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Wiederanstieg der Viruslast

Frankfurt, 15. Dezember 1998 - Die Senkung der Viruslast unter 20 Kopien/ml ist eine notwendige, aber möglicherweise nicht hinreichende Bedingung für eine langfristige Suppression der HIV-Replikation. Dies geht aus einer Untersuchung hervor, die jetzt in der Zeitschrift AIDS veröffenlicht wurde. [1]

Analysiert wird der Viruslastverlauf von 214 Patienten der Frankfurter Universitätsklinik, bei denen 16 Wochen nach Beginn einer Dreifachtherapie mit einem Proteaseinhibitor (initiale Viruslast median: 4.88 log10, CD4 median: 208/µl) die Viruslast auf Werte von unter 500 Kopien/ml gesenkt wurde. 40% der Patienten waren therapienaiv. Mit dem ultrasensitiven Roche-Assay wurde die Viruslast in monatlichen Abständen bestimmt und schließlich die Wahrscheinlichkeit berechnet, daß die Viruslast auf >500 Kopien/ml ansteigt (Abbildung 1). Woche 0 auf der X-Achse entspricht der 16. Woche nach Therapiebeginn. Die Patienten sind unterteilt in drei Gruppen mit unterschiedlicher Viruslast zum Zeitpunkt 0:

  1. 201-499
  2. 20-200
  3. <20

Abbildung 1
Wahrscheinlichkeit eines Viruslastrebounds auf >500 Kopien/ml in Abhängigkeit von der Viruslast 16 Wochen nach Therapiebeginn (= Woche 0 auf der X-Achse)

Wie aus Abbildung 1 hervorgeht, war in Gruppe 1 (Viruslast 201-499) die Wahrscheinlichkeit eines Wiederanstiegs der Viruslast deutlich höher als in den Gruppen 2 und 3. Dies bestätigt die Ergebnisse anderer Arbeitsgruppen (siehe auch die HIV.NET-Nachricht vom 16. Oktober) und begründet das Therapieziel "<20 Kopien". In den Gruppen 2 und 3 betrug die Wahrscheinlichkeit eines Viruslastanstiegs nach einem Jahr 30%.

Das Risiko eines Rebounds war in der vorliegenden Untersuchung unabhängig von der Behandlungsanamnese (naiv/vorbehandelt), der Anzahl der neu eingesetzten Medikamente in Woche -16 (minus 16), der Viruslast oder den CD4-Zellzahlen in Woche -16 oder CD4-Zellzahlen in Woche 0.

Kommentar der HIV.NET-Redaktion
Die Graphik demonstriert eine bisher noch nicht veröffentlichte Erkenntnis: Auch Patienten mit einer Viruslastsenkung auf Werte unter 20 Kopien/ml haben ein beträchtliches Risiko (30%!), noch während des ersten Therapiejahres mit der Viruslast auf > 500 Kopien/ml anzusteigen. Eine mögliche Erklärung ist eine unzureichende Compliance. Wenngleich die Autoren ausführen, daß "der klinische Eindruck [diese Erklärung] nicht unterstütze", ist doch bekannt, daß unabhängig von der Grunderkrankung und der Therapieform ein erheblicher Prozentsatz der Patienten nicht compliant ist.

In einer Untersuchung, die in der gleichen AIDS-Ausgabe veröffentlicht wird [2], berichtet eine Londoner Arbeitsgruppe über eine anonyme Fragebogenaktion mit 170 Patienten. Gefragt war nach der Compliance während des letzten Monats. 14.5% der Patienten gaben an, weniger als 80% der Medikamente eingenommen zu haben. Weitere 18.8% hatten mindestens 10% der Medikamente ausgelassen. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand zur Resistenzentwicklung bei unzureichender Suppression der HIV-Replikation würde man daher bei zahlreichen Patienten des Londoner Patientenkollektivs einen Wiederanstieg der Viruslast erwarten.

Literatur
1. Staszewski, S, Miller V, Sabin C, Berger A, Hill AM, Phillips AN. Rebound of HIV-1 viral load after suppression to very low levels. AIDS 1998; 12: 2360.

2. Walsh JC, Dalton M, Gazzard BG. Adherence to combination antiretroviral therapy assessed by anonymous patient self-report. AIDS 1998; 12: 2361-3.


 

 
     
 

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