Nachrichten 1998
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Abacavir: der neue RTI für 1998
Frankfurt,
3. März -
Eine HIV-Therapie mit 2 x 2 Tabletten/die für den antiretroviral nicht vorbehandelten Patienten?.. schon
bald mögliche therapeutische Alternative zu Proteaseinhibitor-Kombinationen oder unerreichbare
Compliance-Utopie? Schlomo Staszewski von der Frankfurter Universitätsklinik stellte auf dem letzten
Chicago-Kongreß die 48-Wochen-Daten einer Kombinationsstudie mit
Abacavir, einem neuen reverse-Transkriptase-Inhibitor, und AZT und 3TC vor (Abstract 658).
60 Patienten erhielten zunächst nur Abacavir (Abkürzung: ABC; frühere Bezeichnung: 1592U89)
in unterschiedlichen Dosierungen und erst später zusätzlich AZT+3TC, und zwar
- spätestens ab der 24. Studienwoche
oder wenn vor der 24. Studienwoche
- nach 4 Wochen der Virusload-Abfall geringer als 0.7 log war,
- der Virusload in Woche 12, 16 oder 20 größer als 5000 Kopien/ml war,
- eine AIDS-definierende Erkrankung aufgetreten war.
55 Patienten setzten die Studie über die 24. Studienwoche hinaus fort. 48 Wochen nach Studienbeginn
wurden 46 Patienten weiterhin mit der AZT/3TC/ABC-Kombination behandelt. 65% hatten einen Virusload <400
Kopien/ml, 40% <50 Kopien/ml.
Von Abacavir werden täglich morgens und abends eine Tablette à 300 mg eingenommen. AZT/3TC ist
unter dem Handelsnamen Combivir® erhältlich (eine Tablette enthält 300 mg AZT und 150 mg 3TC)
und wird ebenfalls morgens und abends mit jeweils einer Tablette eingenommen.
In der eingangs beschriebenen Studie wurden folgende Nebenwirkungen beschrieben:
| n=55 |
| Übelkeit / Erbrechen | 19 (34.5%) |
| Unwohlsein / Abgeschlagenheit | 11 (20%) |
| Kopfschmerzen | 9 (16.3%) |
| Diarrhoe | 9 (16.3%) |
| Schlafstörungen | 6 (10.9%) |
| Gastrointestinale Beschwerden / Schmerzen | 7 (12.7%) |
Bei 5% der Patienten trat bisher ein sogenanntes Abacavir-Überempfindlichkeitssyndrom
mit
- Übelkeit
- Erbrechen
- Fieber
- evtl. Hautausschlag
- evtl. Transaminasenerhöhungen
- evtl.CPK-Erhöhungen
zwischen einer und 4 Wochen nach Therapiebeginn auf (median: 9 Tage; Bereich: 3 bis 42 Tage). Abacavir
muß in diesen Fällen SOFORT abgesetzt werden. Die Beschwerden sind daraufhin
innerhalb von einem bis zwei Tagen rückläufig. AUF KEINEN FALL darf nach einem
solchen Vorfall Abacavir noch einmal verabreicht werden, weil eine lebensbedrohliche
Reaktion innerhalb von einer bis zwei Stunden auftreten kann.
Fazit:
Abacavir ist ein vielversprechendes Medikament, das vermutlich noch in diesem Jahr in den USA zugelassen wird
und damit auch für Patienten in Deutschland zur Verfügung steht. Für nicht vorbehandelte
Patienten in frühen Stadien der HIV-Infektion könnte die Kombination von Abacavir mit anderen
Inhibitoren der reversen Transkriptase als First-Line-Therapie eventuell eine Alternative zu
Kombinationsschemata mit Proteaseinhibitoren sein. Die Vorstellung einer HIV-Therapie mit morgens und abends
je 2 Tabletten ist zweifellos verlockend, doch muß der exakte Stellenwert von Abacavir im klinischen
Alltag noch definiert werden.
Ärzte und Patienten müssen die Zeichen des Überempfindlichkeitssyndroms kennen, um bei dessen
Auftreten Abacavir unverzüglich abzusetzen.
Abstract 4
Antiretroviral Effects Of Therapy Combining Abacavir (1592)With HIV Protease Inhibitors (PIs).
Abstract 632
1592U89 as a Component of 2- and 3- drug Regimens Against Zidovudine-sensitive and Zidovudine resistant HIV
Isolates in Vitro
Abstract 658
Preliminary Long-Term Open-Label Data From Patients Using Abacavir (1592) Containing, Antiretroviral
Treatment Regimens
Abstract 659
Antiviral Effects Of Abacavir (1592) Following 36 Weeks Of Therapy
Abstract 686
Phenotypic Sensitivity to 1592 (abacavir) in the Presence of Multiple Genotypic Mutations: Correlation with
Viral Load Response
Abstract 687
Susceptibility of Clinical HIV-1 Isolates to 1592U89