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HIV-Literatur Die wissenschaftlichen Publikationen der Woche 1. HIV/AIDS 2. ART HIV.NET 2008 812 Seiten, PDF, 5 MB Download HIV-Therapie Medikamente Klinik Mailing-Liste Nachrichten
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>>> 1995-2008: Die HIV.NET-Geschichte
HIV und Rheumatische Erkrankungen
HIV-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für muskuloskeletale Erkrankungen. Die geschätzte Rate an
muskuloskeletalen Komplikationen unterliegt einer großen Variationsbreite (Buskila 1990Munoz 1991l).
In der "HAART-Ära" gingen die rheumatischen Beschwerden zwar signifikant zurück, sind jedoch
weiterhin prävalent und zum Teil auch qualitativ neuartig (Calabrese 2005). Das klinische Spektrum
umfasst artikuläre, muskuläre und ossäre Symptome, metabolische Komplikationen und entzündliche
Multisystemerkrankungen.
Download (PDF, 16. Auflage, 812 Seiten, 5.2 MB)
Arthralgien
Über Gelenkbeschwerden als Teilsymptomatik der akuten HIV-Infektion wird an anderer Stelle berichtet
(Hecht 2002). Arthralgien sind auch bei HIV-infizierten Personen ein häufiges Symptom mit einer
breiten Differentialdiagnose. Die Prävalenz von Arthralgien lag in prospektiven Studien bei 5 %, in
retrospektiven Analysen bei 45 % (Buskila 1990Munoz 1991l). Meistens sind Knie-, Schulter- und
Ellenbogengelenke betroffen. Erwähnenswert ist ein HIV-spezifisches, sehr seltenes und sehr
schmerzhaftes Gelenksyndrom, das intermittierend auftritt und nur von kurzer Dauer ist (wenige
Stunden). Neben fachärztlicher Differentialdiagnostik sind Opiate erforderlich (Pouchot 1992).
Arthritis
Reiter Syndrom
Die Prävalenz einer reaktiven Arthritis ist mit bis zu 10 % sowohl in pädiatrischen als auch in
adulten HIV-Kohorten erhöht. Die meisten Patienten leiden unter einer asymmetrischen Oligoarthritis.
Sehr häufig finden sich Sehnenansatzbeschwerden, eine Sakroileitis kann auftreten. Unter den
extraartikulären Manifestationen sind die Konjunktivitis, die Balanitis circinata, die Urethritis
und das Keratoderma blennorrhagicum häufig. HLA B27 findet sich beim HIV-assoziierten Reiter-Syndrom
ähnlich häufig wie bei nicht HIV-infizierten Patienten. Das Krankheitsbild kann sich unter ART
dramatisch bessern (McGonagle 2001); Sulfasalazin und anti-TNF-alpha Medikamente wurden ebenfalls
erfolgreich verwendet (Gaylis 2003).
HIV-assoziierte Arthritis
Die Ätiologie von Arthritiden bei HIV-Patienten ist vielfältig. Eine Arthritis ohne
Reiter-Symptomatik im Sinne von Sehnenansatzbeschwerden (Enthesopathie), mukokutaner Beteiligung
oder HLA-B27-Positivität kann zu jedem Zeitpunkt der chronischen HIV-Infektion auftreten. Diese
HIV-assoziierte Arthritis manifestiert sich überwiegend als Oligoarthritis der unteren Extremitäten
(Mody 2003). Bisher wurde nur ein einziges Mal von der Isolierung von HIV aus der
Synovialflüssigkeit berichtet (Withrington 1987). Die HIV-assoziierte Arthritis ist meist
selbstlimitierend.
Psoriasis und psoriatische Arthritis
Die Inzidenz der Psoriasisarthritis liegt bei HIV-Patienten bei ca. 2 % (Mody 2003). Nicht selten
korreliert die Schwere der Psoriasis mit dem Immunstatus. Die ART verbessert die HIV-assoziierte
Psoriasis; umgekehrt kann die Psoriasis bei fortgeschrittener HIV-Infektion generalisieren und sehr
schwierig zu therapieren sein. Bei einigen HIV-Patienten mit Psoriasis wurden erfolgreich
anti-TNF-alpha-Medikamente angewendet (Linardaki 2007).
Septische Arthritis
Obgleich die Immundefizienz ein Risikofaktor für septische Komplikationen im muskuloskeletalen
System ist, werden muskuloskeletale Infektionen relativ selten bei HIV-Patienten beobachtet. In zwei
großen Kohorten wurden unter 3.000 bzw. 4.000 Patienten nur 14 bzw. 30 Fälle muskuloskeletaler
Infektionen registriert (Ventura 1997, Vassilopoulos 1997). Es scheint eine Assoziation der
septischen Arthritis mit intravenösem Drogenkonsum, nicht aber mit der CD4-Zellzahl zu geben
(Ventura 1997p).
Die septische Arthritis befällt typischerweise die großen, das Körpergewicht tragenden Gelenke der
unteren Extremitäten junger Männer (Ventura 1997p). Eiterorganismen überwiegen bei CD4-Zellzahlen
über 250/µl, während opportunistische Erreger bei CD4-Zellzahlen unter 100/µl beobachtet werden
(Ventura 1997p). Auch septische Tenosynovitiden und Bursitiden sind beschrieben. Nach Initiierung
einer ART können im Rahmen eines Immunrekonstitutionssyndroms latente Infektionen mit zum Beispiel
Mykobakterien symptomatisch werden.
Gelenkbeschwerden durch die antiretrovirale Therapie
Arthralgien, Monarthritis, Oligoarthritis und adhäsive Kapsulitis sind spezifisch mit der Einnahme
von Indinavir assoziiert (Brooks 2000c). Anders als im Urogenital-Trakt wurden in der
Synovial-Flüssigkeit allerdings keine Indinavir-Kristalle entdeckt (Brooks 2000c). Eine prospektive
Erhebung lässt jedoch vermuten, dass Gelenkschmerz auch bei anderen PIs wie Ritonavir und Saquinavir
auftreten kann (Florence 2002).
Gicht
Eine Hyperurikämie wurde bei bis zu 42 % der HIV-infizierten Patienten beobachtet. Die jährliche
Inzidenz der Gicht liegt bei 0,5 % und damit höher als in der Normalpopulation (Creighton 2005). Die
erhöhte Rate an Hyperurikämien ist einerseits eine mögliche Folge eines erhöhten Zellumsatzes bei
ungebremster Virusreplikation, andererseits werden die Serum-Uratspiegel auch durch antiretrovirale
Medikamente beeinflusst (Walker 2006q). DDI zum Beispiel verursacht eine Hyperurikämie. In einer
eigenen multivariaten Kohortenanalyse waren erhöhte Harnsäurespiegel nicht nur mit bekannten
Risikofaktoren assoziiert, sondern auch mit der Einnahme bestimmter antiretroviraler Medikamente,
insbesondere mit D4T und DDI (Walker 2006q). Die Urat-Erhöhung könnte somit aus der mitochondrialen
Toxizität dieser Medikamente resultieren. Die Hemmung der mitochondrialen Atmungskette führt nämlich
zu einer gesteigerten Bildung von Laktat, welches wiederum die Resorption von Harnsäure im
Nierentubulus fördert. Eine aus der mitochondrialen Fehlfunktion resultierende ATP-Depletion
begünstigt zudem die endogene Urat-Produktion im Purin-Nukleotid-Zyklus.
Myopathie
Muskuläre Beschwerden können bei HIV-Patienten sehr vielfältiger Natur sein (siehe auch Kapitel
Neuromuskuläre Erkrankungen, Seite 667). Eine akute Rhabdomyolyse ist die schwerwiegendste
Komplikation, das Spektrum beinhaltet aber auch polymyositische Manifestationen, die
Dermatomyositis, die Einschlusskörperchen-Myositis, die Stäbchenkörpermyopathie, das
Wasting-Syndrom, bakterielle Infektionen im Sinne der Pyomyositis und die AZT-Myopathie als
Nebenwirkung.
Eine Rhabdomyolyse ist einerseits eine Komplikation der primären HIV-Infektion (Chariot 1994), kann
andererseits aber auch Folge von Sekundärinfektionen oder auch ART-Nebenwirkung sein. Eine
Rhabdomyolyse wurde im Rahmen einer Hypersensitivitätsreaktion auf Abacavir beobachtet (Fontaine
2005). Auch PIs interagieren mit einigen Statinen und können so eine Rhabdomyolyse triggern.
Eine Makro-CK wird bei bis zu 50 % der mit Tenofovir behandelten Patienten beobachtet. An das
Vorliegen einer Makro-CK sollte gedacht werden, wenn die Aktivität des CK-MB-Isoenzyms im Vergleich
zur CK-Gesamtaktivität überproportional erhöht ist. Die Makro-CK ist ohne Krankheitswert und nicht
Ausdruck einer Skelettmuskelerkrankung oder Kardiomyopathie.
Früher war die AZT-Myopathie die wahrscheinlich häufigste Muskelkomplikation. AZT interferiert mit
der Replikation mitochondrialer DNS und somit mit der Energiebereitstellung durch oxidative
Phosphorylierung an der mitochondrialen Atmungskette (Dalakas 1990). Die Myopathie ist
wahrscheinlich AZT-spezifisch, eine Beeinträchtigung der Skelettmuskulatur durch andere NRTI ist
nicht bewiesen. Die unter AZT auftretende Muskelschwäche manifestiert sich sowohl unter dynamischer
als auch statischer Belastung. Die Serum-CK ist meist normal oder nur minimal erhöht. Erst in der
Muskelhistologie wird eine hohe Proportion an so genannten "Ragged-red fibres" in der
Gomori-Trichrom-Färbung evident. Histochemisch und elektronenmikroskopisch werden gehäuft Cytochrom
c-Oxidase negative Fasern und Mitochondrien mit abnormaler Ultrastruktur gefunden. Die AZT-Myopathie
bildet sich nach einer Medikamentenpause innerhalb einiger Monate zurück.
Die HIV-assoziierte Polymyositis kann in jedem Stadium der Infektion auftreten (Johnson 2003h). In
einer prospektiven Studie wurden ART-naive Patienten mit dem klinischen Verdacht auf eine Myopathie
oder einer erhöhten Serum-CK muskelbiopsiert: bei einem Drittel fand sich eine Infiltration der
Skelettmuskulatur mit Entzündungszellen. Typischerweise werden CD8-T-Lymphozyten beobachtet. In den
endomysialen Lymphozyten wurden virales Antigen und Nukleinsäuren nachgewiesen. Die HIV-assoziierte
Polymyositis ist weder klinisch noch histologisch von der idiopathischen Polymyositis zu
unterscheiden. Im Vergleich zur idiopathischen Polymyositis hat sie aber meist einen günstigeren
Verlauf, da sie gut auf immunsuppressive Therapie anspricht und sogar spontan ausheilen kann
(Johnson 2003h). Mehr als die Hälfte der Betroffenen haben zugleich ein sogenanntes "Diffuses
infiltratives Lymphozyten-Syndom" (DILS, siehe unten) (Johnson 2003h).
Die Dermatomyositis und die Einschlusskörperchenmyositis wurden bei HIV-Patienten nur selten
beobachtet. Bei der Einschlusskörperchenmyositis scheinen HIV-spezifische CD8-T-Zellen auf noch
nicht näher definierte Antigene an der Muskelfaseroberfläche zu reagieren (Dalakas 2007d).
Die Stäbchenkörpermyopathie (Nemaline Rod Myopathie) ist ebenfalls selten (Dalakas 1987). Die
Patienten entwickeln eine progressive schmerzlose Muskelschwäche mit Muskelschwund und erhöhter
Serum-CK. Die Muskelbiopsie zeigt atrophische Typ I-Fasern mit zahlreichen intrazytoplasmatischen
"Stäbchen". Nekrotische Fasern und entzündliche Infiltrate sind dagegen keine Charakteristika. Trotz
fehlender Entzündungszeichen kann die Muskelerkrankung auf Prednison ansprechen, was eine
Immunpathogenese suggeriert.
Im Rahmen des Wasting-Syndroms findet sich oft eine schwere Muskelatrophie (Campa 2005). Durch ART
ist das Wasting-Syndrom selten geworden. Die Muskelbiopsie zeigt eine diffuse, oder eine vorwiegende
die Typ II Fasern betreffende Muskelfaseratrophie, Filamentuntergänge, oder eine milde neurogene
Myopathie. Ein entzündliches Infiltrat ist untypisch.
Die Pyomyositis ist mikrobieller Natur und betrifft in erster Linie Männer mit niedriger
CD4+Zellzahl (Patel 1997m). Staphylococcus aureus ist der häufigste Erreger, aber diverse Organismen
wurden ebenfalls isoliert (Patel 1997m).
Komplikationen am Knochen
Osteonekrose
HIV-infizierte Patienten haben im Vergleich zur Normalbevölkerung ein 100-fach erhöhtes Risiko einer
Osteonekrose. Mittels MRT-Untersuchungen wurde eine Osteonekrose bei 4,4 % der HIV-Patienten
gesichert (Miller 2002j). Am Femurkopf beträgt die jährliche Inzidenz asymptomatischer und
symptomatischer Osteonekrose 0,7 bzw. 0,3 % (Morse 2007k). Die häufig bilateral auftretende
Hüftkopfnekrose verläuft somit oft asymptomatisch, dürfte aber auch mit Nekrosen anderer Knochen
assoziiert sein. 11 % der initial asymptomatischen Patienten benötigen im Verlauf einen
Hüftgelenksersatz (Morse 2007k). Als Risikofaktoren wurden chronische Entzündungen,
Kortikosteroidbehandlung bei Immunrekonstitution und das Vorhandensein von Anti-Cardiolipin
Autoantikörpern identifiziert. Diese Risikofaktoren wurden jedoch nicht in allen Studien bestätigt
(Miller 2002j)(Morse 2007k). Auch die zuerst beschriebene Assoziation von Osteonekrose mit PIs und
der durch sie induzierten Hypertriglyceridämie wurde in Folgestudien nicht verifiziert (Miller
2002j).
Knochendemineralisierung
Osteopenie und Osteoporose sind bei HIV-infizierten Patienten häufig. Der Verlust von
Knochenmineralien ist multifaktoriellen Ursprungs - HIV-vermittelte Prozesse im Immunsystem und
Zytokine tragen dazu bei (Dolan 2006e). Die in einigen Querschnittstudien vermutete Assoziation von
Osteoporose und PI-Behandlung wurde in späteren prospektiven Studien nicht gefunden (Dolan 2006e).
Auch bei HIV-Patienten führen Bisphosphonate zu einer Erhöhung der Knochendichte. Es ist nicht
bekannt, ob die HIV-assoziierte Osteopenie tatsächlich das Frakturrisiko erhöht (Arnsten 2007).
Ferner ist unklar, ob die präventive Gabe von Bisphosphonaten auch bei HIV-Patienten Frakturen
verhindern kann.
Osteomyelitis
Knocheninfektionen scheinen im Vergleich zu Gelenkinfektionen bei niedrigeren CD4-Zellzahlen
aufzutreten. Staphylococcus aureus ist zwar der häufigste Erreger, aber bakterielle Mischinfektionen
kommen bei einem beachtlichen Anteil der HIV-assoziierten Osteomyelitiden vor (Vassilopoulos 1997,
Ventura 1997).
Multisystemerkrankungen
Vaskulitis
Bei HIV-Patienten wurden zahlreiche vaskulitische Erkrankungen beschrieben, darunter Panarteritis
nodosa, der Morbus Behçet, Koronaritiden sowie leukozytoklastische Vaskulitiden wie die Purpura
Schönlein-Henoch, medikamentös getriggerte Hypersensitivitätsvaskulitiden und die Kryoglobulinämie.
Bei afrikanischen Patienten wurde eine Großgefäß-Vaskulitis beobachtet, die zum Teil zur Ausbildung
multipler Aneurysmata führt.
Diffuses infiltratives Lymphozyten Syndrom (DILS)
Das DILS kann mit dem Sjögren-Syndrom verwechselt werden, da beide Erkrankungen mit einer
schmerzlosen Vergrößerung der Speichel- und Tränendrüsen sowie einer Sicca-Symptomatik einhergehen.
Beim DILS kommt es zu einer antigen-getriggerten Infiltration von CD8-T-Lymphozyten in multiple
Organe. Es manifestiert sich typischerweise erst Jahre nach HIV-Serokonversion und reflektiert eine
ausgeprägte Immunantwort gegen HIV. Im Vergleich zum Sjögren-Syndrom ist die Speicheldrüse beim DILS
meist deutlicher vergrößert. Extraglanduläre Manifestationen sind ebenfalls häufiger, Autoantikörper
und Rheuma-Faktoren dagegen seltener (Basu 2006a). Extraglanduläre Komplikationen des DILS sind eine
interstitielle Pneumonitis (31 %), die Beteiligung von Skelettmuskulatur (26 %) und Leber (23 %)
(Johnson 2003h). Die Muskelsymptome des DILS sind von denen der Polymyositis nicht zu unterscheiden.
Eine ART ist meist effektiv und wahrscheinlich ursächlich für die zuletzt sinkende Inzidenz (Basu
2006a). Differentialdiagnostisch ist das DILS abzugrenzen von der Parotis-Lipomatose, die unter PIs
beschrieben wurde. Dabei kommt es zu einer Schwellung der Drüse durch Fetteinlagerungen,
möglicherweise in Folge der früher verwendeten, hohen Dosen von Ritonavir. Im Zweifel kann die
Gallium-Szintigraphie die Parotis-Lipomatose (schwache Tracerakkumulation im Drüsengewebe) vom DILS
(starke Traceraufnahme) unterscheiden.
Sarkoidose
Im natürlichen Verlauf der HIV-Infektion wird die Sarkoidose wahrscheinlich aufgrund der Bedeutung
von CD4-T-Lymphozyten bei der Granulombildung nur selten beobachtet (Foulon 2004gLenner 2001i). Die
meisten HIV-Patienten mit symptomatischer Sarkoidose haben CD4-Zellen über 200/µl. Die Sarkoidose
wird heute meistens bei Patienten beobachtet, bei denen unter ART die CD4-Zellzahl deutlich
angestiegen ist (Foulon 2004gLenner 2001i). Das Intervall zwischen ART-Beginn und dem Auftreten von
Symptomen ist bei einer pulmonalen Sarkoidose typischerweise länger (mehrere Monate) als bei
granulombildenden Infektionen.
Systemischer Lupus Erythematodes (SLE)
Typischerweise bessern sich die klinischen Symptome des SLE bei unbehandelter HIV-Infektion, was die
wichtige Rolle von CD4-T-Zellen in der Pathogenese dieser Kollagenose unterstreicht (Chowdhry 2005).
Dagegen kann es unter ART und Immunrekonstitution erst zur Manifestation des SLE kommen. Umgekehrt
kann sich die HIV-Infektion auch erst im Rahmen der SLE-Therapie mit Immunsuppressiva klinisch
demaskieren.
Diagnostische Probleme resultieren aus der Tatsache, dass es hinsichtlich Klinik und Laborparametern
viele Gemeinsamkeiten zwischen SLE und HIV-Infektion gibt. Orale Ulzerationen, Sicca-Syndrom,
Alopezie, Arthritis, Fieber und Neuropathien sind Merkmale beider Erkrankungen (Drake 2003). Der
HIV-Antikörper-Test kann beim SLE-Patienten falsch positiv sein. Deshalb sollte bei vorliegender
Kollagenose ein positiver HIV-Test durch ein auf HIV-RNA basierendes Nachweissystem bestätigt
werden.
Laborveränderungen
Bei HIV-Patienten kommt es nach Einleitung einer ART sowohl durch die polyklonale Stimulation von
B-Lymphozyten als auch durch die Expansion naiver oder antigen- erfahrener T-Zellen vermehrt zu
Autoimmunphänomenen (King 2004). Ausdruck dafür ist der positive Nachweis von Rheumafaktoren,
Kälteagglutininen oder antinukleären Antikörpern (ANA). ANCA wurden ebenfalls in hoher Frequenz
beschrieben. Die Komplementfaktoren sind meistens normal.
HIV ist wie andere Organismen auch ein bekannter Trigger für die Produktion von
Antiphospholipid-Autoantikörpern. Während die mit dem Antiphospholipid-Syndrom assoziierten
anti-ß2-Glycoprotein I (GPI)-Autoantikörper bei bis zu 50 % aller Patienten beschrieben wurden
(Loizou 2003), war das in funktionellen Tests gemessene Lupusantikoagulanz meistens negativ. Das
Vollbild des Antiphospholipid-Syndroms ist bei HIV-Patienten dennoch selten. Dies dürfte damit
zusammenhängen, dass Antikardiolipin-Autoantikörper häufig nur vorübergehend auftreten und unter ART
wieder verschwinden.
Kryoglobuline (Typ II und III) wurden bei bis zu einem Drittel der HIV-Patienten nachgewiesen, sind
jedoch bei HCV-Koinfektion noch wesentlich häufiger (Scotto 2006n). Die Prävalenz der
Kryoglobulinämie ist in der "HAART-Ära" allerdings rückläufig.
Antirheumatika bei HIV-Patienten
Nichtsteroidale antiinflammatorische Medikamente (NSAIDs) können zur symptomatischen Linderung
muskuloskeletaler Beschwerden verwendet werden. Indometacin (1-3 x tgl. 50 mg) dürfte hierbei einen
gewissen Vorteil bieten, da es auch die HIV-Replikation hemmt (Bourinbaiar 1995). Falls eine
antirheumatische Basistherapie eingeleitet werden muss, sollte Hydroxychloroquin (Quensyl®
Tabletten, Dosis 3-4 mg/kg) und Sulfasalazin (Pleon® Tabletten 500 mg, einschleichend über 4 Wochen
bis zu einer Erhaltungsdosis von max. 2 g tgl.) der Vorzug gegeben werden, da beide Medikamente
keinen immunsuppressiven Effekt haben und die virale Replikation nicht fördern (Disla 1994).
Hydroxychloroquin besitzt sogar eine gewisse antiretrovirale Aktivität (Sperber 1997).
Methotrexat (10-20 mg 1x/Woche oral oder subkutan, zur Vermeidung von Nebenwirkungen zusätzlich
Folsäure 5-10 mg oral alle 48 Stunden nach MTX-Applikation) wurde bei HIV-Patienten trotz seiner
immunsuppressiven Eigenschaften ohne wesentliche Komplikationen angewendet und erwies sich als
effektiv (Maurer 1994). Fallberichte zeigen zudem, dass TNF-alpha-Blocker erfolgreich bei
HIV-assoziierten Spondarthropathien verwendet werden können und in Bezug auf die HIV-Infektion sogar
einen positiven Effekt haben könnten (Calabrese 2004).
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