedoch auch Fallberichte über das Auftreten dieser Nebenwirkungen unter Therapien ohne einen PI. Insbesondere die charakteristische Fettumverteilung, gekennzeichnet durch Zunahme des abdominellen und dorsozervikalen Fetts bei gleichzeitiger Abnahme des subkutanen Fetts der Extremitäten und im Gesicht, scheint ein Phänomen zu sein, das unabhängig von PI-Einnahme auftritt. In der aktuellen Ausgabe von AIDS berichten Gervasoni et al. (1 ) über die Fettumverteilung bei 306 Frauen an der Universität Mailand.

Über einen Zeitraum von 3 Monaten wurden 306 Frauen auf das Vorliegen einer Fettumverteilung untersucht. Die Diagnose wurde anhand der klinischen Untersuchung und mit dual-energy X-ray absorptiometry (DEXA) gesichert.

Bei 32 Frauen (10,6%) wurde eine Fettumverteilung diagnostiziert. Die Laborwerte der Frauen mit Fettumverteilung unterschieden sich nicht von den Frauen ohne eine solche (Cholesterin, Triglyzeride, Glukose, Cortisol, ACTH, GH, C-Peptid, Testosteron, u.a.); es lagen also keine Glukoseintoleranz oder Fettstoffwechselstörungen vor. 12 dieser Frauen hatten eine Kombinationstherapie ohne einen Proteaseinhibitor, 20 eine PI-enthaltende Kombination. Alle nahmen jedoch Lamivudin ein (Assoziation Lamivudin-Fettumverteilung statistisch signifikant, p=0,017).

Für Patienten, die Lamivudin einnahmen, war das Risiko für die Entwicklung einer Fettumverteilung bei zusätzlicher Einnahme eines PI um 1,8 erhöht. Ein weiterer Risikofaktor war eine langandauernde Einnahme der Kombinationstherapie (länger als 1000 Tage; OddsRatio 10,8). In einer stufenweisen logistischen Regression zur Identifizierung unabhängiger Risikofaktoren bei allen Patienten, die Lamivudin einnahmen, waren eine Therapiedauer von mehr als 1000 Tagen und eine Viruslast von mehr als 10000/ml zu Beginn der ART signifikant und unabhängig mit dem Risiko einer Fettumverteilung korreliert (nicht aber die Einnahme eines PI).

Die Autoren folgern, daß die beobachtete Fettumverteilung nicht mit Störungen des Fettstoffwechsels, des Glukosestoffwechsels oder anderen endokrinen Veränderungen einhergeht. Der hohe Anteil von Patientinnen mit Fettumverteilung ohne einen PI läßt auf einen PI-unabhängigen Mechanismus schließen.

Der HIV-NET Kommentar
Mit dieser Studie an einem relativ großen Kollektiv mehren sich die Hinweise, daß die Fettumverteilung unter ART möglicherweise kein PI-spezifisches Phänomen ist, sondern u.U. mit der antiviralen Aktivität der Substanzen zusammenhängt (siehe auch Miller et al. Lancet 1998, 351:871-875). Der pathophysiologische Mechanismus bleibt nach wie vor unklar. Ob die "fehlenden" Stoffwechselveränderungen in diesem ausschließlich weiblichen Kollektiv durch andere/fehlende endokrinologische oder metabolische Veränderungen zu erklären sind oder ob es sich um die gleichen Phänomene wie bei Männern in unterschiedlicher Ausprägung handelt, muß weiter untersucht werden.

Schwierig scheint derzeit auch noch die exakte Begriffsbestimmung der beobachteten Veränderungen: Begriffe wie Lipodystrophie und Fettumverteilung (fat redistribution) werden noch nicht einheitlich verwandt und erschweren die Beurteilung und Vergleichbarkeit verschiedener Untersuchungen.

Nichtsdestotrotz stellen die körperlichen Veränderungen oft eine große Belastung für die Patientinnen und Patienten dar und stellen sie und den behandlenden Arzt vor eine große Herausforderung.   

Literatur
1. Gervasoni C, Ridolfo AL, Trifiro G, et al. Redistribution of body fat in HIV-infected women undergoing combined antiretroviral therapy. AIDS 1999, 13:465-471.


 

 
     
 

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