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Ritonavir (Norvir®) bald nur noch als Saft erhältlich

Frankfurt, 25. August - Die Produktion von Ritonavir-Kapseln ist wegen Qualitätsproblemen zwischenzeitlich eingestellt. Ende Juni war bei Routine-Kontrollen entdeckt worden, daß das Medikament in den Kapseln kristallisiert. Die Kristalle haben eine geringere Löslichkeit, was zu einer geringeren Aufnahme des Medikamentes in den Blutkreislauf führen könnte. Eine abgeschwächte antiretrovirale Wirkung und die schnellere Ausbildung von resistenten HIV-Stämmen wären die Folge.

Es ist derzeit unklar, wann die Produktion der Kapseln wieder aufgenommen wird. Wenn die Vorräte der Ritonavir-Kapseln erschöpft sind, kommen in Frage:

  1. eine Umstellung auf Ritonavir-Saft
  2. eine Umstellung der antiretroviralen Therapie
Die Umstellung auf Ritonavir-Saft ist, vor allem wenn unter der Therapie eine zufriedenstellende Reduktion der Viruslast erreicht wurde, die einfachste Lösung. Das Problem: Ritonavir-Saft schmeckt sehr schlecht und wird daher von vielen Patienten abgelehnt werden. Mögliche Lösungen:
  • Vor und nach der Medikation einen Löffel Schokoladensirup (Wirkprinzip: Zunge und Mundhöhle mit einem schützenden Film auskleiden)
  • Salzstangen u.a. (den bittern Geschmack "überspielen")
  • Eiswürfel (die Geschmackspapillen betäuben)
  • den Saft mit Strohhalm trinken (direkte Einführung in den hinteren Rachenbereich)
Patienten, die versuchen, auf Ritonavir-Saft umzusteigen, müssen über die exakten Einnahmemodalitäten informiert werden (1 Milliliter entspricht 80 mg, 7.5 ml also 600 mg und 5 ml entsprechen 400 mg; Saft nicht im Kühlschrank aufbewahren; vor Gebrauch gut schütteln!). Bei Unverträglichkeit darf der Patient die Dosis weder reduzieren noch auslassen (CAVE: Resistenzbildung), sondern muß sofort Rücksprache mit den behandelnden Ärzten zwecks Therapieumstellung halten.

Falls eine Umstellung der Therapie notwendig wird, wird nach den allgemein gültigen Prinzipien der antiretroviralen Therapie verfahren. Wenn Ritonavir der einzige Protease-Inhibitor einer antiretroviralen Kombination ist, mit der eine ausreichende Senkung der Viruslast erzielt wurde, kann vermutlich auf einen anderen Protease-Inhibitor umgestellt werden, je nach Vorgeschichte und Entwicklung der Viruslast in den letzten Monaten kombiniert mit einem Umsetzen auch der anderen Kombinationspartner. Ob auch eine Umstellung auf eine Kombination ohne Protease-Inhibitoren möglich ist, muß im Einzelfall entschieden werden. Efavirenz und Abacavir, die nun zum Teil zur Verfügung stehen, haben die diesbezüglichen Optionen erweitert.

Als Alternative zu Ritonavir + Saquinavir (mit oder ohne andere antiretrovirale Medikamente), kommen theoretisch auch andere Doppel-PI-Kombinationen. Zu Nelfinavir + Saquinavir + RTI's wurden in Genf interessante 48-Daten aus einem großen Patientenkollektiv vorgestellt. Die Kombination Nelfinavir + Indinavir hingegen wurde bisher bei nur wenigen Patienten geprüft, wenngleich sie vielversprechend erscheint.

Eine Umstellung der ART sollte - wie immer - von Ärzten überwacht werden, die langjährige Erfahrung mit der Therapie der HIV-Infektion haben.


 

 
     
 

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