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CROI 2003 zur Übersicht CROI 2003
Tat Toxoid: Eine neue Therapiemöglichkeit der HIV- Infektion ?
Ein Bericht von der CROI 2003, Teil 3
von Andrea Rubbert
Das tat Protein ist ein regulatorisches Protein von HIV und spielt eine wichtige Rolle bei der HIV
Replikation. Tat wird von infizierten Zellen freigesetzt und kann als virales Toxin die
Virusreplikation in anderen infizierten Zellen stimulieren und nichtinfizierte Zellen aktivieren,
was diese wiederum empfänglicher macht für eine Infektion. Tat kann immunsuppressiv sein
und spielt außerdem eine Rolle bei der Apoptose von T-Zellen und bei der Zytokindysregulation.
Sowohl im Tiermodell wie auch beim Menschen haben frühere Untersuchungen gezeigt, daß die
Anwesenheit von tat-Antikörpern mit einem günstigeren Verlauf der HIV Infektion assoziiert
ist. Da tat selber toxische Effekte hat, wurde zunächst im Tiermodell ein inaktiviertes aber
weiterhin immunogenes tat-Toxoid eingesetzt, um neutralisierende tat-Antikörper zu induzieren.
Der Einsatz dieser tat-Toxoid-Vakzine wurde von mehreren Arbeitsgruppen im Makakkenmodell als
erfolgreich bewertet, dazu gehörten Publikation der Gruppen um Barbara Ensoli [1] oder Robert
Gallo [2]. Frühere Phase I/II Studien an HIV-infizierten Patienten hatten gezeigt, daß
die Induktion von tat-Antikörpern mit einem tendenziellen Anstieg der CD4-Zellzahlen und Abfall
der Viruslast assoziiert war. Die Antikörper wurden dabei insgesamt gut vertragen.
Auf der diesjährigen CROI wurde nun eine erste Phase II Studie vorgestellt (Abstract #644), bei
der 24 HIV-infizierte Patienten mit einer CD4-Zellzahl von > 300/µl und einer nicht
nachweisbaren Viruslast (< 50 Kopien/ml) unter einer seit mehr als 3 Monaten stabilen HAART mit
dem tat-Toxoid in einer Dosis von 100mg in der Woche 0, 2, 4, 6 und 12 behandelt wurden. Milde
Allgemeinsymptome wie Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, leichtes Fieber oder eine Rötung an der
Einstichstelle waren bei nahezu 70 % der Patienten zu verzeichnen. 18 von 24 Patienten entwickelten
Antikörper gegen tat und einen positiven Hauttest nach intrakutaner Gabe von tat. Bei 6 von 24
Patienten war außerdem eine in vitro feststellbare Proliferation nach Stimulation gegen tat zu
verzeichnen.
Die bisherigen Immunisierungsstudien mit tat sind aus verschiedenen Gründen häufig sehr
kritisch diskutiert worden. Es sind daher sicher weitere Studien notwendig, um entscheiden zu
können, ob dieser Ansatz im Hinblick auf eine therapeutische oder sogar präventive Vakzine
wirklich weiterführen wird.
[1] Cafaro A, Caputo A, Fracasso C, et al. Control of SHIV-89.6P-infection of cynomolgus monkeys
by HIV-1 Tat protein vaccine. Nat Med 1999, 5:643-50.
[2] Pauza CD, Trivedi P, Wallace M, et al. Vaccination with tat toxoid attenuates disease in
simian/HIV-challenged macaques. Proc Natl Acad Sci U S A 2000, 97:3515-9.
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