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CROI 2003 zur Übersicht CROI 2003
Genchips und Superinfektionen
von Andrea Rubbert
Bringen Genchips wirklich neue Erkenntnisse ?
Genchips haben auch die Welt der HIV-Forschung erobert. Genchips oder
sogenannte
Micro-Array-Analysen basieren darauf, daß von einer interessierenden Zellpopulation (z.b.
CD8+ T-Zellen von HIV-infizierten bzw. HIV-negativen Probanden) RNA isoliert wird und
diese auf Genchips, auf denen sich (je nach Anbieter) mehr als 2000 cDNAs befinden, hybridisieren
können. Dabei werden häufig, um eine Beurteilung zu erleichtern, die analysierten Gene
nach Funktionsgruppen (z.B. Aktivierung, Apoptose etc) zusammengefaßt. Im Vergleich zu z.B.
einer gesunden Kontrollgruppe kann untersucht werden, ob Gene oder Gengruppen über- oder
unterexprimiert werden oder aber nicht verändert sind.
Brigitte Autran setzt diese Methode ein, um CD8+ T-Zellen von
HIV-infizierten
Patienten in verschiedenen Stadien mit den CD8+ T-Zellen gesunder Probanden zu
vergleichen. Dabei verwendet sie einen speziellen DNA-Chip für Lymphozyten, der 2500 Gene
analysiert. Ihre Arbeitsgruppe stellte fest, daß in CD8+ T-Zellen von HIV-Patienten
mit fortgeschrittener Erkrankung Gene für die Expression von Perforin heraufreguliert sind,
hingegen die Expression des IL-7 Rezeptors herunterreguliert ist (Abstract #34
). Die
Expression von Perforin steigt bei unbehandelten HIV-Patienten mit zunehmender Viruslast und
abnehmender CD4-Zellzahl an. Diese Ergebnisse konnte Autran unter Einsatz einer konventionellen
RT-PCR und FACS-Analysen bestätigen, wobei man sich fragt, welchen Informationsgewinn die
Chipanalyse denn nun wirklich gebracht hat. Alles in allem also ein eher enttäuschender Beitrag
der sonst als sehr innovativ und gut bekannten französischen Arbeitsgruppe.
Anthony Fauci von N.I.H. berichtete von den Untersuchungen seiner Arbeitsgruppe
an Zellen
virämischer und avirämischer HIV infizierter Patienten (Abstract #119). Unter
Verwendung der Microarray Technik (AffymetrixR) können bis zu 12.600 Gene untersucht
werden. Das genetische Profil von B-Zellen dieser Patienten unterscheidet sich deutlich: B-Zellen,
gewonnen von virämischen Patienten, zeigen eine Hochregulation von Interferon induzierbaren
Genen sowie von Genen, die die terminale B-Zelldifferenzierung und die Apoptose steuern. Hingegen
sind Gene, die die Heat Shock Proteine (hsp) kodieren, herunterreguliert. Hsp-Proteine spielen eine
Rolle bei der Regulation der Zellaktivierung und können als "Gegenspieler" bei der
Aktivierung von NfkB angesehen werden. Eine ähnliche Analyse erfolgte an ruhenden
CD4+ T-Zellen: Dabei zeigte sich, daß ruhende CD4+ T-Zellen zumindest
bei virämischen Patienten nicht wirklich "ruhend" sind, zeigen sie doch eine
Heraufregulierung von nahezu 500 Genen. Dazu gehören Gene, die die Übertragung von DNA in
RNA (Transkription) beeinflussen, die Verarbeitung und Modulierung der RNA regeln sowie den
intrazellulären Transport von Proteinen und Vesikeln bestimmen. Diese Beiträge können
als Beispiel dafür angesehen werden, daß neue Technologien zwar zunehmend auch im Bereich
der HIV-Forschung angewendet werden, aber genausoviele Fragen wie Antworten sich daraus ergeben
können.
Von CTL, Superinfektionen und Koinfektionen mit anderen HIV-Isolaten
Einige Beiträge auf dem Kongress beschäftigten sich mit der
Bedeutung von
Superinfektionen und Koinfektionen mit verschiedenen HIV-Isolaten. Von einer Koinfektion mit einem
zweiten HIV-Isolat spricht man dann, wenn der Infektionszeitpunkt zeitnah/zeitgleich zur
Erstinfektion anzunehmen ist. Von einer Superinfektion geht man dann aus, wenn im Verlauf einer
bereits etablierten HIV-Infektion eine Zweitinfektion mit einem anderen HIV-Isolat festzustellen
ist.
Eine Arbeitsgruppe aus Kanada (Abstract #485)
untersuchte eine Kohorte
von HIV-Patienten,
die je nach ihrem Sexualverhalten bzw. intravenösen Drogengebrauches in eine sogenannte
Niedrigrisiko- und eine Hochrisikogruppe unterteilt wurden. Eine Superinfektion mit einem zweiten
HIV-Isolat (überwiegend Subtyp B) war bei 6/13 Patienten (46 %) der Hochrisikogruppe, jedoch
bei keinem Patienten der Niedrigrisikogruppe festzustellen und trat unabhängig von Alter,
Geschlecht oder antiretroviraler Therapie auf.
Eine andere Arbeitsgruppe (Abstract #506
) hat 20 HIV diskordante Paare
über einen
Zeitraum von drei Jahren verfolgt. Alle Paare hatten ungeschützten Verkehr zumindest zeitweilig
gehabt und erhielten eine ausführliche "Safer Sex"-Beratung. Bei allen
HIV-exponierten, aber nicht infizierten Partnern konnten HIV-spezifische CTL zu mindestens einem
Zeitpunkt nachgewiesen werden. In einem Fall war im Verlauf die HIV-Serokonversion eines zuvor
HIV-negativen Partners nachzuweisen. Dieser zeigte eine ausgeprägte CTL-Antwort gegen nef und
gag. Eine ausführliche Sequenzanalyse zwischen Donor und Empfängervirus zeigte
außerdem, daß es sich beim Empfänger nicht um eine Escape-Virusmutante handelte. Zu
berichten ist außerdem, daß Donor und Empfänger einen gemeinsamen HLA B8 Genotyp
hatten und der weitere Verlauf der HIV Infektion beim Empfänger rasch progredient war. Auch in
diesem Fall (ähnlich wie beim Walker Fall, der in Barcelona vorgestellt worden war) waren
HIV-spezifische CTL festzustellen, die jedoch die Neuinfektion nicht verhindern konnten.
Gottlieb und Mitarbeiter (Abstract #126)
berichtet von einer Kohorte von
47
Prostituierten, die auf das Vorhandensein einer Koinfektion mit einem zweiten HIV-Isolat untersucht
wurde. Dabei konnten vier Patienten identifiziert werden, bei denen die erste verfügbare
Plasmaprobe innerhalb von 3 Monaten nach Serokonversion sequenzanalytisch den Nachweis von zwei
unterschiedlichen HIV-Isolaten zeigte. Dabei handelte es sich dreimal um Subtyp B und beim vierten
Patienten um einen Subtyp C. Alle vier Patienten zeigten einen rasch progressiven Verlauf der HIV
Infektion bis hin zum Vollbild AIDS. Diese Daten sind die ersten validen Daten zum Verlauf einer
Koinfektion mit einem zweiten HIV-Isolat - sie legen nahe, daß eine derartige Koinfektion mit
einem deutlich schlechteren Verlauf assoziiert ist.
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Wichtiger Hinweis für die Leser
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