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Geschlechtsunterschiede bei der Viruslast

Frankfurt, 19. November 1998 - Bei vergleichbarem Immunstatus haben Frauen möglicherweise eine niedrigere Viruslast als Männer. Dies geht aus einer Untersuchung von 527 drogenabhängigen Männern und Frauen hervor, die kürzlich im Lancet publiziert wurde [1]. Trotz der niedrigeren Viruslast der Frauen war die Progressionswahrscheinlichkeit zum Vollbild AIDS zwischen Männern und Frauen jedoch vergleichbar. Dies allerdings hieße, daß zum Beispiel eine Viruslast von 30.000 bei einer Frau eine schlechtere Prognose bedeutet als eine Viruslast von 30.000 bei einem Mann. Die Autoren folgern daher, daß die gängigen Empfehlungen, ab bestimmter Viruslastschwellenwerte eine antiretrovirale Behandlung zu beginnen, bei Frauen eventuell nach unten korrigiert werden müßten.

Untersucht wurden 527 Seren, die in den Jahren 1988 und 1989 anläßlich der Erstuntersuchung von drogenabhängigen Patienten für eine Kohortenstudie in Baltimore tiefgefroren worden waren. Bei identischem CD4-Medianwert (518 Zellen/µl) hatten die 421 männlichen Patienten eine mediane Viruslast von 8907 HIV-RNA-Kopien/ml, die 106 Patientinnen hingegen nur 3365 Kopien/ml. Eine Folgeuntersuchung in den Jahren 1992/1993 an einem kleineren Kollektiv ergab - bei deutlich höheren Viruslastwerten - vergleichbare Ergebnisse (196 Männer: 93130 Kopien/ml; 89 Frauen: 45416 Kopien/ml). Eine Kaplan-Meier-Untersuchung der Wahrscheinlichkeit der AIDS-freien Zeit ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Die Autoren diskutieren eine Reihe möglicher Gründe für die Tatsache, daß die Viruslast bei Frauen 38% bis 65% der Viruslast von Männern beträgt (unterschiedliche Dynamik der HIV-Epidemie bei Männern und Frauen; unterschiedlicher Drogengebraucht, hormonelle Faktoren), ohne letztlich aber eine zufriedenstellende Erklärung anzubieten.

Literatur
1. Farzadegan H, Hoover DR, Astemborski J, et al. Sex differences in HIV-1 viral load and progression to AIDS. Lancet 1998; 352: 1510-4.


 

 
     
 

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