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Neue CDC-Richtlinien für die Tuberkulosebehandlung bei Patienten mit HIV-Infektion

Frankfurt, 4. November 1998 - Die amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) haben neue Richtlinien für die Behandlung und die Prophylaxe der Tuberkulose bei HIV-infizierten Patienten veröffentlicht. [1] Zentraler Punkt der Richtlinien ist das Prozedere bei gleichzeitig notwendiger antiretroviraler Therapie. Entgegen früheren Empfehlungen braucht eine antiretrovirale Behandlung nicht abgesetzt zu werden, wenn

  • zur Behandlung der Tuberkulose Rifabutin statt Rifampicin eingesetzt wird,
  • auf einige antiretrovirale Medikamente verzichtet wird und
  • notwendige Dosisanpassungen vorgenommen werden.
Sowohl Rifampicin als auch Rifabutin interagieren mit dem Stoffwechsel von Protesaseinhibitoren (PI) und nicht-nukleosidischen Inhibitoren der reversen Transkriptase (NNRTIs). Beide Substanzen induzieren das Cytochrom CYP450-Enzymsystem in der Leber und führen damit zu einem schnelleren Abbau der antiretroviralen Medikamente. Die Folge wäre ein zu niedriger Wirkspiegel dieser Substanzen, eine ungenügende Suppression der HIV-Replikation und letztlich eine schnellere Selektion resistenter Virusstämme.

Bei Rifampicin ist die Enzyminduktion so stark, daß eine gleichzeitige Verabreichung mit PI und NNRTIs kontraindiziert ist. Bei Rifabutin kommt es zu deutlich geringeren Reduktionen der Plasmaspiegel von PI und NNRTIs, die zum Teil durch höhere Dosierungen ausgeglichen werden können.

Nach den vorliegenden Daten können Nelfinavir und Indinavir zusammen mit Rifabutin eingesetzt werden. Empfohlen wird eine höhere Dosierung von 3 x 1000 mg Nelfinavir (statt 3 x 750 mg) und 3 x 1200 mg Indinavir (statt 3 x 800 mg). Zu Saquinavir-Fortovase und Amprenavir liegen derzeit noch wenige Daten vor, doch scheint ein Einsatz möglich. Die tägliche Rifabutin-Dosis sollte auf 150 mg (statt 300 mg ) reduziert werden, wenn Rifabutin zusammen mit Nelfinavir, Indinavir oder Amprenavir eingesetzt wird. Zur Rifabutin-Dosierung bei gleichzeitiger Gabe von Saquinavir-Fortovase wurde keine Empfehlung gegeben. Einzelheiten zu den Interaktionen siehe in der nachfolgenden Tabelle (Tab. 4, Seite 13 des Originaltextes):

Tabelle 4:
Interaktionen zwischen
Protease-Inhibitoren und Rifampicin/Rifabutin


Von den NNRTI ist bei gleichzeitiger Gabe von Rifabutin der Einsatz von Delavirdin kontraindiziert. Efavirenz wird als wahrscheinlicher Kombinationspartner eingestuft, doch liegen auch hier noch ungenügende Daten vor. Möglicherweise müßte die Rifabutin-Dosierung auf 450 mg täglich (statt 300 mg) erhöht werden. Auch Nevirapin wird als möglicher Kombinationspartner ausgewiesen, wobei unklar ist, ob die beiden Medikamente in ihrer Dosis angepaßt werden müssen. Einzelheiten zu den Interaktionen siehe in der nachfolgenden Tabelle (Tab. 5, Seite 13 des Originaltextes):

Tabelle 5:
Interaktionen zwischen
NNRTIs
und Rifampicin/Rifabutin

Eine Zusammenfassung der Überlegungen zum Einsatz von Rifabutin mit PI und NNRTIs wird in der folgenden Tabelle gegeben:

Tabelle 6:
Der gemeinsame Einsatz von
Rifabutin einigen antiretroviralen Medikamenten

Rifabutin hat keine Interaktionen mit RTI wie AZT, 3TC, DDC, DDI, D4T.

Literatur
1. Centers for Disease Control. Prevention and Treatment of Tuberculosis Among Patients Infected with Human Immunodeficiency Virus: Principles of Therapy and Revised Recommendations. MMWR 1998; 47; RR-20.
Volltext (pdf-Format, 793 kByte)


 

 
     
 

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