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HIV-Enzephalopathie und HIV-assoziierte Myelopathie

von Christian Eggers und Thorsten Rosenkranz

HIV-Enzephalopathie

Die HIV-Enzephalopathie (HIVE) beruht auf einer Infektion des ZNS mit HIV. Unbehandelt erkranken 15-20 % der Patienten an der HIVE. Mit HIVE weitgehend synonym verwendete Begriffe sind: AIDS-Demenz-Komplex, HIV-Demenz und HIV-assoziierter kognitiv-motorischer Komplex (engl. meist HIV dementia). Die HIVE tritt überwiegend bei ausgeprägter Immunsuppression (CD4-Zellen unter 200/µl) auf.

Mit HAART ist auch die Inzidenz der HIVE zurückgegangen, jedoch geringer als die Inzidenz anderer AIDS-Manifestationen (Dore 1999). Risikofaktoren für die Entwicklung einer HIVE sind Koinfektion mit HCV, Drogenabusus und höheres Alter.

Durch den Nachweis von ß-Amyloid-Plaques im Gehirn und von erhöhten Liquorkonzentrationen des ß-Amyloid und des Proteins tau ergibt sich eine pathogenetische Parallele zum M. Alzheimer.

Bei der HIVE repliziert HIV auf hohem Niveau in Makrophagen und Mikrogliazellen des Hirnparenchyms. Neurone sind nicht sicher infiziert, jedoch kommt es über immunpathologische Mechanismen zur Funktions- und strukturellen Störung dieser Zellen. Das ZNS ist bei der HIVE bezüglich Virusreplikation und viraler Quasispezies ein vom hämatolymphatischen System partiell unabhängiges Kompartiment (Eggers 2003). Die Viruslast in Parenchym und Liquor ist gegenüber Nicht-Dementen erhöht, allerdings ist diese Korrelation bei antiretroviral behandelten Patienten geringer ausgeprägt. In der HAART-Ära hat sich das Bild der HIVE gewandelt (Brew 2004). Sie tritt nun in früheren HIV-Stadien, bei höheren CD4-Zellzahlen und bei bezüglich der Plasma-Viruslast gut supprimierten Patienten auf. Die Ursache hierfür ist unklar. Diskutiert wird eine anhaltende aber nur geringgradige Virusreplikation im ZNS bzw. eine von der Virusreplikation unabhängige immunpathologische Reaktion im ZNS.

Klinik

Die HIVE wird zu den subkortikalen Demenzen gerechnet. Sie entwickelt sich über Wochen und Monate. Eine schnellere Entwicklung muss an andere Ursachen denken lassen. Ist der Patient zum Zeitpunkt der Untersuchung durch Fieber, Müdigkeit, Sedierung oder eine akute Erkrankung in einem reduzierten Allgemein- bzw. Bewusstseinszustand, darf die Diagnose HIVE nur nach einer Verlaufsuntersuchung unter gebesserten Bedingungen gestellt werden.

Die Symptome werden von Angehörigen manchmal eher bemerkt als vom Betroffenen selbst. Daher ist eine Fremdanamnese unerlässlich. Charakteristische Klagen sind Verlangsamung, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie Antriebsstörung, milde depressive Symptome und affektive Verflachung. Zu typischen Symptomen und Befunden siehe Tabellen 1 und 2.

Tabelle 1: Symptome der HIV-Enzephalopathie (eigen- und fremdanamnestisch)

Kognition

Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Verlangsamung aller gedanklichen Leistungen (Auffassung, Verarbeitung)

Emotional

Verlust von Antrieb und Initiative, sozialer Rückzug mit Verlust sozialer Kompetenz (Umgang mit Geld, Kontakt mit Behörden), Depressivität, verminderte emotionale Schwingungsfähigkeit

Motorik

Verlangsamung und Störung der Feinmotorik (z.B. Tippen auf Rechnertastatur, Knöpfe schließen), Gangstörung

Vegetativ

Miktionsstörung (imperativer Harndrang, Dranginkontinenz), verminderte Libido, erektile Impotenz

Tabelle 2: Befunde bei der HIV-Enzephalopathie

Neurologischer Befund

In frühen Stadien: Gangunsicherheit, Verlangsamung schneller alternierender Bewegungen, Hypomimie, gelegentlich kleinschrittiger Gang und Tremor

Später Steigerung der Muskeleigenreflexe mit positivem Babinski, Verlangsamung der Blicksakkaden, positiver Palmomental-, Greif- und Glabellareflex, Sphinkterstörung, gelegentlich begleitende Polyneuropathie

Im Endstadium spastische Tetraplegie und Inkontinenz

Neuropsychologischer
Befund

Verlangsamung der psychomotorischen Geschwindigkeit (z.B. Monate rückwärts aufsagen), Abnahme von Merkfähigkeit (Erinnern genannter Gegenstände, Ziffernspanne) und mentaler Flexibilität (rückwärts buchstabieren)

Psychopatho-
logischer
Befund

In frühen Stadien verminderte emotionale Schwingungsfähigkeit, Persönlichkeitsverflachung, Aspontaneität, Ablenkbarkeit

Später zusätzlich Zeitgitterstörung, schließlich Desorientiertheit zu Zeit, Ort und Situation. Schließlich Mutismus

Eine eindeutige Vigilanzstörung, Herd- bzw. Seitenzeichen (z. B. Hemiparese, Aphasie) oder Meningismus gehören ebenso wenig zum Bild der HIVE wie psychotische Symptome ohne begleitende kognitiv-motorische Störung. Die Koinzidenz von HIVE und Psychose ist gering. Selten treten fokale und generalisierte epileptische Anfälle auf.

Der Schweregrad der HIVE kann klinisch-funktionell nach der Memorial-Sloan-Kettering-Skala (Price 1988) eingeteilt werden:


Stadium 0:

(normal) Normale kognitive und motorische Leistungen

Stadium 0,5:

(unklar/subklinisch) Keine Beeinträchtigung der Arbeit oder täglicher Verrichtungen. Normaler Gang. Evtl. gering verlangsamte Okulo- und Extremitätenmotorik

Stadium 1:

(leicht) Kann alle außer den anspruchsvollen Tätigkeiten bei der Arbeit und im täglichen Leben leisten. Eindeutige Hinweise auf kognitive oder motorische Störungen. Gang ohne Hilfe möglich

Stadium 2:

(mittelgradig) Nicht mehr arbeitsfähig. Kann nur die einfacheren Tätigkeiten des täglichen Lebens leisten. Gangstörung, evtl. auf Gehhilfe angewiesen

Stadium 3:

(schwer) Ausgeprägte kognitive Störung (kann auch für die eigene Person relevanten neuen Informationen nicht mehr folgen, komplexe Unterhaltung nicht möglich, erhebliche psychomotorische Verlangsamung) oder ausgeprägte motorische Störung (Gang nicht mehr selbständig, sondern nur noch mit z. B. Rollator, relevante Verlangsamung und Ungeschicklichkeit der Armmotorik)

Stadium 4:

(Endzustand) Nahezu oder komplett mutistisch. Stark beinbetonte spastische Tetraparese bis –plegie. Harn- und Stuhlinkontinenz. Ausdrücken und Verstehen nur noch einfachster Inhalte

 

Diagnostik

Die Diagnose HIVE wird aus der Zusammenschau klinischer und diagnostischer Befunde gestellt. Kein Zusatzbefund für sich allein belegt die Diagnose HIVE. Die Diagnose bedarf immer des Ausschlusses anderer Erkrankungen (Tabelle 3).

Klinisch bestehen neben den kognitiven und psychopathologischen Störungen immer auch motorische Auffälligkeiten, die allerdings diskret sein können (Tabelle 2). Die kognitive Störung kann mit der internationalen HIV-Demenz-Skala (Sacktor 2005) als einfachem Bedside-Test gut erfasst und quantifiziert werden.

Die wichtigste Aufgabe der Zusatzdiagnostik ist der Ausschluss von Differentialdiagnosen. Methode der Wahl ist das MRT. Oft finden sich hier flächige, diffuse und relativ symmetrische Hyperintensitäten der weißen Substanz im Sinne einer Leukenzephalopathie und eine globale Hirnatrophie. Diese Befunde sind aber weder spezifisch noch sehr sensitiv für die HIVE. Im Unterschied zur PML sind die sog. U-Fasern meist nicht beteiligt, d.h. die Marklagerveränderungen reichen nicht bis ans Rindenband heran. Deutlich asymmetrische Hyperintensitäten, Ödem, Raumforderung und Kontrastmittel-Aufnahme passen nicht zur HIVE.

Im Liquor ist die Zellzahl meist normal bis eher niedrig. Sie kann aber bei Patienten, die unter einer mindestens partiell wirksamen HAART stehen, auch leicht erhöht sein, was dann einen entzündlichen Charakter der HIVE evtl. im Rahmen eines Immunrekonstitutionsphänomens nahelegt. Gesamteiweiß und Albumin-Quotient können gering erhöht sein (Schrankenstörung). Oligoklonale Banden und ein erhöhter IgG-Quotient als Ausdruck einer autochthonen IgG-Produktion im ZNS sind nicht spezifisch, sondern finden sich häufig schon im asymptomatischen Stadium der HIV-Infektion. Die HIV-Viruslast im Liquor ist statistisch bei der HIVE erhöht, jedoch ist dieser Zusammenhang im Einzelfall ohne diagnostischen Wert. Im Elektroenzephalogramm (EEG) zeigt sich ein Normalbefund bzw. eine geringe Verlangsamung des Grundrhythmus im Sinne einer leichten Allgemeinveränderung. Eine mittlere oder schwere Allgemeinveränderung oder deutliche und kontinuierlich auftretende Herdbefunde sprechen für andere Krankheiten.

Tabelle 3: Differentialdiagnosen der HIV-Enzephalopathie und diagnostische Maßnahmen

Krankheit

geeignete diagnostische Maßnahme (Kommentar)

Neurolues

Antikörperdiagnostik und Liquoranalyse (Pleozytose >45/3)
(typischer Antikörperbefund wie bei florider Lues kann fehlen)

CMV-Enzephalitis

Liquor (Pleozytose, evtl. granulozytär; Glukose erniedrigt,
Gesamt-Eiweiß erhöht)

PCR in Liquor, CMV-Antigen (pp65) im Blut

Antikörper in Blut und Liquor (evtl. erhöhtes IgG, Antikörperindex)

MRT (evtl. Hyperintensität und KM-Anreicherung subependymal)

Meist bestehen andere CMV-Manifest. (z. B. Retinitis, Colitis)

Toxoplasmose

CT / MRT (uni- oder multifokale Läsionen oft in Basalganglien oder Thalamus mit Raumforderung, Ödem und KM-Anreicherung)

Antikörper in Blut und Liquor (Seronegativität selten)

(Kann selten als diffuse Mikrogliaknötchen-Enzephalitis ablaufen)

primäres ZNS-Lymphom (PZNSL)

MRT/CT (uni- oder multifokale, oft ventrikelnahe Läsionen mit Raumforderung, Ödem und KM-Aufnahme)

Liquor-Zytologie (ggf. Immunzytologie)

EBV-PCR (PZNSL sind fast immer EBV-induziert)

PET oder SPECT (Mehranreicherung des Tracers)

VZV-Enzephalitis

Liquor (deutliche Entzündungszeichen)

IgG-Antikörper in Blut und Liquor (Akutmuster kann fehlen)

PCR auf VZV in Liquor

Meist vorhergehende/begleitende kutane Zoster-Manifestationen

Kryptokokkose

Liquor (Eröffnungsdruck oft erhöht, Zellzahl und Eiweiß manchmal normal), Tuschefärbung Liquor

Kryptokokken-Antigen in Blut und Liquor, Pilzkultur

Tuberkulöse Meningitis

andere Bakterien

Liquor, Kultur, Mykobakterien-PCR

Entsprechende Erregerdiagnostik

Progressiv multifokale Leukenzephalopathie (PML)

MRT (uni- oder multifokale Läsionen der weißen Substanz ohne Raumforderung, Ödem und KM-Anreicherung

PCR auf JC-Virus im Liquor

Intoxikation

Medikamentenspiegel / Drogenscreening

Metabolische Enzepha-lopathie und schlechter Allgemeinzustand

Labor (Blutbild, Elektrolyte, Niere, Leber, ggf. TSH und Cortisol)

Hypoxämie? (Blutgasanalyse)

Stark verminderter AZ? (Bettlägerigkeit bei Kachexie, Fieber)

Depression mit "Pseudodemenz"

Psychiatrische Untersuchung

Andere Formen der "subkortikalen" Demenzen

Normaldruckhydrozephalus, Parkinson-Syndrome, andere neurodegenerative Erkrankungen, subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie (SAE)

 

Therapie

Wesentliches Ziel ist die Suppression der Virusreplikation im ZNS. Nicht ausreichend geklärt ist dabei die Bedeutung der Penetration der antiretroviralen Substanzen in den Liquor. Während die bessere Wirkung liquorgängiger ART-Substanzen auf das ZNS durch einige klinische (Letendre 2004), virologische (de Luca 2002), pathologische und elektrophysiologische Studien postuliert wurde, fanden wir selbst keinen Einfluss der Zahl der ZNS-gängigen Substanzen und deren gemessener Liquorspiegel auf die Suppression der Liquor-Viruslast (Eggers 2003). Die neurokognitive Besserung unter HAART korreliert besser mit dem Rückgang der Viruslast im Liquor als im Plasma (Marra 2003).

Solange diese Frage nicht durch kontrollierte prospektive Studien mit klinischen Endpunkten geklärt ist, halten wir es für sinnvoll, dass bei HIV die ART möglichst viele liquor- bzw. ZNS-gängige Substanzen enthält. Diese sind AZT, 3TC (hohe Konzentration im ventrikulären Liquor; eigene unveröffentlichte Beobachtung), Nevirapin und Indinavir. Bei den in den letzten Jahren zugelassenen Substanzen ist die Liquorpenetration sehr niedrig. Allerdings überschreiten Lopinavir und Atazanavir im Liquor die minimale Hemmkonzentration ([IC50]), sodass unter Berücksichtigung der niedrigen Eiweißkonzentration im Liquor eine ZNS-Wirksamkeit gut möglich ist.

Einige kleine klinische Studien zur Behandlung der HIVE haben experimentelle sowie für andere Indikationen bereits zugelassene Medikamente zur nicht-antiretroviralen Zusatztherapie untersucht (u.a. Nimodipin, Selegelin). Diese Substanzen setzen in der molekularen Pathogenese der HIVE an. Teilweise zeigte sich ein Trend zu klinischer bzw. neuropsychologischer Besserung. Keine dieser Substanzen kann jedoch bislang für die klinische Routine empfohlen werden. Vielversprechend sind erste Ergebnisse für die für Epilepsie zugelassene Valproinsäure (Schifitto 2006).

HAART kann zu einer deutlichen Besserung der HIVE bis zur Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit bei vorheriger Betreuungsbedürftigkeit führen. Nach eigenen Beobachtungen hielt dieser Effekt bei ausreichend supprimierter Plasmavirämie bis zur Beobachtungszeit von bisher fünf Jahren an. Die gutachterliche Gewährung einer unbefristeten Erwerbsunfähigkeit aufgrund einer leichten HIVE oder des Verdachts hierauf halten wir deshalb für nicht prinzipiell gerechtfertigt. Die Leukenzephalopathie im MRT kann unter effektiver HAART zunächst progredient sein, ist bei vielen Patienten im Verlauf von ein bis zwei Jahren aber regredient.

Autopsie-, klinische und Liquorstudien zeigen, dass sich selten auch bei supprimierter Plasmavirämie eine klinisch apparente HIV-Infektion des ZNS entwickeln kann. Antiviral behandelte HIVE-Patienten mit weitgehender (aber nicht notwendig kompletter) Suppression der Virusreplikation im Liquor können sich neuropsychologisch noch verschlechtern (Cysique 2005). Unter einer im Plasma erfolgreichen ART sinkt die Liquor-Viruslast bei vielen HIVE-Patienten nur stark verzögert ab (Eggers 2003). Aus diesen Gründen halten wir Kontrollen der Liquor-Viruslast bei HIVE-Patienten für ein bis zwei Jahre nach ART-Beginn für indiziert.

HIV-Myelopathie

Klinik

Weil eine Myelopathie ohne die neuropsychologischen Störungen der HIVE auftreten kann, gilt die HIV-assoziierten Myelopathie (HIVM) als eigenes Krankheitsbild. Häufigstes morphologisches Korrelat ist eine Vakuolisierung besonders des thorakalen und zervikalen Rückenmarkes mit Betonung der Seitenstränge sowie das Auftreten Lipid-beladener Makrophagen (Petito 1985). Die Histopathologie der vakuolären Myelopathie kommt auch bei HIV-negativen Patienten vor; sie ähnelt der bei funikulärer Myelose. Da der Nachweis viraler Produkte in den Läsionen nicht immer gelingt, ist die Bedeutung der HIV-Infektion des Rückenmarkes für die HIVM nicht gesichert. Pathogenetisch wird eine Störung der Cobalamin-abhängigen Transmethylierung diskutiert. Wie die HIVE tritt die HIVM überwiegend in den späten HIV-Stadien auf. Nur ein Teil der Patienten mit dem autoptischen Befund einer HIVM hat eine entsprechende klinische Symptomatik (dal Pan 1994).

Diagnostik

Tabelle 4: Differentialdiagnosen der HIV-Myelopathie und diagnostische Maßnahmen

Krankheit

geeignete diagnostische Maßnahme (Kommentar)

Mechanische Myelonkompression (zervikale Myelopathie, Diskusprolaps)

Degenerative HWS-Veränderungen

Im MRT Nachweis eines aufgebrauchten Liquorraumes und von Hyperintensitäten im Mark

Neurolues

Antikörper- und Liquordiagnostik (Pleozytose) - typischer Antikörperbefund wie bei florider Lues kann fehlen

CMV-Myelopathie

Liquor (Entzündungszeichen)

PCR auf CMV in Liquor

Antikörper in Blut und Liquor (evtl. erhöhtes IgG, Antikörperindex)

Toxoplasmose

KM-anreichernder Herd im MRT

VZV-Myelitis

Liquor (deutliche Entzündungszeichen)

Antikörper in Blut und Liquor

PCR auf VZV in Liquor

Meist vorhergehende oder begleitende kutane Zoster-Manifestationen und begleitende Radikulitis

HSV-Myelitis

Liquor (Entzündung kann fehlen), PCR auf HSV

HTLV-1
(Tropische spastische Paraparese)

Auslandsaufenthalt in der Karibik, Westafrika und Ostasien
meist chronischer Verlauf, Blasenstörung dazugehörig,
entzündlicher Liquor, Antikörper gegen HTLV-1

Funikuläre Myelose

Vitamin B12-Spiegel, Makrozytose

heredo-degenerative Krankheiten (familiäre spastische Spinalparalyse, Adrenoleukodystrophie, Friedreich-Ataxie etc.)

geeignete Untersuchungen der allgemeinen Neurologie

Die Diagnose der HIVM beruht auf dem klinischen Nachweis einer deutlich beinbetonten Tetrasymptomatik mit spastisch-ataktischem Gangbild, Hyperreflexie und positivem Babinski, Störung der Sphinkterkontrolle, ggfs. erektiler Impotenz sowie geringen handschuh- und sockenförmigen sensiblen Störungen. Die Diagnose einer eigenständigen HIVM kann nur dann gestellt werden, wenn eine evtl. gleichzeitig bestehende dementive Störung gegenüber der myelopathischen deutlich zurücktritt. Die Läsion der langen Bahnen kann elektrophysiologisch durch Latenzverlängerungen in den magnetisch und somatosensorisch evozierten Potentialen (MEP und SEP) untermauert werden. Liquor und Bildgebung (spinales MRT) sind unauffällig bzw. unspezifisch und dienen zum Ausschluss von Differentialdiagnosen (Tabelle 4). Es sollte immer ein MRT des zervikalen und ggf. des thorakalen Rückenmarkes angefertigt werden.

Therapie

Für die HIVM wurden schon unter Monotherapie mit AZT deutliche Besserungen gesehen (Oksenhendler 1990) und für die HAART bestätigt. Daher sollte immer eine HAART gegeben werden. Eine kontrollierte Studie zu L-Methionin ergab zwar eine elektrophysiologische, aber keine klinische Verbesserung. Eine krankengymnastische Behandlung kann zur Erhaltung der Gehfähigkeit beitragen.

Literatur

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